Gestern um 17.45 Uhr wa-
ren die Würfel für die Zwi-
schenrunde der Fußball-Welt-
meisterschaft in der BRD ge-
fallen. In die Gruppe A spiel-
ten sich die DDR, Holland,
Brasilien und Argentinien, in
die Gruppe B Jugoslawien,
Polen, die BRD und Schwe-
den (alles Nähere lesen Sie
auf Seite 15).
Es gab alles in allem zwei
.:;:.die
große -'.Überraschungen:
01-Niederlage der ,BRD ge-
;.die.
gen
DDR und das Aus
scheiden der Italiener bereits
nach der 1. Finalrunde..,
'Eines haben die bisherf-,
.gen 24 WM-Spiele klar aufge-,
zeigt: Der Wohlstandsfußball
hat ausgespielU9as
betrifft in
erster Linie die Italiener, de
ren alternde' ‚Stars resignier-
, ten; denn sie waren 'nicht in.
der Läge; der Jugend Paroli'
zu bieten. Bedroht vom: Wohl-
standsfußball sind 'aber auch
Brasilien und nicht zuletzt die`
Samstag,
BRD, die am
abend
gegen die Ostdeutschen,eine
Art Alibifußball spielte einen
antiquierteh, ' Fußball' ohne
Außenstürrner; einen Fußball,
der im 'gegnerischen Straf-
, -
raum oder schon knapp vor-
her ,scheiterte, weil kaum ei
der
Schön-Scbützlinge
<bereit wär sich vor dem geg-
. rierischen , Tor kompromißlos
`einzusetzen..
Bislang spielten die Ost-
poR,
' block-Fußball-Länder
Jugoslawien und Polen', aber
auch Holland jenen Fußball;
loser Einsatz, hervorragende
dem '.der.Erfolg gehört; Tem-
Kondition, Abkehr vom Star-
unwesen und gro ßes Selbst-
vertrauen, das sind deren
herausragende Attribute.
Die BRD ist die undankbare
Rolle des Topfavoriten los!
Wenn sie aus der 0:1-Nieder- •
tage die richtigen Konsequen-
zen zieht, dann ist noch
nichts verloren, obwohl klare
Anzeichen eines Auseinan-
derlebens innerhalb des
Teams und -seiner Führung'
nicht zu übersehen sind. Der
kommende Mittwoch in Düs-
- seldorf wird ans Tageslicht
bringen, - wie , es um ' die
Kampfmoral des BRD-Teams:
bes tellt ist denn da heißt der
Gegner JugoslaWien.
Auf eine' Mannschaft, die
nicht nur über. ein solides
Teamwork; sondern auch
über einen hervorragenden.
Tormann verfügt,lsollte man
; vergessen: Auf
aber. nicht
tak- =
Schweden, , das bisher
,geführt.
tisch hervorragend
Argentinier.,
wurde:
Was, die
tatsächlich können, wird man
vielleicht am 'Mittwoch abend
wissen, denn Holland kann
wohl
echter Prüfstein ;für
als
die 'Argentinier bezeichnet
werden.
Man kann gespa nnt '
auf
den weiteren Verlauf der Fuß-
tiäll-WeltMeisterschaft warten.
Es gibt keinen ech ten Außen-
,
es gibt keinen heißen
seiter,-.
Favoriten, mit einem' Satz: Es
ist mehr denn je zuvor alles
drinnen!
Wohlstar sfußball
poreiches ,
Angriffsspiel, rest-
aus•
hat
espielt!
dirn wieder sehr gut
Hellstr
.
Gegen diesen Kopfball von Szarmach, dem vielleicht produktivsten Spieler im Stuttgarter Neckar-Stadion,
Uruguay—Schweden 0:3
hatte auch Zoff trotz spektakulärer Parade keine Chance. Polen führt gegen Italien 1:0.
Das Ende der italienischen „Fußballgötter"
Die Polen siegten ver dient 2:1
Schön und Valcareggi im
Kreuzfeuer der Kritiker
Nach der 0:1-Nie-
derlage der BRD ge-
gen die DDR' und
dem Ausscheiden der
Italiener, aus der
Fußball-WM stehen
deren alleinverant-
wortliche Trainer und
Betreuer natürlich im
Kreuzfeuer der Kriti-
Helmut Schön wur-
de unmittelbar nach
Spielende in Hamburg
mit Vorwürfen und
Vorschlägen über-
schüttet und über-
häuft. Vorgeworfen
werden ihm in erster
Linie der Austausch
von Schwarzenbeek
und Overath (für die
beiden kamen Hött-
ges und Netzer) so-
wie der Verzicht auf
echte Außenstürmer.
Schön (etwa 20
Minuten nach dem
Match im ZDF): „Die
Mannschaft hat mich
enttäuscht, ich möcht e
mich aber dazu noch
nicht äußern, ich muß
selbst. sprechen." —
erst mit den Spielern haben den Fehler wesen.
Auf die Frage, war-
um er Overath aus
dem Spiel genommen
habe, sagte der Bun-
destrainer: „Er war
verletzt." Auf dem
Bildschirm sah es al-
lerdings anders aus,
denn Overath gab
sich überaus ent-
täuscht und verärgert.
Nun muß Schön
eine Flut von Vor-
schlägen, wie er die
Mannschaft umzufor-
mieren habe, über
sich ergehen lassen.
Viele Deutsche spie-
len jetzt Bundestrai-
ner, viele wissen es
besser. Das alte Lied.
Aber Umstellungen
zeichnen sich ab.
Ferruccio Valca
r eggi: „Wir haben
heute gegen eine
Mannschaft verloren,
die' einen sehr guten
Fußball spielt und in
dieser Weltmeister-
schaft noch sehr weit
kommen kann. Wir
gemacht, in unserem
ersten Spiel gegen
Haiti zuwenig Tore
zu schießen."
Bei Valcareggi darf
man vorerst nur ver-
muten, daß ihm das
Ausscheiden der
„Squadra" seinen Po-
sten kosten wird, bei
einem anderen ist
bereits alles entschie-
den: Roberto Porta,
Teamchef der Urus,
hat unmittelbar nach
dem 0:3 gegen die
Schweden in Düssel-
zweiten Versüch dorf seinen Rücktritt
bekanntgegeben.
überaus fair der
Trainer der schotti-
schen Nationalmann-
schaft Willi Ormond,
der unmittelbar nach
dem für ihn „vernich-
tenden" 1:1 gegen Ju-
goslawien spontan
gratulierte. Jugo-
Trainer Milan Milja-
nic meinte, das sei
sein größter Eindruck
von diesem Spiel ge-
Montag. 24. Juni 1974
Die Skandinavier, die im Ver-
gleich zum Holland-Match mit drei
neuen . Spielern (Grip für Olsson,
Kindvall für Tapper und Magnusson
für Ejderstedt) begannen, verdan-
ken ihren Sieg vor allem den wei-
ten Steilpässen auf Edström und
Sandberg, währe nd im Mittelfeld Bo
Larsson das Spiel vor allem in den
zweiten 45 Minuten gestaltete. Dabei
wurde er von ' Kindvall und Ove
Grahn blendend unterstützt.
Eine ausgezeichnete Leistung voll-
brachte wieder einmal Schlußmann
Hellström, der sich' in der ersten
Spielhälfte bei mehreren gefährli-
chen Schüssen der Urus auszeich-
nete.
Für die Urus war das Match
offensichtlich bereits mit dem 0:1
verlören, von diesem Zeitpunkt an
resignierten sie und • gaben den
Schweden durch arge Mängel in der
Abwehr immer wieder Gelegenheit
zu gefährlichen Kontern. Nicht über-
zeugend' wirkte diesmal auch der
Argentinien hat den Aufstieg in die
WM-Zwischenrunde geschafft! Team-
chef Cap umarmt seinen Spieler He-
redia. „Jetzt w erden wir zeigen, was
wir wirklich können!", geben sich die
Es war ein Spiel zweier „Fuß-
Argentinier selbstbewußt.
ballwelten". Die Polen praktizierten
den Fußball des Jahres 1974, die Ita-
liener den der späten sechziger
Jahre. Hier Athleten im Zenit ihren
Leistungsfähigkeit, dort Stars, „Fuß-
ballgötter", die am Ende ihrer Lauf-
bahn stehen. Und so gab es schließ-
lich einen „logischen" Sieger, den
Sieger der Jugend, des Schwunges
und Elans, den Sieger der Durch-
schlagskraft und der physischen
Überlegenheit — Polen.
Die große Squadra Azzurra der
WM 1970 scheiterte an der Genera-
tionenfrage. Die Mannschaft mit
einem Durchschnittsalter von fast
30 Jahren war die sem kräfterau-
benden Turnier körperlich und teil-
weise auch kämpferisch richt. ge-
Das-
wachsen:-
sah' man schon im
Startspiel gegen Haiti, das setzte
sich im Treffen mit Argentinien fort
und wurde gestern nachmittag vor
72.000 Zuschauern im Neckar-Stdion
— unter ihnen mehr als 30. 000
fosi — zur Gewißheit.
Italiens Fußball muß umdenken,
von Grund auf. Torhüter Zoff zum
Beispiel ist auch nur ein Mensch. In
Wien gegen Österreich konnte er
zum letztenmal seinen „Traum-
rekord" — seit vielen Monaten kein
Tor in der Nationalmannschaft er-
halten zu haben — halten. Schon
gegen Haiti kassierte er einen Tref-
fer, gegen Argentinien war e5 ein
weiteres Mal, daß er hinter sich
greifen muß te, und gegen Polen
wurde er gar zweimal bezwungen.
Dabei zählte er sicherlich noch zu
den Pluspunkten. In der Verteidi-
gung gab es dann aber — sieht man
von Facchetti ab — nur noch schwa-
che Punkte. überragender Spieler
der Azzurri war Mazzola, auch Cau-
sio war gut. Anastasi und Chinaglia
sowie Boninsegna ließen viele Wün-
sche offen.
Bei den Polen sah man nach ner-
vösem Beg inn eine eno rme Ste ige-
rung. Die italienische Abwehr wurde
von den Flanken her schonungslos
aufgerissen, und so wurden zahlrei-.
che Chancen herausgespielt. Toma-
szewski im Tor war nicht immer
sicher, Gorgon, der Turm im Ab-
wehrzentrum, spielte fast fehlerlos.
Musial, Spielinacher Deyna, der er-
folgreiche Schütze Szarmach und
Tor gegen Ita lien •ein Sportwagen
versprochen worden ist, - ließ Carne-,
vali keine Chance (63.). Yazalde
war es schließlich, der in der 67. Mi-
nute zum 4:1 „abstaubte".
.
Heredia, Ayala und Yazalde wa-
ren die Aktivposten der Sieger; der
„schwarze Panther" ' Francillon und
Sanon imponierten bei den Unterle-
schnellen Flügelstürmer Lato und
genen." - •
Gadocha waren stets gefährlich.
In der 33. Mi nute schied Burg-
nich verletzt aus, für ihn kam Wil-
son, dann folgte das 1:0. Kasperczak
flankte halbhoch, Zoff erwischte den
Ball nicht, und Szarmach schlug
den Italien-Keeper (39.). In der 41.
Minute schloß Mazzola einen herr-
lichen Sololauf mit einem Idealpaß
zu Causio ab, doch aus der Chance
wurde nichts. Kurz - danach eine
schöne Flanke von Mazzo la und Chi-
naglia überköpfelt Torma nn und
Tor.
Im Gegenstoß *fiel das 2:0 durch
einen herrlichen Schuß vom Sech-
zehner von Deyna (45.). Italien
kam nach der Pause mit Boninsegna
für Chinaglia. Vom Abstoß hätte
Szarrnachfast das 3:0 erzielt, und im
Gegenstoß traf AnaStasi nur den
eine-
Pfosten: Causio vergab tolle
Möglichkeit (57.), von den Rängen
schallte es ,.Polen vor, noch ein Tor".
Gelbe Karte für Boninsegna,
Deyna scheiterte an Zoff (75.), und
in derselben Minute kam Cmikiewicz
für Szarmach. Innerhalb von zwei
Minuten waren dann die Italiener
dem Anschlußtreffer nahe. Es gab
vier Corner und .drei Chancen für
die Azzurri.
In der' 86. Minute kam der An-
schlußtreffer für Italien. 'Causio
spielte zu Cape 11 o, der das 2:1
besorgte. Es blieb dabei und Italien
schied aus.
Stuttgarter Neckar-Stadion, 72.000
Zuschauer, SR Weyland (BRD). -
Polen: Tomaszewski; Szymanow-
ski, G orgon, Zniuda, Musial; Kas-
perczak, Deyna, Maszcyk; Lato,
Szarmach, Gadocha.
Burgnich,
Facchetti; Benetti, Maz-
zola, Capello, Causio; Chinaglia,
Anastasi.
Neeskens verwandelte
zwei Penaltys: Holland
schlug Bulgarien 4:1 (2:0)
ner Die Bulgaren kamen auch bei
ihrer fünften WM en suite nicht über
die. Gruppenspiele hinaus. .Vor dem
Anpfiff des Spieles gegen Holland
in Dortmund vor 54. 000 Zuschauern
(ausverkauft), darunter - 30.000. Hol-
länder, befanden sich die Bulgaren
noch vor Schweden in der Zwischen-
runde, doch schon in der 6. Minute
verursachte ein Foul an Cruyff und
ein daraus resultierender _ Penalty,
der von Neeskens verwandelt
wurde,-den 0:1-Rückstand. Noch vor
der Pause (45.) folgte abermals durch
einen Foulpenalty von Ne eskens
das 2:0 für Holland.
Die Niederländer waren auch nach
Seitenwechsel dominierend. R e p
fixierte das 3:0 (71.), Kr ol verkürzte
durch ein Eigentor (78.) auf 3:1, doch
de Jong ste llte in der 86. Minute
den alten Abstand wieder her.
Bei den Holländern war die über-
ragende Erscheinung Cruyff, der wie
erwartet der große Regisseur war.
Dortmund, 54.000 Zuschauer (aus-
verkauft), Schiedsrichter Bos kovic
(Australien).
- Bulgarien: Staikov; Zonio Vassi-
1ev, Ivkov, Penev, Velitschkov; Ko-
lev, Bonev (46. Michailov), Stojanov;
Voinov, Panov (57. Borisov), Denev.
Holland: Jongbloed; Suurbier,
Haan, Rijsbergen, Krol; Jansen,
Neeskens (79. de Jong), van Hane-
gern (46. Israel); Rep, Cruyff, Ren-
sonst so sichere Schlußmann M azur-
kiewicz, und damit fehlte der Ab-
wehr auch der nöt ige Rückhalt.
Eine Minute nach Seitenwechsel
war es soweit. Kindvall flankte von
rechts zur Mitte, Edström nahm
sich den Ball herunter und jagte das
Leder zu dem von den rund 8000
schwedischen Schlachtenbummlern
vielbejubelten. 1:0 ins Netz, womit
den Skandinaviern nach insgesamt
225 Spielminuten der erste Treffer
geglückt war. Italien: Zoff; Spinosi, Morini, senbrink.
In der 74. Minute erhöhte S a n d-
berg auf 2:0, und Edström ver-
setzte schließlich in der 78. Minute
mit dem dritten Treffer den Süd-
amerikanern den endgültigen To-
•
desstoß.
Rheinstadion Düsseldorf, 27.000
Zuschauer, SR Erich Linemayr (0).
Uruguay: Mazurkiewicz; Jauregui,
Forlan, Garisto (46. Masnik), Pa-
voni;. Esparrago, Rocha, Mantegazza;
Milar, Morena, :Corbo (43. Cubilla).
Schweden: Hellström; Andersson,
Grip, Karisson, Nordqvist;• Larsson,'
Grahn, Kindvall (77. Torstensson);•
Magnusson (62. Ahlström), -Edström,
Sandberg.
Das Plansoll wurde- erfüllt:
äntinieiti
Arg-
4:1
Das 1:0 für Argentinien fiel be--
reits *nach 15 . Minuten: Y a z'a 1 d e.
-im
bezwang
Haiti-
Keeper Francillon, der angeblich in
der kommenden Saison bei 1860
soll.-
Mü nchen spielen -
•
Drei Minuten später hieß es durch
H,o usema n, der • eine Flanke von
Yaialde verwandelte, 2:0. Bis zur
Pause ‚gab es• noch auf •beiden -Seiten
Chancen, die Stürmer überboten ein-
. • München, ,18.000 , Zuschauer, SR
ander jedoch an Umständlichkeit. -
Sanchez-Ibanez:(Spanien): • .
Die Zuschauer wurden nur durch:
, Argentinien: , arnevali; - Wolff, :
die Bekanntgabe der .Tore der Polen
,
in Stuttgart aus ihrer Lethargie ge-. Perfurno, Heredia, Sa;
Housernan,
Teich, • Babington; Ayala, Yazalde,
rissen. Nach Seitenwechsel erhöhte
•
Ayala nach einem Freistoß von Kempes.
Haiti:
Wolff auf 3:0 (55.), ehe den Unter-
Francillon; Bayonne, Vorbe,
legenen der Ehrentreffer glückte. Nazaire, Ducoste; Desir, Antoine, Ra-
Mittelstürmer S a n o n, dem für sein eine; Saint-Vil, Sanon, Louis. Louis.