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Full text: Vorarlberger Nachrichten 1974 Q2 (1974)

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Seite 12 
Magazin 
Dienstag, 9. April 
1974 
Musik als "Pflanzendünger" 
CHopin-Musik wirkt bestens 
Als vor einigen Jahren ein Far­ 
mer aus Australien und einer aus 
Illinois berichteten, daß sie bessere 
Ernten erzielten, wenn sie Lautspre­ 
chermusik auf ihren Feldern hatten, 
wurden sie nicht ernst genommen. 
Mittlerweile bestätigten streng wis­ 
senschaftlich durchgeführte Experi­ 
mente an der Annamal-Universität 
in India, an der North Carolina Uni­ 
versität (USA) und an der Univer­ 
sität von Ottawa (Kanada), es beste­ 
he kaum ein Zweifel, daß Pflanzen 
durch Musik in ihrem Wachstum und 
in ihrer Entfaltung • beeinflußt wer­ 
den können. 
Der Zahnarzt Dr. George Mil­ 
stein, der auch ein bekannter Pflan­ 
zenzüchter ist, entdeckte bei seinen 
Experimenten, daß zum Beispiel 
eine tropische Pflanze, die normaler­ 
weise zwei Jahre braucht, um Blü­ 
ten zu entwickeln, unter dem Ein­ 
fluß von sanfter Musik schon inner­ 
Blüte 
halb von sechs Monaten in voller 
stand. Im Verein mit der En­ 
vironmental Sound Control Inc. in 
New York brachte Milstein kürzlich 
eine Schallplatte auf den Markt, die 
eine Auswahl von Musik enthält, 
welche besonders geeignet sei, das 
Wachstum von Pflanzen zu fördern. 
Nun kommt aus Denver (Colora­ 
do) die Nachricht, daß in dem Schul­ 
laboratorium swa Temple Buell 
College Experimente unter allen 
wissenschaftlichen Kontrollbedin- 
gungen durchgeführt wurden, die er­ 
gaben, daß die Rock ’n’ Roll-Musik 
das Wachstum der Pflanzen hindere, 
ihre Wurzeln verkrümme und das 
Blätterwerk vernichte. Die Pflanzen, 
welche täglich drei Stunden der 
Rockmusik ausgesetzt waren, wen­ 
deten sich schon nach zehn Tagen 
vom Lautsprecher ab und zeigten 
Zeichen der Entartung. Nach drei 
Wochen war keine Pflanze der Rock­ 
Besser 
abteilung mehr am Leben. 
erging es den Pflanzen, die 
einer zeitgenössischen Avantgarde- 
Musik ausgesetzt waren, obwohl 
auch sie Spuren von Abnormalität 
zeigten, im Vergleich zu den Pflan­ 
zen, die ohne Musik großgezogen 
wurden. Am besten aber gediehen 
jene Pflanzen, die leichte klassische 
Musik wie Debussy und Chopin oder 
Orgelmusik von Bach zu hören be­ 
kamen. 
4:1 für Ratten 
Die rund vier Millionen Einwoh­ 
ner von Taipeh sind hoffnungslos in 
der Minderheit — in der Hauptstadt 
Taiwans leben viermal so viele Rat­ 
ten wie Menschen. Um diesem Übel 
zu begegnen, haben die Behörden 
jetzt jedem Bürger, der eine tote 
Ratte abliefert, ein Freilos für die 
*Das 
Lotterie versprochen. 
Schweizer „Covergirl 197 4", das heißt, das fotogenste Schweizer 
Mädchen, wurde in den Räumen der schweizerischen Textilfachschule 
Wattwil (Toggenburg) erkoren. Auf unserem Bild präsentieren sich die 
drei Erstplazierten des von Modefachzeitschriften und der Publizitäts­ 
stelle der schweizerischen Baumwoll- und Stickereiindustrie organisier­ 
ten Wettbewerbes. Von links nach rechts: die 20jährige Bankangestellte 
Beatrice Gay aus Carouge (2. Platz), die 21jährige Lehrerin Kathrin 
Zingg aus Wangen als Siegerin und die 17jährige Gymnasiastin Karin 
Staub aus Forch (3. Platz). (Foto: Keystone) 
Wer in Italien sein Strafmandat 
prompt bezahlt, ist schlecht beraten. 
Die meisten italienischen Autofahrer 
handeln nach dem Prinzip „Parke 
. falsch, zahle später“. Wer nämlich 
die Geldstrafe in den ersten 15 Ta­ 
gen bezahlt, muß 5000 Lire entrich­ 
ten, wer aber erst nach 15 Tagen der • 
Zahlungsaufforderung nachkommt, 
muß nur noch 3335 Lire auslegen. 
Dies wird durch eine Lücke in einer 
neuen Verordnung ermöglicht, durch 
von 
die die Geldstrafe für Falschparken 
1000 auf 5000 Lire erhöht wurde, 
soweit sie in den ersten 15 Tagen 
bezahlt wird. Allerdings vergaßen 
die Gesetzesbastler, auch die Geld­ 
strafe bei Bezahlung nach 15 Tagen 
neu zu regeln, so daß es eben hier 
beim alten Satz von 3335 Lire bli eb. 
Dies veranlaßte die Zeitung „II Mes­ 
saggero“ zu der sarkastischen Frage, 
ob Autofahrer, die ihre Geldstrafe 
nie bezahlen, wohl mit einer Beloh­ 
nung rechnen könnten. 
Wildwest in Kuba 
Tausende von begeisterten Kubanern strömen jedes Wochenende in 
das Stadion des großen Leninparks von Havanna, um. die „Rodeos“, die 
beliebten Reiterspiele und waghalsigen Kunststücke der „Vaqueros“,,(wie 
hier. die. Cowboys heißen) zu bewundern. Hier 'stellen die Stars ihre 
Kraft und Geschicklichkeit unter Beweis,,, wenn,, sie wilde Pferde be­ 
freiten', junge Kälber mit dem Lasso einfangen oder versuchen, sich ritt­ 
lings: ein paar Sekunden auf dem Rücken, eines wütenden Stiers zu 
halten. In Kuba, wo die Stierkämpfe im spanischen Stil nie rech ten 
Anklang fanden, sind die Rodeos heute eine Attraktion ersten Ranges. 
Seit zwei Jahren, als das riesige Rodeo-Stadion mit seinen 27,000 Sitz­ 
plätzen eröffnet wurde, finden alljährlich unter der organisatorischen 
Leitung des staatlichen Instituts für Agrarreform sogar nationale Mei­ 
sterschaften statt. 
Sind sie nicht süß: Das Löwenbaby mit der Milchflasche und sein unzertrennlicher Freund, der Dachshund 
„Wilhelmina“? Ob die Freundschaft freilich unter den ausgewachsenen Tieren noch Bestand hat, bleibt 
abzuwarten. (Funkbild: VN/UPI) 
Wiederstand gegen Pressepool 
Rund 3000 Redakteure, Verlags­ 
angestellte und Techniker wollen 
ihre Arbeitsplätze „notfalls mit un­ 
gewöhnlichen Mitteln“ verteidigen. 
Darüber einigten sich in Stuttgart 
die Betriebsräte und Vertrauens­ 
leute der Stuttgarter Nachrichten, . 
der Stuttgarter Zeitung, der Süd­ 
westpresse in Ulm und der Neuen 
württembergischen Zeitung, welche. 
kürzlich eine Zusammenarbeit ver­ 
einbarten. 
In einer Reihe von Schwerpunkt­ 
maßnahmen soll die personelle und 
wirtschaftliche Mitbestimmung der 
Beschäftigten durch „unverzüglich 
abzuschließende Firmentarife“ gesi­ 
Kündigung 
chert werden. Außerdem soll jeder 
widersprochen . und not­ 
falls mit „ungewöhnlichen Maßnah­ 
men“ beantwortet werden. 
Das Mitglied des Hauptvorstands 
der Industriegewerkschaft IG Druck 
und Papier, Eugen Stotz, kündigte' 
an, die Gewerkschaft werde den 
Konzeritrationsvorgang zum Anlaß 
erneuter und verstärkter Bemühun­ 
gen. nehmen, den Tendenzschutz­ 
paragraphen durch ein Gesetz zu 
Fall zu bringen. 
Der neugewählte Landesvorsit­ 
zende des Deutschen Gewerkschafts­ 
bundes, Günter Erlwein, sagte seine 
Unterstützung zu. Er teilte gleich­ 
bergische 
zeitig mit, daß die baden-württem­ 
SPD-Landtagsfraktion in 
der übernächsten Woche die betei­ 
ligten Gruppen „zur Klärung not­ 
wendiger gesetzlicher Änderungen“ 
Riesenbrand 
zu einer Anhörung bitten werde. 
Ein riesiger Waidbrand im Lin­ 
coln-Nationatpark in dem ameri­ 
kanischen Bundesstaat New Me­ 
xiko ist am Sonntag außer Kon­ 
trolle geraten und hat, vom Wind 
angefacht, ein Gebiet von 52 
Quadratkilometern erfaßt, wie die 
Feuerwehr mitteilte. Zur Be­ 
kämpfung des Feuers wurden 
450 Mann mit schweren Geräten 
eingesetzt. Nach Angaben eines 
Sprechers der Forstverwaltung 
steht noch nicht fest, wann 
de*. Brand unter Kontrolle. ge­ 
Nasch-Katzen 
bracht werden kann. 
Die Engländer sind die größ­ 
ten Naschkatzen der Welt: sie 
haben im vergangenen Jahr nach 
Angaben der in London erschei­ 
nenden . Wirtschaftszeitschrift 
„Mintel“ nicht weniger - afs 
300.000 Tonnen Zuckerln im Wert 
von umgerechnet 8,2 Mrd. S kon­ 
sumiert. Kuchen, Torten, Schoko- 
Jade und .andere Süßigkeiten 
sind in dieser Statistik nicht ent­ 
halten. Mit diesem Zuckerlberg 
haben die Engländer die an 
zweiter Steile stehenden Hollän­ 
der bei weitem geschlagen. 
Liebe kleine Tierchen 
Noch immer wird der Mensch von 
Parasiten geplagt. Trotz aller Fort­ 
schritte von Medizin und Hygiene 
sind diese Plagegeister nicht auszu­ 
rotten. Noch immer sterben Hun­ 
derttausende an parasitären Krank­ 
heiten, siechen Millionen apat hisch 
dahin, weil- Parasiten an ihrer Le­ 
benskraft zehren. Mit dem zuneh­ 
menden Reiseverkehr in tropische 
Länder ist die Parasitenkunde auch 
für Mitteleuropäer aktuell gewor­ 
den: Jeder Tourist muß mit Bilhar­ 
ziose, Malaria oder Amöbenruhr 
rechnen. 
Professor Dr. Dieter Matthes und 
seine Frau, Dr. Carla Matthes, beide 
an der .Universität Erlangen-Nürn­ 
berg, führen in dem Band:. „Plage­ 
in 
geister des Menschen — Schmarotzer 
und an uns“, in verständlicher, 
lebendinger, Sprache in die Para­ 
sitenkunde ein. Zwölf instruktive 
Farbzeichnungen und 16 Farbfotos 
beleben den Text. Erschienen im 
Kosmos-Verlag, Stuttgart. Schmarot­ 
zer - sind : keine ; liebenswerten Ge­ 
schöpfe, doch für den Zoologen sind 
viele Parasiten hochinteressante Tie­ 
re. Unsere wichtigsten Parasiten — 
vom Bandwurm bis zum Holzbock — 
sind in dem Band beschrieben. Dem 
Besucher - tropischer und- südlicher 
Länder, dürfte- die- Lektüre des - Bu­ 
ches ‘ eine .wertvolle Hilfe sein. Ne­ 
benbei erfährt man noch, daß Läuse, 
Flöhe und- auch Wanzen — diese 
„reizenden“ Tierchen — auch in un­ 
seren Breiten durchaus noch zu fin­ 
_Ein 
den sind. 
Loch im Gesetz 
Hoppla, kleiner Mann! Ob dieser Schubkarren für den 18-Monate-Knirps nicht doch ein wenig zu schwer ist? 
Immerhin, was ein häuslicher Gartenchef werden will, muß beizeiten anfangen — und der Frühling weckt 
natürlich überschüssige Kräfte. (Funkbild: VN/UPX)
	        
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