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Full text: Vorarlberger Nachrichten 1974 Q2 (1974)

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endeschluB: 15. Juli 1974. Rechtsweg 
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Bonn:-Belgrad 
Bonn -- Das Abschlußkommuni- 
que zum Tito-Staatsbesuch in der 
verschiede- 
Bundesrepublik ist 
in 
„..rier . :Hinsiehtbemerkenswert. Nicht 
 uinfang- 
nur daß es 
ungewöhnlich, 
scheint, 'als solle da- 
: reiCti2 ist, es 
mit eih ‚neues Stück  Geschichte 
deutsch-jugoslawischer: Beziehun- 
gen geschrieben werdeh. Nur sechs 
der Wiederauf- 
Jahre sind seit 
nahme diplomatischer Beziehun- 
beiden Ländern ver- 
gen zwischen 
nachdem Bonn 1957 sei- 
gangen, 
nen”' Botschafter • Dr. Pfleiderer 
wegen der Anerkennung der DDR 
durch Belgrad von dort abgezogen 
hatte. 
• doch wäre es verfehlt, die 
Und 
jetzt beschworehe • Kooperation, 
besonders auf dem 'Wirtschafts- 
' sektor, als Paradebeispiel für 
langfristige Ost-West-Zusammen- 
arbeit anzuführen. Anders als im 
Verhältnis zu den Staaten des 
Warschauer Pakts gibt es hier so 
gut • wie keine Nebenwirkung 
die 
ideologischer Gegensätze, die 
wechselseitige Interessenlage stö- 
ren könnten. 
Jugoslawien will Unabhängig- 
keit — das ist seine Stärke zwi- 
schen . den Blöcken. Und dazu 
Bundes.. 
braucht es besonders die 
republik, zugleich als Sprungbrett 
für vermehrte Kontakte mit dem • 
Westen und vor allem den Län- 
dern der erweiterten EG. 
Für die Deutschen entspricht 
die Konsolidierung der Föderation 
elementaren 
am Balkan 
einem 
Politische 
Sicherheitsbedürfnis. 
Veränderungen größeren Aus- 
maßes könnten für Europa und 
die Welt verhängnisvoll sein. Das 
weiß Tito, das wissen seine Part- 
ner. Darum helfen sie ihm beim 
Aufbau des Landes. Extrem hohe 
Kredite zu besten Konditionen 
sind hier gerade gut ge nug. Im 
daher 
Kommunique hat man sich 
wichtigen 
auch . gegenseitig die 
Seiten 
Mittlerrollen nach allen 
bescheinigt. Enge Konsultationen 
werden kommen. Die bilateralen 
Bezieh un gen waren noch selten so 
	bdf 
gut. 
Die 
größten 
ach 
Kälber 
    
Samstag, 29. Juni 1974 
  
Seite 2 
(BDF) Die neun Außenmini- 
    
    
Bonn 
ster der Europäischen Gemeinschaft 
haben jetzt endgültig ein geregeltes 
Verfahren für die gegenseitige Un- 
terrichtung und Abstimmung beim 
Abschluß von Kooperationsverträgen 
zwischen einzelnen Mitgliedstaaten 
und dritten Ländern beschlossen. 
Bundesminister Hans-Dietrich Gen- 
scher zeig te sich sehr befriedigt über 
das Ergebnis der letzten Runde des 
Ministerrates, den er noch turnus- 
gemäß präsidierte, weil dadurch eine 
Angleichung der Konditionen bilate- 
raler Abkommen, die ein EG-Land 
tangieren, erreicht werde und so 
eine wichtige Grundlage für eine 
fortschreitende Harmonisierung der 
EG-Politik zu erzielen sei. 
---Bonn war zuletzt immer mehr be- 
sorgt darüber, daß die gemeinsame 
Außenhandelspolitik der neun durch 
ausgehöhlt werden könnte, wie im 
zweiseitige Kooperationsabkommen 
Falle der Sowjetunion auch schon 
mehrfach geschehen. Auch hinsicht- 
lich des geplanten europäisch-arabi- 
schen Dialogs und der Mittelmeer- 
politik der Gemeinschaft wird die 
Vereinbarung begrüßt. 
Während handelspolitische Ver- 
träge seit dem 1. Jänner 1973 nur 
noch von der Europäischen Kommis- 
sion als Gan zes abgeschlossen wer- 
den könn en, bleiben bilaterale Ko- 
operationsabkommen dem einzelnen 
Partnerstaat vorbehalten. Bisher lag 
es in dessen Ermessen, ob es seine 
Partner wiederum informierte und 
deren Meinung einholte. Das wird in 
Kürze anders sein, wenn der Aus- 
schuß der ständigen Vertreter am 
Sitz der Kommission in Brüssel den 
endgültigen Text der Vereinbarung 
festgelegt hat. 
Schleinzer ko nnte Withalm 
umstimmen: Er bleibt 
ÖVP- 
Parteiobmann und langjährige Ge- 
neralsekretär, Dr. Herm ann Withalm, 
wird sein Mandat als Nationalrats- 
abgeordneter nicht zurücklegen. 
Wichtige Mitteilung an alle 
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Nachdem Withalm als vermeintlicher 
ÖVP-Präsidentschaftskandidat im 
letzten Mome nt Dr. L ugger weichen 
mußte, war davon die Rede, daß er 
Am Donnerstag nachmittag, den 
27. Juni 1974, ist aus dem Alten 
Rhein bei Rheineck (Kanton St. Gal- 
len) die Leiche eines neugeborenen 
Mädchens geborgen worden. Das Kind 
das nach Abklärung des Gerichtsme- 
diziners gesund geboren wurde und 
ca. drei Stunden gele bt haben dürfte, 
war mit einem cremefarbenen Da- 
menhalstuch mit roter Randeinfas- 
sung und roten , runden Tupfen 
stranguliert wor den. Es war in einer 
braunen, dunkelkarierten, mit einem 
Plastikgriff und Reißverschluß ver- 
sehenen Einkaufstasche verpackt. Im 
Außenfach der Tasche befand sich 
ein metallenes Feuerzeug österreichi- 
schen Fabrikats. Das Neugeborene, • 
Wien (APA) Der frühere die Konsequenzen daraus in Form 
über dessen Herkunft jede Anhalts- 
der Rücklegung sei nes Mandats zie- 
hen werde. Daß er dies nicht tun 
wird, ergab eine Unterredung, die 
gestern vormittag in seiner Kanzlei 
in Wolkersdorf zwischen ihm und 
ÖVP-Bundesparteiobmann Dokt or 
Schleinzer stattfand. 
Schleinzer hatte laut ÖVP-PD den 
dringlichen Wunsch der Partei, der 
sich besonders in der Klubsitzung am 
25. Juni manifestiert hatte, und sei- 
nen persönlichen Wunsch überbracht, 
daß der „eiserne Hermann" im Na- 
tionalrat verbleiben solle. Withalm 
erklärte anschließend, daß ihm zu 
dieser Entscheidung die Kontakte be- 
wegt hätten, die in let zter Zeit viele 
Freunde mit ihm gesucht haben. 
punkt e f ehlen, dürfte bis zu 14 Ta- 
gen. im Wasser gelegen haben. Zur 
Abklärung des Tatbestandes bit tet 
die Polizei die Bevölkerung um Mit- 
arbeit, wobei folgende Fragen im 
Vordergrund stehen: 
Wem ist eine Frauensperson be- 
kannt, die vor kur zer Zeit geboren 
hat, der Verbleib des Kindes jed och 
unbekannt ist. Wer kennt die be- 
schriebenen Gegenstände, die mög- 
licherweise aus einem Haushalt ver- 
schwunden sind. 
Sachdienliche Mitteilungen, die 
diskret behandelt werden, sind erbe- 
ten an das Polizeikommando St. Gal- 
len oder hier in 'Vorarlberg an der 
nächsten Polizei- oder Sicherheits- 
Teilzeitbeschäftigungs- 
dienststelle. 
gesetz im Unterausschuß 
(APA) Der Ausschuß für so- 
Wien 
ziale Verwaltung behandelte gestern 
vormittag unter dem Vorsitz seines 
Obmannes Pansi und in Anwesenheit 
des Sozialministers Ing. Häuser als 
erstes eine Landarbeitsgesetz-Novel- 
le. Durch die Novelle sollen die Vor- 
aussetzungen für die Ratifizierung 
des von der Internationalen Arbeits- 
kommens über die Arbeitsaufsicht in 
konferenz angenommenen Überein.- 
der Land- und Forstwirtschaft ge- 
schaffen werden. 
In einem Dreiparteienantrag wird 
die Landarbeitsgesetz-Novelle an die 
verbesserten Mutterschutzbestim- 
mungen — insbesondere Verlänge- 
rung der Schutzfrist von acht Wo- 
chen vor und nach der Niederkunft 
Zur Vorbereitung des Initiativan- 
— angepaßt. 
trages der Abg. Dr. Marge. Hubine k 
und Genossen betreffend ein Teil- 
zeitbeschäftigungsgesetz, wurde ein 
zehngliedriger Unterausschuß einge- 
setzt. In der anschließenden konsti- 
tuierenden Sitzung dieses Unteraus- 
schusses wurde Abg. Dr. Schwimmer 
zum Obmann und Abg. Maria Metz- 
ker zum Obmannstellvertreter ge- 
	(Karikatur: 
wählt. 
Moskauer Gipfelkonzert. „Sind Ihre Abhöranlagen nicht etwas auf fälli g?" 
Die ter Zehentmayr) 
heineck: Kindesleiche 
aus dem assergeborgen 
Der Stand der Rüstungen in der 
Welt wirft das .Problem der Finan- 
zierung der gewaltigen Militär- 
ausgaben der Sowjetunion auf. 
Zur St unde. verwendet West- 
europa für seine Verteidigung 
- 
-5 Prozent des Bruttosozialproduk 
t tes, gegenüber jenen 8 Prozent, 
die nach Auffassung des General- 
gevvese- 
sekretärs der NATO, des 
nen holländischen, Außenmini- 
' 
sters Luns, unbedingt für die 
äußere Sicherheit notwendig wä- 
ren: Die Sowjetunion hat dem- 
- geg enüber 1973 nach ei genen 
Angaben 12 Prozent ihres Brutto- 
sozialproduktes dem Militär ge- 
:wäre bei uns 
opfert.' So 
etwas 
die 
undenkbar. Dabei 
decken 
sich 
offiziellen Zähl en keineswegs mit 
der Realität, nachdem in Rußland 
schon seit den Zeiten Stalins ge- 
waltige Teile der Rüstungen als 
Forschung und Entwicklung ge- 
vorjährige Budget der UdSSR in 
bucht werden. Studiert man das 
dieser Perspektive, findet man, 
79 Prozent des 
daß in Wahrheit 
sowjetischen Bruttosozialproduk- 
zuge- 
tes militärischen 
Zw ecken 
wandt wird. 
Diese Zahlen erreichen eine 
Höhe, die nationalökonomisch 
erklären ist. Auch wenn 
schwer 
zu 
man in Betracht zieht, daß der 
Lebensstandard der russischen 
Bevölkerung weit tiefer liegt als 
bei uns und in einem totalitären 
System die Regierung ihre Unter- 
tanen, ohne allzuviel Widerstand 
zu finden, ausbeuten kann, ist 
trotzdem bei dieser gewaltigen 
Anstrengung Rußlands wirtschaft- 
liches überleben erstaunlich. 
Der Vergleich des Staatshaus- 
haltes mit der Zahlungsbilanz 
die Antwort auf dieses 
dürfte 
Dilemma geben. Die Militäraus- 
gaben der, Sowjetunion jenseits 
des Punktes, an dem sie wirt- 
schaftspolitisch erträglich sind, 
durch die 
werden nämlich 
heute 
Kreditpolitik des Westens gedeckt. 
Es sind die Kapitalien, das tech- 
nische Wisse n und die Maschi- 
Amerika und Europa in 
nen, die 
die UdSSR zu unvorstellbar gün- 
stigen Bedingungen liefern, die 
das ansonsten unweigerlich ent- 
stehende ökonomische Defizit 
Im Wettlauf um den sowjeti- 
aufheben. 
schen Markt über bieten sich un- 
sere Staaten und uns ere Kapitali- 
sten. Sie tragen den Russen Be- 
dingungen an, die sie den eigenen 
Leuten verweigern. Der Sowjet- 
union gelingt es heute Zinsen zu 
ergatte rn, die sich weder im Lich- 
te der internationalen Inflation, 
Gepflo- 
noch nach allgem einen 
rechtfertigen lassen. 
genheiten 
auch für die 
Das glei che gilt 
Rü ckzahl ungsb edin gung en, die oft 
die angeblichen Kredite praktisch 
in reine Geschenke verwandeln. 
Hier wirkt sich die freie Wirt- 
schaft zuungunsten des Westens 
aus. Gegenüber dem monopoli- 
stischen Kreditnehmer COMECON 
unterbieten sich unsere Unter- 
nehmen und Staaten gegenseitig 
in der Hoffnung, auf einer ande- 
ren Ebene den Verlust wieder 
auszugleichen. 
Um nur einige Beispiele zu 
'private Kre- 
nennen: Der 
gr ößte 
ditgeber der Sowjetunion heute 
ist die amerikanische Chase Man- 
hattan Bank von New York, deren 
Präsident, David Rockefeller, 
trägt, der geradezu 
einen Namen 
mit dem Begriff Kapitalismus iden- 
tisch ist. Es ist interessant festzu- 
Würden- dem 
stellen, daß sowjetische 
träger, auf diese Tatsache ange- 
niemand ähnlich günstige Bedin- 
sprochen, betonen, sie hätten von 
gung en erhalten, wie 'ausgerech- 
feiler. Daß trotz 
net von Rocke 
dies er Transaktionen die Chase 
Manhattan Bank von der ersten 
Stelle unter den amerikanischen 
zweite. herunter- 
Banken auf die 
sei nur im' Vorbei- 
gerutscht ist, 
gehen bemerkt. 
' Die große italienische staatliche 
Gesellschaft ENI wiederum plant, 
in der Sowjetunion eine Reihe 
von chemischen Werken zu er- 
die. Begleichung 
richten, 
wobei 
der, gewaltigen vorgestreckten 
Summen aus den Erträgen der 
laufenden Produktion erfolgen 
	- 
wird.' 
Deutschland bleibt auf diesem 
Gebiet gegenüber anderen Staa- 
ten nicht zurück. Gerade- in letz- 
ter Zeit, da die Bundesrepublik 
Misere ihrer' Ostpoli- 
infolge der 
ist, 
tik ins Gedränge 
gekommen 
sich die. deutschen An- 
Mehren' 
gebote. Unter diesen seien vier 
nukleare Zentralen genannt, für 
die die Sowjetunion -mit Strom 
Betrieben 
aus den betreffenden 
bezahlen wird. Dabei sol lte man 
sich an die Schwierigkeiten 
Deutschlands erinnern, als der 
vor 
Erdölboykott einsetzte. Die 
Ruß- 
6. Oktober 1973 mit 
.11and abgeschlossenen Lieferver- 
riert bzw. die Lieferungen ein- 
träge w urden nämlich nicht hono- 
seitig herabgesetzt. Der Satz, den 
Kapitalisten immer wieder im 
Munde führen, die Sowjetunion 
aber 
würde wohl hart verhandeln, 
ihre Zusagen dann immer ein- 
halten, dü rfte also nicht stimmen. 
Noch bemerkenswerter aller- 
dings ist das nunmehr geplante 
Projekt einer Pipeline durch Ruß- 
land für die Heranführung des ira- 
nischen Erdöls und Erdgases an 
die europäischen Märkte. Das wird 
mit der Begründung gemacht, 
man entgehe auf diese Weise der 
Erpressung der Scheichs von Abu 
Dhabi und Quatar. Dafür setzt 
man den friedliebenden Herrn 
Breschnjew an den Gashahn. 
Die Liste k önnte unendlich fort- 
gesetzt werden. Es sind nur einige 
Beispiele herausgegriffen worden, 
um zu illustrieren, was hier ge- 
macht wird. Es sind die Demokra- 
tien, die die Aufrüstung der So- 
wjetunion finanzierten, obwohl 
diese doch mehr denn wahr- 
scheinlich gegen den Westen ge- 
ist. Denn ein Rüstungs- 
richtet 
programm in diesem Ausmaß ist 
nur dann denkbar, wenn man 
auch entschlossen ist, die so ge- 
schaffene Macht einzusetzen. 
Man kann also wieder einmal 
feststellen: Nur die größten Käl- 
ber wählen ihren Metzger selber. selber.
	        
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