Koblach, mitten im Rheintal
gelegen, in herrlicher Lage um
den Kummenberg, mit Blick ge-
gen Süden zum Bergmassiv des
Rätikon und der Kurfürsten, war
Von Bürgermeister Karl Gä chter
bis nach dem Zweiten Weltkrieg
eine fast reih bäuerliche Ge-
meinde. Die wenigen Gewerbe-
treibenden und Handsticker be-
trieben nebenberuflich auch noch
Landwirtschaft. Bedingt durch
die Regulierung des Rheines und'
der Frutz sowie die Erschließung
von Steinbrüchen, ergab sich für
die Koblacher eine weitere Ver-
dienstmöglichkeit. Die Landwirt-
schaft wiederum hat im Torfstich
einen Nebenerwerb gefunden, und
es wurden die Schollen landauf,
landab als Heizmaterial an den
Mann gebracht. Schlechte Unt er-
grundverhältnisse, weite, große
Torfgebiete und mangelnde Ent-
und gehörte den wässerung ließen Koblach als aus-
gedehnte Streusiedlung erstehen.
Besiedlung
Die bestehenden Streusiedlun-
gen erweiterten sich im Laufe der
Jahre in größere Parzelleneinhei-
ten, aber ein geschlossenes Orts-
g ebiet kam nicht zustande. Wie
nachteilig sich eine Streusiedlung
auf die finan ziell e Seite einer
Gemeinde auswirkt, wird erst
klar, wenn man bedenkt, wieviel
Kilometer mehr Straßen, mehr
Wasserleitungen, mehr Kanalisa-
tion erforderlich sind, um die Be-
völkerung mit den notwendigsten
kommunalen Einrichtungen zu
betreuen. So hat Koblach früh-
z eitig erkannt, daß Fläc hen wid-
mung sehr dringend geboten er-
scheint. Bereits seit April 1970
gibt es einen rechtskräftigen Flä-
chenwidmungsplan, der hilft, die
Flächen einigermaßen sinnvoll zu
o rdnen und zu nutzen. Ein All-
heilmittel darf man sich nicht er-
warten, aber die Möglichkeit, die
Entwicklung einer Gemeinde in
den Griff zu bekommen, ist es
wert, für die Allgemeinheit harte,
kritische Auseinandersetzungen
durchzustehen.
Mit der wirtschaftlichen Auf-
wärtsentwicklung in unserem
Lande nach dem Zweiten Welt-
krieg nahm die Zahl dere r, die in
Wirtschaft und Industrie Arbeit
und besseren Verdienst fanden,
auch in Koblach zu. Die Land-
wirtschaft ist in eine Schrumpfung
gedrängt, die nicht erfreulich ist.
Wenn wir bedenken, daß im
Jahre 1945 es in Koblach noch 156
landwirtschaftliche Betriebe gab
und heute nur noch 20 haupt-
berufliche Landwirte dem Bauern-
stande treu geblieben sind, kann
man ermessen, daß sich das Dorf
gewaltig verändert hat.
Koblach ist heute eine Wohn-
gemeinde, wo sich Arbeiter und
aus allen Berufen
Angestellte
nebst Bauern, Gewerbetreibenden
und anderen Wirtschaftstreiben-
den wohl fühlen, in einem eige-
nen Heim, mitten im Grünen. Das
Wachstum der Wohnbevölkerung
Jahr Einwohner Wohnhäuser
spiegelt sich in folgenden Zahlen:
206
1890
polierten sie fein 940
223
1923
1046
261
1405
320
1961
1659
502
1971
2204
533
- 1974
2413
Bedingt durch diesen enormen
Zuwachs der Bevölkerung, stie-
gen auch die Aufgaben der Ge-
meinde für die Betreuung der
Bewohner mit kommunalen Ein-
richtungen. Vor allem mußte ge-
trachtet werden, für die Bev öl-
kerung gutes Trinkwasser zu er-
schließen, da meist nur schlechte
Brunnen in ungenügender Anzahl
vorhanden waren. Bereits seit 1956
hat Koblach eine Wasserversor-
gungsanlage, die es ermöglicht,
allen Bewohnern genügend ein-
wandfreies Trinkwasser zu lie-
fern und auch Feuerschutz zu lei-
sten. Rund 17 km Hauptwasser-
leitung in Gußrohren wurden ver-
legt. Ein Schöpfwerk am Rhein
bring t das Grundwasser aus 16 in
Tiefe in einen Hochbehälter auf
den Kummenberg, der eine Tages-
ration für Koblach speichert.
Schule
Um der rasch steigenden Schü-
lerzahl gerecht zu werden, mußte
Koblach die Volksschule bereits
zweimal erweitern. Im Jahre 1949
erfolgte die erste Erweiterung mit
einem Anbau an das alte Schul-
haus und ergab Plätze für 6 Klas-
sen mit Nebenräumen. Doch be-
reits 1970 war eine neuerliche Er-
und es entstand
weiterung
eine 10klassige Volksschule mit
sämtlichen Nebenräumen, Hand-
arbeitsräumen für Kna ben und
Mädchen, Schulküche, Turnsaal,
Pausenhalle, Lehrmittelzimmer,
Lehrerkonferenzzimmer und Di-
rektorzimmer sowie einer großen
und einer kleinen Lehrerwo h-
nung. Für die Volksschüler war
gesorgt, jedoch der Zug in die
Hauptschule und die Auflassung
der Volksschuloberstufe ließen
den Schülerstrom aus Koblach in
den Hauptschulsprengel Gö tzis
auf derzeit 180 Schüler ansteigen.
Nachdem die Hauptschule Götzis
bereits an Platzmangel leidet,
drängt sich in den kommenden
Jahren bei steigenden Schüler-
zahlen auch für Koblach ein
Hauptschulbau auf.
Gemeindezentrum
Zwischen 1966 und 1970 ent-
stand in Koblach ein Gemeinde-
zentrum, in dem die Amtsräume
der Gemeinde und der Post unter-
gebracht sind. Damit verbunden
wurde ein geräumiger Veranstal-
tungssaal mit verschiedenen Ne-
benräumen, der ein kulturelles
Leben und Wirken in der Ge-
meinde durch die Ortsvereine mit
der Bevölkerung ermöglicht und
fördert. Auch eine Gemeinde-
bücherei fand darin P latz. Weiters
gerichtet und in Betrieb genom-
konnte hier ein Kindergarten ein-
men werden. Ein anschließender
Kinderspielplatz fügt sich harmo-
nisch in dieses Zentrum ein.
Straßen
Um den Ausbau von Straßen
hat man sich sehr wohl bemüht
und einige Gemeindestraßen mit
einer Gesamtlänge von 4,8 km
ausgebaut und mit einem Belag
versehen. Gehsteige in einer Ge-
samtlänge von 8,5 km entlang den
Gemeinde-, Land- und Bundes-
straßen stehen zum Schutze der
-
Fußgänger bereit.
Friedhof
Anschließend an den alten
Friedhof wurde 1968 eine Erwei-
terung durchgeführt, wobei auch
eine Leichenhalle erbaut und der
Bestimmung übergeben . werden
konnte . Der alte Friedhof wird
nach Ablauf der gesetzlichen
Ruhefrist nach dem neuen Fried-
hofba u umgebaut, um so eine
würdige Gestaltung um die schö-
ne, restaurierte Pfarrkirche in
herrlicher Lage auf dem Kumma
zu erreichen.
Versorgungsheim
Die Renovierung im Vers or-
gungsheim innen und außen ist
abgeschlossen und bietet a llein-
stehenden, hilfsbedürftigen, be-
tagten Mitbürgern ein angeneh-
mes Zuhause, damit die alten
Tage in einem familiären Zusam-
menleben geborgener und erträg-
licher empfunden wer den können.
Feuerwehrhaus
Mit dem Einzug ins neue
Feuerwehrhaus geht ein längst
ersehnter Wunsch der Wehrmän-
ner in Erfüllung, ein geräumiges
Heim und eine Ausbildungsstätte
zu haben, die den heutigen Anfor-
derungen entsprechen.
Sportzentrum
Für ein Sport- und Freizeit-
zentrum wurde im Fläc hen wid-
mungsplan eine Fläche von 6 ha
ausgewiesen. Dem seit dem Zwei-
ten Weltkrieg bestehenden Fuß-
ballfeld wird heuer ein weiteres
Spielfeld der sportbegeisterten
Jugend für ihre Freizeitgestal-
tung zur Verfügung stehen.
Gewerbe- und
Industriegebiet
Wohltuend für die Gemeinde-
finanzen wird nebst einigen be-
reits seit längerer Zeit bestehen-
den Handwerks-, Gewerbe- und
von umweltfreund-
Stickereibetrieben eine weitere
Ansiedlung
lichen Betrieben empfunden. Ent-
lang der Bundesstraße im Bereich
Koblach-Straßenhäuser, laut Flä-
1951 chenwidmungsplan als Gewer be-
und Industriegebiet ausgewiesen,
erfolgen weitere Ansiedlungen
von Gewerbe- und Handelsbetrie-
ben, die h elfen, der Wohnbevölke-
rung Arbeit und der Gemeinde
durch Steuereinnahmen Mittel zu
geben, die Ansprüche der Bewoh-
ner an kommunalen Einrichtun-
gen in etwa zu erfüllen.
•
. Auch für die Gesundheit et-
was zu tun, besteht in Koblach
die Möglichkeit. Mit dem Kneipp-
und Saunabad im Gasthof „Adler"
steht ein gut eingerichtetes Haus -
zur Verfügung, wobei sich die
Gastgeber sehr bemühen, einen
Kur- und Erholungsaufenthalt an-
genehm und erfolgversprechend
zu gestalten.
Zukunftssorgen
Eine große Aufgabe ergibt sich
in den kommenden Jahr en in
Koblach durch den Ausbau der
Kanalisation. Ein generelles Pro-
jekt liegt bereits vor, das vor-
sieht, im Rahmen des Wasser-
verbandes Hohenems mit den an-
deren Verbandsgemeinden Ho-
henems, Götzis, Altach und Mäder
eine Reinigung der Abwässer
durch eine zentrale Abwasserrei-
nigungsanlage im Raume Hohen-
ems zu erreichen. Mit einer Ko-
stenschätzung von 60 Mill. S für
Koblach (ohne Verbandsanlagen)
ist dies eine enorme Belastung
der Finanzen für die Zukunft. Zu-
dem dürfte der Bau einer Haupt-
schule für weitere Belastung sor-
gen.
Ohne aber dabei den Aufga-
benbereich einer Gemeinde zu
vernachlässigen, wird es großer
gemeinsamer Anstrengung aller
bedürfen, um in Zukunft die Ent-
wicklung in Koblach organisch
weiter zu treiben und den Bewoh-
nern der Gemeinde ein friedliches
und verständnisvolles Zusammen-
leben zu ermöglichen.
AKW Rüthi macht
große Sorgen
Mit großer Besorgnis blickt die
Gemeinde über die Grenze nach
der Schweiz, wo der Bau eines
Atomkraftwerkes in Rüthi im Ge-
spräch ist. Wenn dieses Vorhaben
realisiert werden sollte, wäre das
für die weitere Entwicklung von
Koblach als Wohn- und Fremden-
verkehrsgemeinde ein schwerer
Rückschlag, denn die Gefährdung
von Land und Mensch durch ein
Atomkraftwerk ist eine nur allzu
ree lle Sache. Es wäre nicht aus-
denkbar, wenn die Gemeinde, die
eine so positive Entwicklung
zeigt, in den Einzugsbereich der
negativen Auswirkungen eines
Atomkraftwerkes zu liegen
Die einzigartige Lage des Ortes
kommt.
führte zu frühester Be-
im
Rheintal
siedlung und geschichtlicher B edeu-
tung. In Koblach wies man die älteste
Siedlung Vorarlbergs nach. Schon in
8000 Jahren
der Mittelsteinzeit vor
machten hier Leute Rast auf ihren
Streifzügen zu den fischreichen Seen
und durch die wildreichen Wälder.
b lieben sie ständig in der
Spä ter
Wallsiedlung am Kadel, züchteten
Getreide und Haustiere, pflügten den
Lößboden, flochten und woben,
durchbohrten ihre Steingeräte kunst-
säuberlich und
voll,
verzierten ihre kunstvollen Töpfe.
Im Mittelalter war Koblach - ur-
Kobolp:
kundlich 890
,*1294 Kobelon,
bedeutet
1380 Koblen (der Ortsname
ein Gebiet mit vielen über häng en-
den Felswänden) - ein Königshof
eschichte
oblachs
von Reinold Madlener
Reichs-
Weifen als
leben. Diese machten sich die be-
Lage
herrschende
Koblachs im Rhei n-
und
tal zunutze
1100
erbauten um
n. Chr. die Neuburg - wohl die
mächtigste Burganlage des Landes -
Air Sicherung ihres Grundbesitzes im
Rheintal und als Stützpunkt für ihre
nach
'Ausdehnungsbestrebungen
Oberrätien und Italien. Die Welten
eines ihrer Dienstmannen-
setzten
geschlechter aus der Ravensburger
Gegend auf die Neuburg. Dieses
nannte sich nun nach seinem Sitz
„von Neuburg", spä ter „Tu mb, Ritter
von Neuburg". Am 8. 4. 1363 ver-
kaufte Hugo Tumb von Neuburg die
und Herrschaft Neuburg an die fällig,
Veste
Habsburger. Es war dies die erste
des
bedeutsame Besitzerwerbung
in Vorarlberg. Die
H auses Österreich
Herrschaft Neuburg, die in der kai-
reichsunmittelbar ge-
serlosen
Zeit
worden war, hatte im Gefüge der
bedeu-
24 Vorarlberger
Stände eine
heute
tende Stelle inne. Dies würde
einer guten Vertretung im Landtag
Aus dem Stand Neu-
entsprechen.
burg wurde 1849 die selbständige
Gemeinde Koblach. Im Ort bestand
biS
ein eigenes Niedergericht.
1806
Hochwässer und Überschwem-
mungen von Rhein und Frutz ver-
hinderten durch Jahrhunderte eine
ges unde wirtschaftliche Entwicklung
und verdammten Koblach mit den
übrigen Rheingemeinden zur Armut.
Immer w ieder wurden die Leute zu
Bau und Instandhaltung von Wuhren
und Dämmen verpflichtet. Jede grö-
ßere Überschwemmung vernichtete
den Segen jahrelangen Schweißes.
Im September 1888 war zum letzten-
mal
ganz Koblach überflutet.
fast
Koblach war bis nach dem Zwei-
ten-Weltkrieg eine rein bäuerliche
in der in fast jedem Haus
Gemeinde,
eine. k leine nebenberufliche Land-
wirtschaft betrieben wurde. Die rasch
fortschreitende Inclustrialisierun? und
Motorisierung machten aus Koblach
eine Arbeiter- und Pendlergemeinde,
auch• in der Haupt-
als die sie
heute
sache gilt. gilt.