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Full text: Vorarlberger Nachrichten 1974 Q2 (1974)

Koblach, mitten im Rheintal 
gelegen, in herrlicher Lage um 
den Kummenberg, mit Blick ge- 
gen Süden zum Bergmassiv des 
Rätikon und der Kurfürsten, war 
Von Bürgermeister Karl Gä chter 
bis nach dem Zweiten Weltkrieg 
eine fast reih bäuerliche Ge- 
meinde. Die wenigen Gewerbe- 
treibenden und Handsticker be- 
trieben nebenberuflich auch noch 
Landwirtschaft. Bedingt durch 
die Regulierung des Rheines und' 
der Frutz sowie die Erschließung 
von Steinbrüchen, ergab sich für 
die Koblacher eine weitere Ver- 
dienstmöglichkeit. Die Landwirt- 
schaft wiederum hat im Torfstich 
einen Nebenerwerb gefunden, und 
es wurden die Schollen landauf, 
landab als Heizmaterial an den 
Mann gebracht. Schlechte Unt er- 
grundverhältnisse, weite, große 
Torfgebiete und mangelnde Ent- 
und gehörte den wässerung ließen Koblach als aus- 
gedehnte Streusiedlung erstehen. 
Besiedlung 
Die bestehenden Streusiedlun- 
gen erweiterten sich im Laufe der 
Jahre in größere Parzelleneinhei- 
ten, aber ein geschlossenes Orts- 
g ebiet kam nicht zustande. Wie 
nachteilig sich eine Streusiedlung 
auf die finan ziell e Seite einer 
Gemeinde auswirkt, wird erst 
klar, wenn man bedenkt, wieviel 
Kilometer mehr Straßen, mehr 
Wasserleitungen, mehr Kanalisa- 
tion erforderlich sind, um die Be- 
völkerung mit den notwendigsten 
kommunalen Einrichtungen zu 
betreuen. So hat Koblach früh- 
z eitig erkannt, daß Fläc hen wid- 
mung sehr dringend geboten er- 
scheint. Bereits seit April 1970 
gibt es einen rechtskräftigen Flä- 
chenwidmungsplan, der hilft, die 
Flächen einigermaßen sinnvoll zu 
o rdnen und zu nutzen. Ein All- 
heilmittel darf man sich nicht er- 
warten, aber die Möglichkeit, die 
Entwicklung einer Gemeinde in 
den Griff zu bekommen, ist es 
wert, für die Allgemeinheit harte, 
kritische Auseinandersetzungen 
durchzustehen. 
Mit der wirtschaftlichen Auf- 
wärtsentwicklung in unserem 
Lande nach dem Zweiten Welt- 
krieg nahm die Zahl dere r, die in 
Wirtschaft und Industrie Arbeit 
und besseren Verdienst fanden, 
auch in Koblach zu. Die Land- 
wirtschaft ist in eine Schrumpfung 
gedrängt, die nicht erfreulich ist. 
Wenn wir bedenken, daß im 
Jahre 1945 es in Koblach noch 156 
landwirtschaftliche Betriebe gab 
und heute nur noch 20 haupt- 
berufliche Landwirte dem Bauern- 
stande treu geblieben sind, kann 
man ermessen, daß sich das Dorf 
gewaltig verändert hat. 
Koblach ist heute eine Wohn- 
gemeinde, wo sich Arbeiter und 
aus allen Berufen 
Angestellte 
nebst Bauern, Gewerbetreibenden 
und anderen Wirtschaftstreiben- 
den wohl fühlen, in einem eige- 
nen Heim, mitten im Grünen. Das 
Wachstum der Wohnbevölkerung 
Jahr Einwohner Wohnhäuser 
spiegelt sich in folgenden Zahlen: 
	206 
1890 
polierten sie fein 	940 
223 
1923 
	1046 
	261 
	1405 
320 
1961 
	1659 
	502 
1971 
	2204 
533 
- 1974 
	2413 
Bedingt durch diesen enormen 
Zuwachs der Bevölkerung, stie- 
gen auch die Aufgaben der Ge- 
meinde für die Betreuung der 
Bewohner mit kommunalen Ein- 
richtungen. Vor allem mußte ge- 
trachtet werden, für die Bev öl- 
kerung gutes Trinkwasser zu er- 
schließen, da meist nur schlechte 
Brunnen in ungenügender Anzahl 
vorhanden waren. Bereits seit 1956 
hat Koblach eine Wasserversor- 
gungsanlage, die es ermöglicht, 
allen Bewohnern genügend ein- 
wandfreies Trinkwasser zu lie- 
fern und auch Feuerschutz zu lei- 
sten. Rund 17 km Hauptwasser- 
leitung in Gußrohren wurden ver- 
legt. Ein Schöpfwerk am Rhein 
bring t das Grundwasser aus 16 in 
Tiefe in einen Hochbehälter auf 
den Kummenberg, der eine Tages- 
ration für Koblach speichert. 
Schule 
Um der rasch steigenden Schü- 
lerzahl gerecht zu werden, mußte 
Koblach die Volksschule bereits 
zweimal erweitern. Im Jahre 1949 
erfolgte die erste Erweiterung mit 
einem Anbau an das alte Schul- 
haus und ergab Plätze für 6 Klas- 
sen mit Nebenräumen. Doch be- 
reits 1970 war eine neuerliche Er- 
und es entstand 
weiterung 
eine 10klassige Volksschule mit 
sämtlichen Nebenräumen, Hand- 
arbeitsräumen für Kna ben und 
Mädchen, Schulküche, Turnsaal, 
Pausenhalle, Lehrmittelzimmer, 
Lehrerkonferenzzimmer und Di- 
rektorzimmer sowie einer großen 
und einer kleinen Lehrerwo h- 
nung. Für die Volksschüler war 
gesorgt, jedoch der Zug in die 
Hauptschule und die Auflassung 
der Volksschuloberstufe ließen 
den Schülerstrom aus Koblach in 
den Hauptschulsprengel Gö tzis 
auf derzeit 180 Schüler ansteigen. 
Nachdem die Hauptschule Götzis 
bereits an Platzmangel leidet, 
drängt sich in den kommenden 
Jahren bei steigenden Schüler- 
zahlen auch für Koblach ein 
Hauptschulbau auf. 
Gemeindezentrum 
Zwischen 1966 und 1970 ent- 
stand in Koblach ein Gemeinde- 
zentrum, in dem die Amtsräume 
der Gemeinde und der Post unter- 
gebracht sind. Damit verbunden 
wurde ein geräumiger Veranstal- 
tungssaal mit verschiedenen Ne- 
benräumen, der ein kulturelles 
Leben und Wirken in der Ge- 
meinde durch die Ortsvereine mit 
der Bevölkerung ermöglicht und 
fördert. Auch eine Gemeinde- 
bücherei fand darin P latz. Weiters 
gerichtet und in Betrieb genom- 
konnte hier ein Kindergarten ein- 
men werden. Ein anschließender 
Kinderspielplatz fügt sich harmo- 
nisch in dieses Zentrum ein. 
Straßen 
Um den Ausbau von Straßen 
hat man sich sehr wohl bemüht 
und einige Gemeindestraßen mit 
einer Gesamtlänge von 4,8 km 
ausgebaut und mit einem Belag 
versehen. Gehsteige in einer Ge- 
samtlänge von 8,5 km entlang den 
Gemeinde-, Land- und Bundes- 
straßen stehen zum Schutze der 
	- 
Fußgänger bereit. 
Friedhof 
Anschließend an den alten 
Friedhof wurde 1968 eine Erwei- 
terung durchgeführt, wobei auch 
eine Leichenhalle erbaut und der 
Bestimmung übergeben . werden 
konnte . Der alte Friedhof wird 
nach Ablauf der gesetzlichen 
Ruhefrist nach dem neuen Fried- 
hofba u umgebaut, um so eine 
würdige Gestaltung um die schö- 
ne, restaurierte Pfarrkirche in 
herrlicher Lage auf dem Kumma 
zu erreichen. 
Versorgungsheim 
Die Renovierung im Vers or- 
gungsheim innen und außen ist 
abgeschlossen und bietet a llein- 
stehenden, hilfsbedürftigen, be- 
tagten Mitbürgern ein angeneh- 
mes Zuhause, damit die alten 
Tage in einem familiären Zusam- 
menleben geborgener und erträg- 
licher empfunden wer den können. 
Feuerwehrhaus 
Mit dem Einzug ins neue 
Feuerwehrhaus geht ein längst 
ersehnter Wunsch der Wehrmän- 
ner in Erfüllung, ein geräumiges 
Heim und eine Ausbildungsstätte 
zu haben, die den heutigen Anfor- 
derungen entsprechen. 
Sportzentrum 
Für ein Sport- und Freizeit- 
zentrum wurde im Fläc hen wid- 
mungsplan eine Fläche von 6 ha 
ausgewiesen. Dem seit dem Zwei- 
ten Weltkrieg bestehenden Fuß- 
ballfeld wird heuer ein weiteres 
Spielfeld der sportbegeisterten 
Jugend für ihre Freizeitgestal- 
tung zur Verfügung stehen. 
Gewerbe- und 
Industriegebiet 
Wohltuend für die Gemeinde- 
finanzen wird nebst einigen be- 
reits seit längerer Zeit bestehen- 
den Handwerks-, Gewerbe- und 
von umweltfreund- 
Stickereibetrieben eine weitere 
Ansiedlung 
lichen Betrieben empfunden. Ent- 
lang der Bundesstraße im Bereich 
Koblach-Straßenhäuser, laut Flä- 
1951 chenwidmungsplan als Gewer be- 
und Industriegebiet ausgewiesen, 
erfolgen weitere Ansiedlungen 
von Gewerbe- und Handelsbetrie- 
ben, die h elfen, der Wohnbevölke- 
rung Arbeit und der Gemeinde 
durch Steuereinnahmen Mittel zu 
geben, die Ansprüche der Bewoh- 
ner an kommunalen Einrichtun- 
gen in etwa zu erfüllen. 
• 
. Auch für die Gesundheit et- 
was zu tun, besteht in Koblach 
die Möglichkeit. Mit dem Kneipp- 
und Saunabad im Gasthof „Adler" 
steht ein gut eingerichtetes Haus - 
zur Verfügung, wobei sich die 
Gastgeber sehr bemühen, einen 
Kur- und Erholungsaufenthalt an- 
genehm und erfolgversprechend 
zu gestalten. 
Zukunftssorgen 
Eine große Aufgabe ergibt sich 
in den kommenden Jahr en in 
Koblach durch den Ausbau der 
Kanalisation. Ein generelles Pro- 
jekt liegt bereits vor, das vor- 
sieht, im Rahmen des Wasser- 
verbandes Hohenems mit den an- 
deren Verbandsgemeinden Ho- 
henems, Götzis, Altach und Mäder 
eine Reinigung der Abwässer 
durch eine zentrale Abwasserrei- 
nigungsanlage im Raume Hohen- 
ems zu erreichen. Mit einer Ko- 
stenschätzung von 60 Mill. S für 
Koblach (ohne Verbandsanlagen) 
ist dies eine enorme Belastung 
der Finanzen für die Zukunft. Zu- 
dem dürfte der Bau einer Haupt- 
schule für weitere Belastung sor- 
gen. 
Ohne aber dabei den Aufga- 
benbereich einer Gemeinde zu 
vernachlässigen, wird es großer 
gemeinsamer Anstrengung aller 
bedürfen, um in Zukunft die Ent- 
wicklung in Koblach organisch 
weiter zu treiben und den Bewoh- 
nern der Gemeinde ein friedliches 
und verständnisvolles Zusammen- 
leben zu ermöglichen. 
AKW Rüthi macht 
große Sorgen 
Mit großer Besorgnis blickt die 
Gemeinde über die Grenze nach 
der Schweiz, wo der Bau eines 
Atomkraftwerkes in Rüthi im Ge- 
spräch ist. Wenn dieses Vorhaben 
realisiert werden sollte, wäre das 
für die weitere Entwicklung von 
Koblach als Wohn- und Fremden- 
verkehrsgemeinde ein schwerer 
Rückschlag, denn die Gefährdung 
von Land und Mensch durch ein 
Atomkraftwerk ist eine nur allzu 
ree lle Sache. Es wäre nicht aus- 
denkbar, wenn die Gemeinde, die 
eine so positive Entwicklung 
zeigt, in den Einzugsbereich der 
negativen Auswirkungen eines 
Atomkraftwerkes zu liegen 
Die einzigartige Lage des Ortes 
kommt. 
führte zu frühester Be- 
im 
Rheintal 
siedlung und geschichtlicher B edeu- 
tung. In Koblach wies man die älteste 
Siedlung Vorarlbergs nach. Schon in 
8000 Jahren 
der Mittelsteinzeit vor 
machten hier Leute Rast auf ihren 
Streifzügen zu den fischreichen Seen 
und durch die wildreichen Wälder. 
b lieben sie ständig in der 
Spä ter 
Wallsiedlung am Kadel, züchteten 
Getreide und Haustiere, pflügten den 
Lößboden, flochten und woben, 
durchbohrten ihre Steingeräte kunst- 
säuberlich und 
voll, 
verzierten ihre kunstvollen Töpfe. 
Im Mittelalter war Koblach - ur- 
Kobolp: 
kundlich 890 
,*1294 Kobelon, 
bedeutet 
1380 Koblen (der Ortsname 
ein Gebiet mit vielen über häng en- 
den Felswänden) - ein Königshof 
eschichte 
oblachs 
von Reinold Madlener 
Reichs- 
Weifen als 
leben. Diese machten sich die be- 
Lage 
herrschende 
Koblachs im Rhei n- 
und 
tal zunutze 
1100 
erbauten um 
n. Chr. die Neuburg - wohl die 
mächtigste Burganlage des Landes - 
Air Sicherung ihres Grundbesitzes im 
Rheintal und als Stützpunkt für ihre 
	nach 
'Ausdehnungsbestrebungen 
Oberrätien und Italien. Die Welten 
eines ihrer Dienstmannen- 
setzten 
geschlechter aus der Ravensburger 
Gegend auf die Neuburg. Dieses 
nannte sich nun nach seinem Sitz 
„von Neuburg", spä ter „Tu mb, Ritter 
von Neuburg". Am 8. 4. 1363 ver- 
kaufte Hugo Tumb von Neuburg die 
und Herrschaft Neuburg an die fällig, 
Veste 
Habsburger. Es war dies die erste 
des 
bedeutsame Besitzerwerbung 
in Vorarlberg. Die 
H auses Österreich 
Herrschaft Neuburg, die in der kai- 
reichsunmittelbar ge- 
serlosen 
Zeit 
worden war, hatte im Gefüge der 
bedeu- 
24 Vorarlberger 
Stände eine 
heute 
tende Stelle inne. Dies würde 
einer guten Vertretung im Landtag 
Aus dem Stand Neu- 
entsprechen. 
burg wurde 1849 die selbständige 
Gemeinde Koblach. Im Ort bestand 
biS 
ein eigenes Niedergericht. 
1806 
Hochwässer und Überschwem- 
mungen von Rhein und Frutz ver- 
hinderten durch Jahrhunderte eine 
ges unde wirtschaftliche Entwicklung 
und verdammten Koblach mit den 
übrigen Rheingemeinden zur Armut. 
Immer w ieder wurden die Leute zu 
Bau und Instandhaltung von Wuhren 
und Dämmen verpflichtet. Jede grö- 
ßere Überschwemmung vernichtete 
den Segen jahrelangen Schweißes. 
Im September 1888 war zum letzten- 
mal 
ganz Koblach überflutet. 
fast 
Koblach war bis nach dem Zwei- 
ten-Weltkrieg eine rein bäuerliche 
in der in fast jedem Haus 
Gemeinde, 
eine. k leine nebenberufliche Land- 
wirtschaft betrieben wurde. Die rasch 
fortschreitende Inclustrialisierun? und 
Motorisierung machten aus Koblach 
eine Arbeiter- und Pendlergemeinde, 
auch• in der Haupt- 
als die sie 
heute 
sache gilt. gilt.
	        
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