Mittwoch, 10. April 1974
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Ladung eines Güterzugs von 1522 km Lange wurde
aufs Güterbahnhofgelände geschüttet:
Letzte Kubikmeter
rollten vom Lkw
Lauterach, Wolfurt
Pünktlich nach Terminplan wurde
(VN-DOR)
gestern die letzte Schüttung am Gelände des neuen Güterbahnhofs
aufgebracht — auf einem Gelände, das die umfangreichste Boden
sanierung dieser Art der Welt erfährt. Dies zumindest sagten die zu
ständigen Herren der ARGE Güterbahnhof und der ÖBB aus diesem
Anlaß. Trotz der überaus schwierigen Grundverhältnisse, trotz der
Probleme, die sich durch die Kollision von umweltschützerischen und
wirtschaftlichen Interessen beim Materialabbau in Hohenems ergaben,
ist es gelungen, wie Baumeister Richard Hinteregger sagte, die von
der ÖBB gestellten Termine bis dato einzuhalten. Der „letzte Kubik
meter“ wurde mit viel Prominenz aus dem Lande, bekränzten Lkw,
Reden und einem kalten Buffet gefeiert.
Interessante Zahlen vermittelte
Baumeister Richard Hinteregger, der
für die ARGB Güterbahnhof (G.
Hinteregger, Kallinger, Rhomberg,
Union, Porr, Rella, Universale)
sprach. Die gesamte Schüttleistung
an Schotter aus Hohenems (760.000
Kubikmeter) und Sand aus Hard
(280.000 Kubikmeter) betrug eine
Menge, die 108.200 20-Tonnen-Wag-
gons befördern könnten, das ergäbe
eine Zugslänge von 1522 km — also
die Strecke Wien—Vorarlberg—Pa
ris! Dazu führte die holländische
Firma Oosterwijk 54.000 Vertikal
drains mit einer Tiefe von durch
schnittlich 7 Metern aus, das ergäbe
zusammen 380 Kilometer Drains.
Auf der gesamten Fläche des Güter
bahnhofes, also auf 350.000 Quadrat
metern, wurde eine 60 cm hohe
Sandschicht aufgebracht. 5200 Pfer
destärken hatten die Maschinen, die
durchschnittlich auf der Baustelle
beschäftigt waren, 110 Mitarbeiter
der durchschnittliche Personalstand.
Allerdings muß das Werk nun
noch weitergeführt werden: In den
folgenden Jahren werden die Mate
rialumlagerungen durchgeführt, da
mit sich das Gelände des Güter-
.bahnhofs gleichmäßig setzt. Der
„Güterbahnhof-Wissenschaftler“
Prof. Dipl.-Ing. Christian Veder
machte an Hand eines' Versuchs
deutlich, mit welchen Schwierigkei
ten bei der Grundsanierung zu
kämpfen war, denn der Güterbahn
hof wird gewissermaßen auf einem
ausgedrückten Schwamm zu stehen
kommen: Aus dem wassergesättig
ten, porösen. Lehm- und Torfgrund
müssen durch die Schüttungen und
Drains erst die Wassermassen her
ausgepreßt und -gesogen werden,
damit sich der Grund setzt und ge
nügend Sicherung für den Güter
bahnhof gegeben ist. Wenn 1976 die
Setzungen beendet sein werden,
wird mit dem eigentlichen Bahn
Das
hofsbau begonnen.
Schüttmaterial war ein Pro
blem für sich, nicht nur der Abbau,
sondern auch der Transport. So
mußte eine eigene Transportstraße
vom Steinbruch zur Bundesstraße
auf unverbautes Gebiet gebaut wer
den, die nun der Gemeinde Dornbirn
„geschenkt“ wird. Die Sorgen um
Ruhe und Sicherheit der Bewohner
beim Steinbruch sind noch in Er
innerung.
Für die Gemeinden sprachen
Bgm. Dipl.-Ing. Otto Amann, Ho
henems, als „Materiallieferant“,
Bgm. LAbg. Hubert Waibel als
Schüttmaterialempfänger und künf
tiger „Steuerinkassant“ nicht zu
letzt auch der Speditionen und Be
triebe, die sich in der Nähe des
Güterbahnhofs ansiedeln, und Lan
desrat Dipl.-Vw. Gasser betonte
die wirtschaftliche Wichtigkeit des
Güterbahnhofs für die Region und
das Land und vor allem diesen we
sentlichen Schritt zur Lösung des
Verkehrsproblems im Raum Bre
genz.
Öldestillation Wolfurt?
In Ihrer Zeitung erschien bereits
ein zweiter.. Artikel über den mög
lichen Bau einer Öldestillations
anlage im Raum. Wolfurt.
Es stellt sich nun die Frage, was
der Bevölkerung von W'olfurt noch
alles zugemutet werden kann.
Nach dem Güterbahnhof und der
damit verbundenen Ansiedlung von
vielen Speditionsfirmen, Zollamt,
Autobahn, Schlachthaus jetzt noch
eine Öldestillationsanlage?’ Wann
kommt die auch schon erwähnte
Kadaver-Verbrennungsanlage?
Ich glaube, es ist an der Zeit, daß
der Herr Bürgermeister von Wolfurt
die Bevölkerung diesbezüglich auf
klärt! Denn Stillschweigen heißt
heimlich dafür sein!
Oder wird die Öldestillations
anlage auch so heimlich geplant wie
der neue Schießstand im Wohn
gebiet Oberfeld?. Ergehen die Ver
handlungen über Grund und Bau
der Destillationsanlage so lautlos
wie die damaligen Grundverkäufe
für den jetzigen Güterbahnhof?
Die Bevölkerung von Wolfurt hat
wohl ein Recht auf Aufklärung!
G.N., Wolfurt
Kurzbericht über die 1. außerordentliche
Generalversammlung der Hotel
Betriebsgesellschaft mbH & Co. KG
am 5. April 1974 in Bartholomäberg,
Hotel „Berger Hof“. Beginn: 10.30
Uhr. Schluß: 16.30 Uhr.
In der 1. außerordentlichen General
versammlung der Hotel- Betriebsge
sellschaft mbH & Co. KG am 5. April
1974 in Bartholomäberg waren über
90 Prozent des gezeichneten Gesamt
kapitals vertreten.
Die Gesellschafter billigten einstim
mig die Inangriffnahme des ersten
Bauabschnittes.
Der Terminplan sieht die Eröffnung
erster Anlagen der Gesellschaft, und
zwar einer Bergbahn, eines Bergre
staurants, eines Hotels, zur Winter
saison 1975/76 vor.
Die wesentlichen Ausschreibungen
für den 1. Bauabschnitt sollen bis
spätestens Sommer 1974 erfolgen.
Die Komplementärin — Hote! Be
triebsgesellschaft mbH — kündigte
die Erhöhung ihres Kapitals von der
zeit S 495.000.— auf S 1,000.000.— an.
Der bisherige Mitgeschäftsführer,
Herr Leonard Rae, hat wegen Krank
heit seine Tätigkeit niedergelegt und
dies auch durch ärztliches Attest be
stätigt. Als neuer Mitgeschäftsführer
wurde Herr Gerhard Löhr berufen.
wählte
Die Gesellschafterversammlung
Herrn Dipl.-Ing. Georges Ok-
sakowski, Zivilingenieur in Feldkirch,
Reichsstraße 175, und Herrn Direk
tor Werner Schulz, Franzensgasse
16/25, 1050 Wien, als Beiräte; die
Komplementärin ernannte als 3. Mit
glied des Beirates Herrn Dkfm. Dr.
Herbert Werner, Kärntner Str. 17/7,
1010 Wien. Der Beirat konzipierte
noch am gleichen Tage, Herr Dipl.-
Ing. Oksakowski wurde zum Vor
sitzenden des Beirates gewählt.
In der Gesellschafterversammlung
wurde spontan von mehreren Gesell
schaftern 20 Prozent auf ihre bis
herige Kommanditeinlage neu ge
zeichnet.
Nicht nur die starke Teilnahme, son
dern auch die rege Aussprache be
wiesen, daß die Gesellschafter nun
mehr mit Überzeugung hinter ihrer
Gesellschaft stehen; dies drückt sich
auch darin aus, daß alle Beschlüsse
ohne Gegenstimme angenommen
wurden.
Hotel Betriebsgesellschaft
mbH & Co. KG
Postfach 31, 6780 Schruns
Geschäftsführer:
350.000
Franz Bitschnau Gerhard Löhr
11934
qm Grund, jener Grund,
auf dem Ende der siebziger Jahre
der neue Güterbahnhof Wolfurt
in Betrieb genommen werden
soll, muß sorgfältig saniert wer
den: Durch Schüttungen von 1,5
Millionen Tonnen Gestein und
zusätzliche Spezialdrains wird das
Wasser aus dem feuchten Boden
buchstäblich herausgequetscht.
Gestern nun wurden mit bekränz
ten Lkw die letzten Kubikmeter
des Schüttmaterials herbeigefah
ren, um in Anwesenheit zahl
reicher Prominenz (auf unserem
nebenstehenden Bild Landesrat
Dipl.-Vw. Gasser mit Baumeister
Rich ard Hinteregger und Trach
tenmädchen) im „Formations-Ab-
ladevcrfahren“ an Ort und Stelle
geschüttet zu werden. Doch noch
ist die Sanierung damit nicht be
endet; über 2 Millionen Tonnen
müssen noch umgeschüttet wer
den, damit jedes Fleckchen des
Güterbahnhof-Areals gesichert
ist. (Fotos: Spang)