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Full text: Vorarlberger Nachrichten 1974 Q2 (1974)

Seite 14 
Donnerstag, 11. April 1974 
Ergebnisse der NL 
Austria/WAC — GAK 2:0 (1:0) 
Sturm Durisol — Rapid 1:0 (0:0) 
Vienna — Admira Wacker 2:0 (1:0) 
SC Eisenstadt — LASK 3:0 (1:0) 
SW Innsbruck — Salzburg 1:1 (1:1) 
Sportklub — DSV Alpine 4:1 (2:0) 
VÖEST — Vorwerk Vlbg. 1:0 (1:0) 
Simmering — WSG/VSV 2:0 (0:0) 
Austria Klagenfurt war spielfrei. 
Döblinger in Form 
Vienna — Admira Wacker 2:0 (1:0) 
Vienna, „gedopt" durch den Re­ 
formplan, erwies sich in diesem 
Spiel der „Millionenelf“ aus der Süd­ 
stadt mannschaftlich überlegen und 
kam zu einem verdienten Erfolg. 
Die Gäste bauten auf ein starkes 
Mittelfeld, in dem nach sechs Mo­ 
naten erstmals wieder Mißfeld in 
Aktion war. Der Deutsche begann 
sehr stark, wurde aber gegen Spiel­ 
ende doch sichtlich schwächer. Das 
1:0 gab den Döblingern enormen 
Auftrieb, und nach einer eher aus­ 
geglichenen ersten Hälfte kamen die 
Hausherren stark auf. 
Herzog traf in der 10. Minute nur 
die Stange und vergab kurz danach 
eine gute Chance. In der 40. Minute 
landete ein Freistoßball von Franz 
an der Latte, Poindl stellte per Kopf 
auf 1:0. In der 58: Minute ein Schuß 
von Hevera, Fleischmann wehrte ab, 
der Ball kam zu Schlagbauer, der 
das 2:0 fixierte. Vienna war nun 
eindeutig besser, das Mittelfeld der 
Südstädter fiel zurück, dafür sorgte 
in erster Linie Poindl, der groß auf­ 
spielte. Kurz vor Schluß zeichnete 
sich Fleischmann bei einem Schuß 
von Horvath aus. 
VÖEST 
Linz kämpfte sich an 
Innsbruck heran! 
Meister 
Die großen Verlierer der 23. NL- 
Meisterschaftsrunde, die gestern mit 
sechs Spielen beendet wurde, waren 
SW Innsbruck und Vorwerk Vorarl­ 
berg, aber anch der GAK (er unter­ 
ab.Die 
lag am Dienstag 0:2) schnitt schlecht 
Innsbrucker büßten durch ein WSG/VSV 
1:1 gegen Austria Salzburg gegen­ 
über dem Verfolger VÖEST Linz, 
der Vorwerk Vorarlberg mit Ach 
und Krach 1:0 besiegte, erneut einen 
Punkt ein. Die Vorarlberger, die 
auch in Linz kein Glück hatten, 
Eisenstadt 
mußten erfahren, daß Vienna Und ler ausgeschlossen wurde. 
ihre Heimspiele gewan­ 
nen, und so beträgt der Rückstand 24147341:2535 
der Skerlan-Truppe auf Eisenstadt 
bereits sechs Punkte. Auch der GAK 
ist plötzlich unter den Abstiegskan­ 
didaten zu finden. 
In der Torschützenliste führt 
weiterhin der Rapidler Krankl mit 
25 Treffern vor Emmerich (18) und 
Pirkner (13). Alle drei gingen in der 
24. Runde leer aus. Im Schnitt wohn­ 
ten den Dienstag- und Mittwoch­ 
spielen jeweils 4000 Zuschauer bei. 
Erfreulich ist, daß erneut kein Spie­ 
Innsbruck 
23156248:1436 
SK VÖEST 
Austria/WAC24146448:2034 
Rapid 23118451:2930 
Sturm 
24114917:2226 
Simmering 24951038:3223 
Salzburg 
2487927:2423 
24861036:3922 
Admira 
22511625:2321 
24851126:3621 
LASK 
24771033:4821 
Sportklub 
Klagenfurt 2368926:3020 
2276932:3820 
Alpine 
24681019:3120 
GAK 
23821326:4118 
Eisenstadt 
Vienna 23561221:3816 
Vorarlberg 23361420:4412 
VÖEST Linz gegen Vorwerk Vorarlberg 1:0 (1:0) 
in Hochform 
Rettensteiner 
Die Oberösterreicher spielten ge­ 
stern abend reichlich schwach, die 
Vorarlberger überraschend stark, 
und dennoch hieß der Sieger VÖEST 
Linz. Das war die große Ungerech­ 
tigkeit in diesem für beide Mann­ 
schaften so bedeutungsvollen, so 
wichtigen Spiel. VÖEST kam durch 
diesen Erfolg wieder einen Punkt 
näher an SW Innsbruck heran, Vor­ 
Schiller. werk Vorarlberg hingegen besitzt 
SWI-A. Salzburg 1:1 (1:1) 
Der Meister noch weit von seiner Bestform entfernt 
sehen, gerecht, die Gastgeber hatten 
zwar mehr vom Spiel, ohne gegen 
die von Winkelbauer gut organisier­ 
ten Salzburger aber jedoch reüssie­ 
ren zu können. Zehn Minuten vor 
Schluß wäre beinahe das Siegestor 
für die Gäste gefallen. Der Freistoß 
von Libuda ging jedoch um Zenti­ 
meter über das von Schatz gehütete 
Innsbrucker Gehäuse. 
r. Mit. den Innenverteidi gern, dem 
als Libero eingesetzten Rinker und 
Vorstopper Kriess hatten die Inns­ 
brucker ihre besten Kräfte in der 
Abwehr, Gombasch gefiel im. Mittel­ 
feld. Winkelbauer war der beste 
Mann der guten Salzburger Abwehr, 
Grosser und Weiss verdienten sich 
ebenfalls gute Zensuren. * 
jetzt 
nur noch eine theoretische 
Chance, dem Abstieg zu entrinnen. 
Ehe Scharmann in der 38. 
Minute den einzigen und daher ent­ 
scheidenden Treffer die ses Spieles 
erzielte, vergaben Wolny und Wei­ 
dinger zwei gute Chancen. 
In der 55. Minute schien der Aus­ 
gleich greifbar nahe, doch hatte der 
großartige Rettensteiner gegenüber 
Brunnenmeier noch seine Hand im 
Spiel — Corner. Das Publikum 
wechselte nun ns Lager der Gäste, 
der Ruf „Ausgleich, Ausgleich!“ 
wurde zum Chor. 
In der 74. Minute rettete ein Lat­ 
tenpendler von Weidinger die Ober­ 
österreicher vor dem Verlust eines 
Punktes, in dem nachfolgenden Ge­ 
dränge parierte Rettensteiner einen 
Schuß Brunnenmeiers aus nächster 
Entfernung. Auch in der 80. Minute 
zeichnete sich der VÖEST-Tormann 
bei einem Schuß Weidingers aus. 
, Nach dem Schlußpfiff waren sich 
alle einig: Zumindest ein Unent­ 
ger 
schieden hätten sich die Vorarlber­ Brunnenmeier, Weidinger. 
verdient. Fanatische VÖEST- 
Anhänger verbrannten die Vereins­ 
fahnen, Trainer Senekowitseh war 
„sauer“. Auf seine Mannschaft und 
das Publikum. 
Bei den Linzern sind außer Ret­ 
tensteiner nur noch Huberts und 
einschränkend Stering lobend zu er­ 
wähnen, bei den Vorarlbergern, die 
Hohe Warte, 2000 Zuschauer, SR erneut einen enormen Kampfgeist 
Sepp Denk aus Linz 
bekundeten, zeichneten sich Schorn, 
Pezzey, Weidinger und Brunnen­ 
meier aus. 
Linzer Stadion, 3000 Zuschauer, 
SR Steinbrecher. 
VÖEST: Rettensteiner; Rath, Eb- 
ster, Reich, Huberts; Milanovich, 
Scharmann, Kirchner; Stering, Ul­ 
mer (ab 39. Kottan), Larionows. 
Vorwerk: Schorn; Roßbacher, 
Pezzey, Maksimovic, Albrich; Wohl­ 
genannt, Komexl, Wolny; Prantl, 
OÖ‘ 
Fußballverband 
für sofortige Reform 
Oberösterrcichs Fußballverband 
wird bei der ÖFB-IIauptver- 
sammlung am 21. April zu den 
Befürwortern der sofortigen Fuß­ 
ballreform zählen. Bei der außer­ 
ordentlichen Vorstandssitzung am 
Mittwoch wurde der Reforman­ 
trag mit 12:5 Stimmen befürwor­ 
tet. 
LASK baut vor 
Der LASK-Vorstand hat ge­ 
stern — unmittelbar nach dem 
Bekanntwerden des 12:5-Stim- 
menergebnisses des Oberösterrei­ 
chischen Fußballverbandes für 
eine sofortige Reform — verlau­ 
ten lassen, er werde für den Fall, 
daß er nicht in die lOer-Bundes- 
liga aufsteige (evtl. Ausscheiden 
gegen einen RL-Meister), drasti­ 
sche „Kampfmaßnahmen“ ergrei­ 
fen: 
© Alle Rechtsmittel ergreifen. 
© Aus dem ASVÖ austreten 
(dessen Präsident Muckenhuber 
auch Präsident des Oö Fußball­ 
verbandes ist, der sich jedoch in 
der Reformangelegenheit der 
Stimme enthielt). 
© Die Anhänger zu Demon­ 
strationen aufrufen. 
Der regierende Meister und Ta­ 
bellenführer Swarovski Wacker 
Innsbruck ist derzeit noch meilen­ 
weit von seiner Bestform entfernt. 
Ohne die Verletzten Horvath und 
Hattenberger und noch immer ohne 
Standardkeeper Koncilia I reichte es 
für die Tiroler auf dem Tivoli gegen 
Austria Salzburg nur zu einem 1:1. 
Die Gastgeber benötigten dabei 
zum Ausgleich fünf Minuten vor der 
Pause einen etwas härten'Elfmeter, 
den Filzmoser an Rebele verschuldete 
und den der Däne Flindt trocken ver­ 
wandelte. Ab der 16. Minute hatten 
die taktisch ausgezeichnet eingestell­ 
ten Gäste mit 1:0 geführt. Der 
Deutsche Weiss hatte einen schnellen 
Konterangriff nach Vorarbeit von 
Hala und Arzböck erfolgreich abge­ 
schlossen. Innsbruck,. 8000 Zuschauer, SR 
,Reformtrauer' 
in: Simmering 
Die Wiener schlugen WSG/VSV mit 2:0 (0:0) Toren 
LASK ging in Eisenstadt 
Das. 
mit 0:3 (0:1) völlig „unter” 
Spiel stand im Zeichen der 
„Trauer“ — Trauer wegen der be­ 
vorstehenden Fußballreform, bei der 
bekanntlich beide Klubs zum Hand­ 
kuß kommen würden. Die Gäste tra­ 
Das Remis war alles in allem ge- Wöhrer. ten mit Trauerflor an den Dressen 
an und überreichten bei der Begrü­ 
ßung schwarze Schärpen an die 
Simmeringer, die diese an den 
Ärmeln befestigten. An die, Zu­ 
schauer wurden Flugblätter mit dem 
Hinweis auf die Ungerechtigkeit der 
Reform gegenüber Simmering, 
ter. 
WSG/VSV etc. verteilt. 
ausgetauscht wurde. Strau ver­ 
gab noch eine gute Chance. Dann 
eine große Möglichkeit für Nuske 
(84.), eine Minute später stellte Bi­ 
berhofer per Kopf auf 2:0. 
Simmering, 2000 Zuschauer, SR 
Karner. 
Vorwerk-Junioren beim 
Hugo-Meisl-Turnier 
Jener LASK, der erst am Wo­ 
chenende Titelverteidiger SW Inns­ 
bruck mit 1:0 die zweite Niederlage 
der laufenden Saison zugefügt hatte, 
vermochte an diese Leistung im Lin­ 
denstadion ln keiner Phase anzu- 
schließen und ging gegen die Bur­ 
genländer mit 0:3 sang- und klanglos 
unter. 
Die Eisenstädter, die ihrerseits ge­ 
genüber der 0:3-Niederlage bei Ad- 
mira/Wacker nicht wiederzuerkennen 
waren und mit einer recht guten Lei­ SR Karrer. 
stung aufwarteten, hatten von Be­ 
ginn an mehr vom Spiel. Der Füh­ 
rungstreffer fiel in der 35. Minute, ( 
als Thomas nach einem Paß von1 
Rohrer in rechte Ecke bombte. ; 
Nach Seitenwechsel kamen die 
Gastgeber dann immer besser in 
Fahrt und mit einem sehenswerten 
Schuß von der Strafraumecke in die 
linke Kreuzecke erhöhte Bjerregaard 
in der 50. Minute auf 2:0. In der 65.. 
Minute trug sich der Däne neuerlich 
in die Torschützenliste ein, als er 
Schröttner per Kopf bezwang, wo-; 
bei der LASK-Keeper eine ziemlich 
unglückliche Figur machte. 
Eisenstadt, 2500 Zuschauer, SR 
Bucek. 
Eine klare Sache 
Sportklub — Donawitz 4:1 (2:0) 
Einen verdienten 4:l-Erfolg 
feierte nach der schweren 1 ̂-Nie­ 
derlage vom vergangenen Wochen­ 
ende gegen Rapid der Wiener Sport­ 
klub gegen die Alpine-Elf. In der 
ersten Spielhälfte dominierten meist 
die Gäste aus Donawitz, die aber am 
gegnerischen Strafraum mit ihrem 
Latein am Ende waren. Sportklub 
hingegen nützte seine Chancen und 
ging auch mit einer 2:0-Führung in 
die Kabinen. 
Nach Seitenwechsel legte Brzic 
Strafraum, 
den durchbrechenden Kümer im 
den dafür verhängten 
Penalty verwandelte Ulsaß zum 3:0 
(74.). Der Ehrentreffer der Gäste fiel 
in der 80. Minute durch Mühlhau­ 
ser, der einen Kopfballpaß Pirkners 
volley ln die Maschen gebombt hatte. 
Seinen dritten Treffer in diesem 
Match erzielte Ulsaß ln der 89. Mi­ 
nute aus einem weiteren Elfmeter. 
Wallner war im 16-m-Raum von 
Brzic gefoult worden. 
Sportklubplatz, 1500 Zuschauer, 
Das 
Spiel selbst verlief dann in 
sehr fairen Bahnen-und endete mit 
einem verdienten Sieg der Wiener, 
die um die zwei Tore besser waren. 
Vor der Pause vergab Flögel zwei, 
gute Möglichkeiten, ehe-er in der 29. 
Minute verletzt ausschied. Nach der. 
Pause fiel in der 67. Minute nach 
einem Fehler von Muftic.' durch 
Weitschuß des 1 auf gerückten LiedF 
das 1:0. Das Spiel bekam nun Tem­ 
po, in der 74. .Minute: foulte' Muftic 
In 
Rauschmaier, der' eine Minute spä- 
Erinnerung an den legendären 
Hugo Melsl, einen der ganz „Großen" 
des österreichischen Fußballs, findet 
über Ostern in Gmünd ein Gedächt­ 
nisturnier für Juniorenmannschaften 
statt. 
Vorwerk Vorarlberg wird dabei 
ebenso teilnehmen wie die Nach- 
wuchskicker von Swarovski Wacker 
Innsbruck, Sturm Durisol, SV Ur­ 
fahr (Linz), SK Slovan Wien und 
PSV Gmünd. Das Ausland ist durch 
eine ' Liechtensteiner Auswahl . und 
den SC Ludwigshafen vertreten. 
Turbulente Pressekonferenz in Wien 
„Reformopfer” wehren sich 
Ausnützung aller denkbaren 
Möglichkeiten zur Verhinderung 
dieser „Vergewaltigung“ durch die 
zuständigen Gremien des österrei­ 
chischen Fußballsports kündigten 
die Vertreter der NL-KIubs Wie­ 
ner Sportklub, Vienna, Simme­ 
ring, DSV Alpine und WSG/VSV 
am Mittwoch in Wien in einer 
Pressekonferenz an. Es gab viele 
harte Worte, temperamentvolle 
Äußerungen, fundierte Stellung­ 
nahmen und im wesentlichen ein 
Ja zur Reform, ein Nein zu der 
Art der Durchführung und vor 
allem zum Zeitpunkt der Durch­ 
führung. 
Sportklub-Geschäftsführer Bruck­ 
ner betonte, es müsse alles getan 
werden, um eine Durchführung der 
Meisterschaft unter den Vorausset­ 
zungen, die bei ihrem Beginn bestan­ 
den, zu sichern, das nächste Jahr mit 
18 Klubs zu spielen und nach Ab­ 
schaft 
schluß dieser kommenden Meister­ Manipulation erhoben („Diese uns gegen diese skrupellosen Machi­ 
die ersten zehn in die Bun­ 
desliga zu nehmen — ohne Rücksicht 
auf etwa regionale Gesichtspunkte. 
„Und wirtschaftliche Gründe, ja. 
Aber wie kann man dann den Ver­ 
ein mit den größten Schulden (ge­ 
meint ist Rapid. Anmerkung der 
Red.) hineinnehmen, gutgeführte 
Klubs aber nicht.“ 
Es sprachen nach Bruckner Sim­ 
mering-Präsident Riedl, Architekt 
Proche (Vienna), Dipl.-Ing.. Lackner 
(DSV Alpine), WSG/VSV-Präsident 
Mayr und Robert Dienst (Heid 
Stockerau), wobei die gemeinsame 
Haltung dieser Vereine im Grund­ 
sätzlichen, ihre prinzipielle Reform­ 
bereitschaft, vor allem aber ihre 
schweren Bedenken gegen viele Kon­ 
sequenzen der • „überstürzten“ Re­ 
form ausgesprochen wurden. 
Allgemein wurde im Zusammen­ 
hang mit der jüngsten Reform-Vor­ 
geschichte der massive Vorwurf der 
Re­form 
ist keine Qualifikation, sondern 
Manipulation“, Proche), „Der schmut­ 
zige Lorbeer im amerikanischen 
Boxsport wirkt dagegen ja wie 
ein duftender Maiglöckerlstrauß“, 
Mayr, und „Dagegen ist die Mafia ja 
ein Geselligkeitsverein“, Mayr), man 
sprach den geplanten Maßnahmen 
wirtschaftliche und sportliche Logik 
ab („Verringerung und Auflassung 
der Lizenzspieler allein können doch 
keinen besseren Fußball bringen“, 
Riedl), und man ging schließlich in 
der Diskussion auf einige der ge­ 
planten Gegenmaßnahmen ein. 
„Gegründet: 1901 — gemordet; 
1974 — SC Radio Stohlhofer Simme­ 
ring“ lautet der Kopf eines Flug­ 
blattes, mit dem der Simmeringer 
Sportklub einige harte Fragen stellt, 
wer die Nutznießer der Reform sind 
— und dagegen die Leistungen des 
Klubs stellt. „Simmeringer, helft 
uns, wir haben keine Möglichkeit, 
nationen 
zur Wehr zu setzen. SC 
Radio Stohlhofer Simmering darf 
nicht sterben.“ So der Sc hluß des 
Flugblattes, das erstmals am Mitt­ 
woch beim NL-Spiel gegen Raden­ 
thein verteilt wurde. 
Das ist nur ein Nadelstich im 
Maßnahmenkatalog, den die Klub­ 
führungen der sogenannten Reform­ 
opfer aufgestellt haben. Das wich­ 
tigste Instrument ist das den Statu­ 
ten entsprechende, in diversen für 
eine sofortige Reform eingestellten 
Landesverbänden die Einberufung 
einer a. o. Generalversammlung, um 
dort möglichst eine Umstimmung für 
die ÖFB-Jahresversammlung am 
21. April zu erreichen. 
Diese Aktion ist bereits im Gang, 
versicherten Vertreter Viennas und 
von Heid Stockerau. Daneben sollen 
alle nur denkbaren rechtlichen Mög­ 
lichkeiten genützt werden, da ja als 
Konsequenz einer sofortigen Einfüh­ 
rung von Bundes-, National- und B~ 
Liga, eine ganze Reihe von-Verträgen 
mit "Spielern:' Angestellten,- Sponso­ 
ren als unter falschen Voraussetzun­ 
gen abgeschlossen gelten könnten, da 
Reklameverträge ebenso zu lösen wä­ 
ren usw. Die daraus resultierenden 
wirtschaftlichen Nachteile will man 
— wenn möglich — im Regreßver­ 
fahren ausgleichen lassen. 
Bruckner betonte, er und seine 
Kollegen seien „hintergangen“ wor­ 
den, der vom NL-Spielausschuß be­ 
schlossene Reformplan habe ganz an­ 
ders ausgesehen. Riedl argumentierte, 
man will eine Profiliga einführen, 
aber den Profi-(Lizenz-)Spieler auf­ 
lassen, Vertragsspieler, die Halbtags­ 
beschäftigungen nachgehen sollen, 
hätten noch mehr Mittwochtermine 
usw. 
Auch in der zweiten Spielklasse 
müsse ein Verein mit ordentlicher 
Gebarung mit einem Budget von 
3 bis 4 Millionen rechnen,_ das sei 
in einer Quasi-B-Liga nur schwer 
aufzubringen. Die vielzitierten 90.000 
Schilling Entschädigung pro Verein 
seien da „ein Scherz“. 
„Wir waren und sind keine Re­ 
formgegner, aber wir haben andere 
Vorstellungen davon“, meinte Alpi­ 
ne-Vertreter Lackner. Manche Ver­ 
eine werden sich das Abenteuer 
zweite Spielklasse gar nicht leisten 
können oder wollen. Man muß den 
Klubs die Möglichkeit geben, sich auf 
die Umstellung vorzubereiten und 
sich vielleicht durch Bildung von 
Spielgemeinschaften selbst zu helfen 
Und die Zukunft zu ordnen — sport­ 
lich und wirtschaftlich. 
Außerdem ist, so betonte Lack­ 
ner, die Einteilung nach regionalen 
Gesichtspunkten (zwei Wien, je ein 
Klub je übriges Bundesland) wider­ 
sinnig, da diese Einteilung ja binnen 
Kürze durch Auf- und Abstieg völ­ 
lig verändert werden kann und wird. 
Dipl.-Kfm. Mayr bezeichnete die 
ÖFB-Spitze als verantwortungslos, 
eine B-Liga zu schaffen, ohne die 
Bedeckung zu sichern. 
Robert Dienst berichtete von der 
harten Arbeit beim SC Heid Stok- 
kerau, vom Erreichen einer gewissen 
Unterstützung durch Gemeinde und 
Land, und griff dann NÖFV-Präsi- 
dent Beck scharf an. „Herr Beck, der 
20 Jahre alles torpediert hat, was 
für den Spitzensport nötig war, fällt 
uns plötzlich in den Rücken“, meinte 
der kampflustige Exinternationale. 
Äußerst temperamentvoll Rudi 
Röckl, der seine Ansicht von Reform 
verteidigte, wie er sie bei der Vienna 
durchsetzte, ordentliche Gebarung, 
keine teuren Ausländer, Aufbau der 
eigenen Nachwuchsspieler, Disziplin 
usw., und Hans Bruckner stellte 
recht kategorisch fest, der ÖFB-Prä- 
sident solle zurücktreten.
	        
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