Samstag, 13. April 1974
Seite 29
„Das unheilige Haus’’
Theaterspiel
in Lingenau
Nach einjähriger Pause bringt die
Theatergruppe Lingenau am Oster
s onntag unter der Regie von Georg
Gmeiner das Schauspiel in sechs Bil
dern „Das unheilige Haus“ von Hans
Naderer zur Aufführung. Die Ver
anstaltung ist um 20.15 Uhr im Wäl
dersaal.
Das sozial- und gesellschaftskri
tische Stüde verspricht durch seine
erschütternde Problemstellung, aber
auch durch seine überzeugende, le
bende Welt des Glaubens ein inter
es santer Theaterabend zu werden.
In einer kleinen Stadt quartiert
sich ein Heimkehrer mit seiner Fa
milie — dargestellt von Georg Gmei
ner, Monika Kobras und sechs Kin
dern — in einem leerstehenden Klo
ster widerrechtlich ein. Durch die
Ereignisse des Kriegs obdachlos ge
worden und moralisch völlig aus der
Bahn geworfen, wird diese Familie
von der Gesellschaft nur als Gesin
del angesehen und behandelt. Zwei
Jahre nach dem letzten Weltkrieg
kehren die bis .dahin emigrierten
Schwestern (Burgl Eberle, Doris Bü
sel, Herta Lässer, Monika Bader und
Gitti Eberle) unter der Führung
einer französischen Oberin (Elfi
Schwärzler) ins Kloster zurück. Zwei
Welten prallen nun aneinander, hart
und kompromißlos die eine, gütig,
doch niemals pharisäerhaft die an
dere.
Weitere Vorstellungen sind am
21. und 28. April.
Callas geht eigene Wege
Die italienische Sopranistin Ma
ria Callas und ihr ständiger Beglei
ter. seit einigen Jahren, der Tenor
Giuseppe di Stefano, trennen sich
wieder. Nach einem mißglückten De
büt als Regisseurin in Turin und
nach teilweise heftig kritisierten ge
meinsamen Konzertreisen durch
Frankreich, England, Kanada, die
USA und Westdeutschland will die
50jährige Diva wieder eigene Wege
gehen.
50.000 Jahre alte Fabrik
in Indien entdeckt
Indische Archäologen haben im
Bundesstaat Maharasthra eine prä
historische „Fabrik“ für Jagdgeräte
aus der mittleren Steinzeit entdeckt.
Die gefundenen Geräte zeigen nach
Angaben eines der Forscher eine
„äußerst feine“ Bearbeitung. Ihr
„VN“-
Alter wird auf 50.000 Jahre ge
schätzt.
Ecke für die jüngsten Leseratten
Konkurrenzloser Osterhase
Das fröhliche Versteckspiel, das
wir mit unseren Ostereiern veran
stalten, ist auch im Reich der Tiere
sehr verbreitet. Natürlich nicht als
österlicher Brauc h, sondern zum
Zwecke der Vermehrung und Arter
haltung. Die Kröten zum Beispiel
reihen ihre Eier im Wasser gleich
in ganzen Schnüren auf — unend
lich viele Perlenketten mit unvor
stellbar vielen Eiern.
Jeder Hering legt jährlich an die
300.000 Eier, eine Flunder sogar
4,000.000. Um diese Eier vor den
überall lauernden Eierdieben zu
schützen, kommen die Fische auf
die unglaublichsten Einfälle: Da
gibt es bestimmte Arten, die brüten
ihre Eier im Maul aus und l assen
Flossen
sich eher selbst mit Kiemen und
fressen, als daß sie dieses
Versteck preisgeben. Andere, wie
etwa der Katzenhai, hängen ihre
Eier in spiralförmigen Fäden an
Wasserpflanzen auf — womit der
Katzenhai also den „Osterbaum“
erfand.
Die Wolfsspinnen „spinnen“ sich
eine regelrechte Einkaufstasche, in
der sie ihre Eier spazierentragen,
bis'- das Brutgeschaft erledigt ist.
Ein besonders geschickter Ver-
stecker ist auch der Pillendreher,
der wegen seiner Kunstfertigkeit
von den alten Ägyptern sehr ver
ehrt wurde. Dieses Tier hüllt seine
Eier nämlich sorgfältig in eine Ku
gel aus Mist ein, so daß alle Eier
liebhaber nur die Nase rümpfen.
Vögel
Im Vergleich dazu sind unsere
bescheidene Eierleger. Der
Kuckuck und der Spatz bringen es
auf ein bis zwei Dutzend. Der Adler
gibt sich sogar schon mit zwei
Eiern pro Jahr zufrieden.
Der einfallsreichste Eierleger
unter den Vögeln ist natürlich der
Kuckuck. Dieser Erzschelm manö
vriert seine Eier blitzfrech in wild
fremde Nester und läßt das Brut-
geschäft von anderen besorgen. Um
die Besitzer der fremden Nester zu
täuschen, fabriziert er vom blauen
Ei bis zum gefleckten, getüpfelten,
rötlichen, olivgrünen und gelbge
sprenkelten alle nur denkbaren
Farbtöne, so daß die Vögel glauben,
es seien ihre eigenen Eier.
Trotzdem bleibt der Osterhase
konkurrenzlos. Denn wo gibt es ein
anderes Wesen außer ihm, das Eier
aus Zucker, Schokolade und Marzi
pan zu legen imstande ist.
Albert Sinus
Plastiken des Altachers Brändle:
Spannung in klarer Konzeption
Schon seit Jahren arbeitet in Alt-
ach-Bauern der nur einem kleinen
Kreis bekannte Bildschnitzer und
Skulpturgießer Josef Brändle in steter
Auseinandersetzung mit sich selbst
an der Bewältigung seiner körper
haften Umwelt. Daß es sich Brändle
durchaus nicht leicht macht und sich
gängigen Landestrends nicht auslie
fert, auch auf die Gefahr hin, daß
er im Versuch steckenbleibt, zeigt ein
kleiner Überblick über sein Schaf
fen seit 1968.
Für Brändle stand es von allem
Anfang an fest, daß der zwar allge
mein' verständliche, bäuerliche
„Kraftrealismus“ einen guten Absatz
s ichern würde, seinem Wollen und
Denken jedoch nicht entsprach, da
er den oberflächlichen und äußer
lichen Pathos nicht liebte, diesen
nicht als „echt" empfand. So kann
denn etwa seine traditionelle Chri
stopherusfigur (Linde, 78 cm — 1968)
nur als unverpflichtender Ausgangs
Da
er den Zugang zur modernen
Plastik nach 1945 zwar finden will,
sich jedoch der spekulativen Gefähr
lichkeit eines solchen Weges bewußt
ist — Brändle weiß, daß er sich zu
erst eine Entwicklung erarbeiten
muß — wandte er sich verständli
cherweise der Vergangenheit ' und
dem Fremden zu: Wir finden An
klänge an afrikanische Skulpturen,
ostasiatische und prähistorische Vor
bilder. Doch ein Schwerpunkt liegt
auf der romanischen Plastik, was be
sonders sein „Liebespaar“ und sein
„Christuskopf“ beweisen. Was Bränd
le jedoch an der Romantik inter
essierte, war nicht etwa deren Gei
steshaltung, sondern nur die Be
handlung der Form, das strenge
Äußere, welches, wie in fast allen
seinen Skulpturen, durch die Ein
fachheit und Beschränktheit des De
tails und die Unterordnung der Glie
der unter den Willen einer möglichst
eindeutigen, ganzheitlichen Aussage
gekennzeichnet wird. Notwendiger
punkt betrachtet werden. weise muß er daher abstrahieren,
Prof. Lorenz
zu Bregenzerwälder
Kulturtagen?
„An den Grenzen des Wissens,
an der Grenze der Sicherheit“ —
eine Fragestellung von höchster
Aktualität, ein Thema von kaum
überschaubarer Vielfalt, steht im
Mittelpunkt der diesjährigen Bre
genzerwälder Kulturtage, die am
25. und 26. Mai in Egg mit einer
zweitägigen Vortrags- und Dis
kussionsveranstaltung ihren An
fang nehmen werden. Prominen
namhafter
tester Vortragender im Kreise
Experten aus dem Be
reich Naturwissenschaften, Polito
logie und Kultur sollte Nobel
preisträger Prof. Konrad Lorenz
sein. Wie jedoch verlautet, ist es
zur Zeit eher ungewiß, ob Prof.
Lorenz an dem. Symposion teil
nehmen kann und die Einladung
nach Egg annehmen wird.
Die Bregenzerwälder Kultur
tage 1974 erstrecken' sich wie in
den Vorjahren über mehrere Wo
chen und bringen Ausstellungen,
Konzerte sowie modernes Theater
— man denkt an die Aufführung
eines Stückes von Samuel Beckett
was
an mehreren Orten des Tales.
bis an die Grenzen einer er
kennbaren, sichtbaren Realität ver
läuft.
So weisen denn etwa eine Ma
donnenstatue nur noch im Antlitz,
wenn auch stereotyp, realistische
Züge auf, die übrige Körperlichkeit
ist der symbolischen Bedeutung Ma
riens untergeordnet: Zuständen wie
Geborgensein, Innerlichkeit, Weltab
geschlossenheit aber auch Weltunge
bundenheit. Wie wenig er trotz for
maler Anklänge an die abstrakte
Romanik geistig mit ihr verbunden
ist, zeigt seine manieristisch-überfei-
nerte und sensibel empfundene
Franziskus- und jüngste Christus
figur (1973).
Außerdem liebt Brändle nicht die
statische Ruhe und Unveränderlich
keit, sondern versucht, dem toten
Material im Kampf mit dessen Eigen
schaften Zustände zu entwickeln, die
ein Werden und Vergehen, eine in
akuter Spannung befindliche Situa
tion kennzeichnen. Beispiele sind
seine „Säufer“, die „Hast“ und die
„Rast“. Die Skulpturen sind vital.
Vitalität mit Harmonie zu verbinden,
läßt sich häufig als sein Bestreben
erkennen.
Brändle hat es auch mit abstrak
ten Kompositionen. versucht, als
Brunnen- und Gartenplastiken und
Modelle. Wiederum geht es ihm um
sein Ideal der Einfachheit und Ganz
heit der Form, die, was noch hinzu
kommt, in diesen Fällen durch die
sie durchdringende Räumlichkeit be
wegt und gelockert wird. Doch sind
gerade diese abstrakten Gebilde kei
ne typischen Aussagen Brändles, son
dern eklektizistische Versuche. Im
mer wiederkehrend stößt jedoch der
Bildformer auf dasselbe Problem,
welches ihn wie ein Magnet anzieht:
Vereinfachung
Wie vermag ich trotz zunehmender
meine persönliche
Sprache aber auch Handschrift zu
erhalten? Wo und wie verlaufen die
Wege zu einer neuen Einfachheit
und Allgemeinheit, die aber den-
noch nicht die Persönlichkeit aus
Josef Brändle „Die da! Die da?“, Bronze, 1972, 35 cm
schaltet? Seine 1973 geschaffenen
Madonnen in Steinguß verraten die
ses Bestreben in eindringlicher
Weise. Gerhard Wanner