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Full text: Vorarlberger Nachrichten 1974 Q2 (1974)

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Ein aufrechter Österreicher: So 
kannte sein Land, so ka nnte die 
Mittwoch, 24. April 1974 
Welt Franz Jonas. 
••••••••••••• 
om ilfsarbeitercSohn 
undespräsidenten 
Sein Leben war die Arbeit, die Ar beit war für .ihn das Leben. 
Franz Jonas wurde am 4. Oktober 1899 als eines von acht Kindern 
eines Hilfsarbeiters in Wien geboren. Da die finanziellen Mittel der Familie 
für ein Studium nicht ausreichten, wurde Franz Jonas Schriftsetzer, be- 
suchte aber nebenberuflich zahlreiche Fortbildungskurse sowie die Arbei- 
terhochschule, wo u. a. die späteren Bundespräsidenten Renner, Körner 
und Schärf als Lehrer wirkten. Seine Funktionen als Vertrauensmann der 
Buchdruckergewerkschaft und als Sekretär der Sozialdemokraten brachten 
Franz Jonas nach 1934 in Konflikt mit den Behörden. Er wurde 1936 im 
„Sozialistenprozeß" wegen Hochverrates angeklagt, jedoch mangels an Be- 
weisen freigesprochen. 
Zunächst arbeitslos, fand Franz 
Jonas 1938 eine Anstellung in der 
Lokomotivfabrik von Floridsdorf, wo 
er bis 1945 arbeitete. Durch eine 
Sprengung sämtlicher Brücken im 
Zuge des Kriegsendes war der nörd- 
lich der Donau gelegene Industrie- 
es bedurfte 
besonderer organisato- 
rischer Fähigkeiten, die notwendig- 
ste Versorgung aufrechtzuerhalten. 
Franz Jonas, den man in die provi- 
sorische Gemeindeverwaltung des 
Bezirkes berufen hatte, erwarb sich 
dabei große Verdienste und stieg 
bezirk Floridsdorf völlig isoliert und rasch zum Bezirksvorsteher auf. 
1948 wurde er durch den Wiener 
Gemeinderat zum amtsführenden 
Stadtrat für Ernährung und 1949 
zum amtsführenden Stadtrat für Bau- 
angelegenheiten bestellt. 
Nach der Wahl Theodor Körners 
zum Bundespräsidenten wurde' Franz 
Jonas 1951 dessen Nachfolger. als 
Bürgermeister von Wien. Seine 14- 
jährige Amtszeit ist charakterisiert 
durch Wiederaufbau, Modernisierung 
und das Bestreben, der Bundes- 
hauptstadt in einer veränderten Welt 
neue Geltung zu verschaffen. Ins- 
besondere auf dem Sektor des so- 
zialen Wohnbaues, der Schaffung 
moderner Verkehrsanlagen, des 
Schulbaues (große 'Beachtung' fand* 
z. B. die Schule für Körperbehinder- 
te.in Wien-Währing),und der Schaf- 
Einrichtungen für inte r- 
hing 'von. 
nationale Kongresse ergriff Franz 
Jonas zahlreiche Initiativen. 
1951-1953 war Franz Jonas 
Mit- 
glied des österreichischen Bundes- 
rates, 1953-1965 war er Mitglied 
des österreichischen Nationalrates. 
Er war als Bürgermeister von Wien 
Obmann des österreichischen 
Städtebundes und Vorsitzender des 
Europakomitees des Internationalen 
Gemeindebundes. 
1965 nominierte die Sozialisti- 
sche Partei Österreichs Franz Jonas 
als Kandidaten für das Amt des 
Bundespräsidenten. Sein Gegenkan- 
didat war der von der österreichi- 
schen Volkspartei nominierte frü- 
bach. 
here Bundeskanzler Dr. Alfons Gor- 
Jonas erhielt bei der Wahl am 
23. Mai 1965 rund 2,324.000 Stim- 
für 
men und übertraf damit die 
Gorbach abgegebene Stimmenan- 
zahl um rund 63.000, wodurch er 
für sechs Jahre zum Bundespräsi- 
denten gewählt war. Vor Ablauf sei- 
ner Amtszeit bewarb sich Franz Jo- 
nas als Kandidat der Sozialistischen 
Partei Österreichs abermals um das 
Amt des Bundespräsidenten. Sein 
Gegenkandidat war der von der 
österreichischen Volkspartei aufge- 
stellte frühere Außenminister Dr. 
Kurt WaldheiM. Jonas erzielte bei 
der Wahl am 25. April 1971 mit rund 
2,487.000 Stimmen einen Vorsprung 
von rund 262.000 Stimmen und wur- 
de dadurch für weitere sechs Jahre 
in seinem Amt bestätigt. 
Franz Jonas war als großer Na- 
turfreund bekannt Er war Jahr- 
zeh nte hindurch vielseitiger aktiver 
Sportler und unternahm bis zu sei- 
ner Erkrankung gerne Bergtouren 
und ausgedehnte Wanderungen. Er 
liebte die Musik und schätzte ins- 
besondere Mozart, Beethoven, Schu- 
bert und Richard Strauss. Franz 
mit 
Jonas war seit dem Jahre 1922 
Neujahrsempfang für das Diplomatische Corps, ob bei den Staatsbanketten, ob bei Besuchen in 
Frau Grete Jonas verh eirat et. 
Ob beim 
Schulen oder Fabriken: Jonas wurde überall für seinen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, sein ehrliches 
staatsmännisches Bemühen geachtet. Ein über das Protokoll hinausgehendes herzliches Verhältnis hatte 
der Bundespräsident zum Doyen des Diplomatischen Corps in der Bundeshauptstadt, Nuntius des aposto- 
lischen Stuhls Dr. Oppilio Rossi (Bild). 
Aus glücklichen Tagen stammt dieses Bild des Bundespräsidenten mit 
Frau Grete Jona s. Die Verbindung blieb ohne Kinder. 
Das Fotografieren (Bild: auf einem Bodenseeschiff in der Bregenzer 
Buc ht) gehörte zu den kreativen Hobbies des Staatsoberhauptes, ebenso 
wie die Schaffung von geschmackvollen Ex-Libris, Blumenzeichnungen 
und Markenentwürfen. 
In ihrer Sprache redete der Bundespräsident mit den Arbeitern. Er leugnete bewußt nie seine Abstam- 
mung aus einer bescheidenen Hilfsarbeiterfamilie und interessierte sich zeitlebens als gelernter Schrift- 
Jonas war die Verwirklichung einer österreichischen Legende: der 
Legende vom fleißigen Menschen, der den ersten Plata im Staate nicht 
erlangt, weil er ihn angestrebt hat, um sich über seine Mitmenschen zu 
erheben, sondern weil er in allen Positionen einer der geraden, fleißi- 
setzer für alle graphischen Probleme und Neuerungen. gen Österreicher geblieben ist. ist.
	        
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