Fremdenverkehr kann Lücke nicht mehr füllen
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Trotz Ausweitung der
Expor te in die Bundesre-
publik Deutschland hat
sich das Handelsbilanzde-
fizit gege nüber dem wich-
tigsten Wirtschaftspartner
Österreichs in Anbetracht
der wesentlich stärker ge-
gangenen Jahr immer
stiegenen Importe im ver-
mehr vergrößert. Der Ein-
fuhrüberschuß machte 5,5
Milliarden DM aus und
konnte durch den Dienst-
leistungsverkehr nur mehr
mit 3,5 Mrd. DM gedeckt
werden. In der für Öster-
bilanz (Dienstleistungen
reich wichtigen Leistungs-
und Warenverkehr) ergab
sich im Vorjahr ein Pas-
sivum von über 1 Mrd.
DM. Auch die beiden er-
sten Monate des heurigen
Jahres brachten eine Fort-
setzung dieses negativen
Exporte nach Österreich
Trends, da die deutschen
um etwa 25 Prozent auf
etwa 1,5 Mrd. DM und die
österreichischen Lieferun-
gen in die BRD nur um 7
Prozent auf 490 Mill. DM
angestiegen sind, somit
eine Zunahme des Handels-
defizits um mehr als 35 °/o.
Union Rh einisch er Handelskammern tagte in Gaschurn
z
rs
Einen Überblick über die Neuheiten auf dem medizinischen Sektor
gab die Internationale Fachmesse für Arzt- und Spitalsbedarf, die
in Zürich in den Hallen der Züspa stattfand. Die Aussteller zeigten
sich mit dem guten Besuch und dem großen Interesse zufrieden.
Neben den Xrzt en informierten sich auch Behörden, Bauämter, Spi-
tal- und Heimverwalter über das umfangreiche Angebot.
Industrie klagt:
Arbeitskosten ex
ieren
Seite 12
JältsCHA
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Samstag, 27. April 1974
Die Union Rheinischer Handels-
kammern werde noch stärker als
bisher Fragen der Infrastruktur-Po-
litik sowie grenzüberschreitende
Problemstellungen erörtern müs-
sen. Das erklärte der Präsident der
Union, Handelskammer-Vizepräsi-
dent Komm.-Rat Walter Rhomberg,
nach der Vorstandssitzung der
Union in Gaschurn. Der Präsident
AK — Die am 1. April in Kraft
getretene Novelle zum Mutterschutz-
gesetz sei erst Mitte dieses Monats
im Bundesgesetzblatt kundgemacht
wurden. Der zur Exekution dieses
Gesetzes nötige Durchführungserlaß
sei dagegen immer noch ausständig.
Das erklärte der Vorsitzende des ,,Ar-
beitskreises der Personalleiter in der
Industriesektion der Vorarlberger
Handelskammer", Erich Brüstle.
Die Industrie-Personalleiter, so
ste llte Br üstle nach einer Sitzung des
Arbeitskreises fest, appellieren des-
halb an den Gesetzgeber,. die ein-
schlägigen Gesetze so zu beschlie-
ßen, damit sie rechtzeitig kundge-
macht werden können. „Dir von mir
zitierte Novelle zum Mutterschutz-
gesetz ist durchaus kein Einzelfall für
eine viel zu spät kundgemachte ge-
setzliche Neuregelung", stellte Brüst-
le im Detail fest. Eine ähnliche Vor-
gangsweise habe sich der Gesetzge-
ber mit der 30. ASVG-Novelle zu-
schulden kommen lassen, die am 1.
der
Jänner 1974 in Kraft getreten, deren Produktionseinheit im Vergleich zum
Vibg. Handelskammer, Komm.-
Rat Richard Gassner, wies in seiner
Begrüßungsansprache darauf hin,
daß Vorarlberg bereits 1949 als
Gründungsmitglied der Union bei-
getreten ist. In alt diesen Jahren
habe sich gezeigt, wie wichtig der
Beitrag der Union zur Verbesserung
der grenzüberschreitenden Zusam-
menarbeit ist.
Gesetzestext aber erst Ende Jänner
den Personalleitern zugänglich ge-
macht worden ist. Auch die Verord-
nung über die Neufestsetzung des
Kilometergel
des sei viel zu spät im
Bundesgesetzblatt veröffentlicht wor-
den.
Die Personalleiter befürchten nun,
daß auch mit dem_ heißdiskutierten
Lohnfortzahlungsgesetz für Arbeiter
eine ähnlich überhastete Vorgangs-
weise gewählt werden wird. Von Re-
gierungsseite sei bereits mehrfach
der Stichtag 1. Juli 1974 als Gel-
tungsbeginn dieses neuen Gesetzes
genannt worden. Da allerdings die
diversen parlamentarischen Hürden
noch lange nicht genommen sind,
dürfte, wenn überhaupt, die Lohn-
fortzahlung erst in allerletzter Se-
kunde beschlossen werden. Die ord-
nungsgemäße K undm achung im
Bundesgesetzblatt werde dagegen
viel zu spät erfolgen. Die im Ar-
beitskreis zusammengefaßten 70 Per-
sonalleiter der Industrie repräsen-
Der Vorstand der Union, so
tieren rund 30.000 Beschäftigte.
Rhomberg im Detail, hatte aus An-
laß des 25jährigen Bestandsjubi-
läums der Rhein-Kammern-Vereini-
gung die neuen Zielsetzungen der
künfti gen Unionsarbeit abgestellt.
Die Mitglieder seien sich darin einig,
daß die Union als überregionale In-
stitution der Wirtschaft die Aufgabe
übernehmen sollte, die existentiellen
Probleme der Unternehmer zu for-
mulieren und entsprechende Lö-
sungsvorschläge an die Regierungen
heranzutragen.
So wollte etwa die Union neben
der nach wie vor wichtigen Schiff-
fahrtspolitik Vorarbeiten für die Er-
stellung einer großräumigen Ver-
kehrsinfrastruktur leisten. Darüber
hinaus will sie aber auch ihre guten
Dienste für eine Verstärkung gr enz-
überschreitender Aktivitäten anbie-
ten, um auf diese Weise in kleinen
Schritten beispielsweise eine Har-
monisierung der Rechtsvorschriften
herbeizuführen, die schließlich für
die europäische Zusammenarbeit auf
wirtschaftlichem Gebiet eine der
grundlegenden Voraussetzungen ist.
In diesem Sinne müßten auch die
Kontakte mit den östlichen Anrainer-
staaten der Donau gewertet wer-
den, stellte Rhomberg fest. Die Re-
präsentanten der Union wollen durch
Direkt-Kontakte mit den Verkehrs-
politikern in den Oststaaten erre i-
chen, daß nach Fertigstellung des
Rhein-Main-Donau-Kanals (1981/82)
die Freiheit der Schiffahrtswege ga-
rantiert ist.
Der Union Rheinischer Handels-
kammern gehören derzeit 82 Mitglie-
der an. Als jüngstes Mitglied wurde
vor einigen Monaten die K ammer
Tirol aufgenommen. Der Zweck der
Union besteht darin, die wirtschaft-
liche Entwicklung der Gebiete, die
im Einzugsgebiet des Rheins liegen,
im
Computerbriefe als neues
weitesten Sinne zu fördern.
Kammer-Service
Wien
(APA) Den Versand von
„Computerbriefen" erprobt zur Zeit
die Bundeswirtschaftskammer. Der
Testbetrieb läuft im Rahmen des
EDV-Informationssystems. Für jede
Mitteilung selektiert der Computer
automatisch die geeigneten Empfän-
Wien (APA)
Noch nie liefen die
Personalkosten in der Industrie der
Produktivität so sehr davon wie im
vergangenenen Jahr. Die Erhöhung
des Arbeitskostenindex 1973 gegen-
über 1972 erreichte die Rekordmarke
von 10,7 Prozent, während die ver-
gleichsweise Steigerung ein Jahr
vorher noch 5,1 Prozent betragen
hatte. Besonderes ins Gewicht fallen
muß aber in diesem Zusammenhang
die Entwicklung des letzten Quartals
1973, in dem die Arbeitskosten je
ger.
Selektionskriterien sind die von
4800 österreichischen Außenhandels-
firmen selbst gemeldeten Date n. Die
Firmen melden ihre Exportprodukte,
bevorzugte Absatzmärkte, jährliche
Auftragskapazität usw. Derzeit sind
rund 23.000 Warenbezeichnungen ge-
speichert. Seit Beginn 1974 ver-
sandte die Bundeskammer bereite .,
16 derartige Computerbriefe.
Vorjahr den Rekordzuwachs von 20,4
Prozent erfahren mußten. Damit lie-
gen die Arbeitskosten weit über der
Zunahme der Industrieproduktion
im Jahre 1973, die rund 5 Prozent
betrug. Auch die Inflationsrate des
abgelaufenen Jahres wird von diesen
Ergebnissen übertroffen. Besonders
bedrohlich ist diese Erhöhung der
Arbeitskosten auch deshalb, weil sie
zeitlich mit der weltweiten Rohstoff-
hausse zusammenfiel, deren Ende
trotz leichten Ansatzweisen Beruhi-
gungstendenzen noch nicht anzusehen
Industrie-Personalleiter unzufrieden
ist.
Gesetze mit Verspätung
Die Ölkrise gehört der Vergan- fand
genheit an. Sel bst der Zorn über
die ungerechtfertigt hohen Ben-
zinpreise ist fast verraucht. Für die
durch Krisen-Schlagzeilen vor-
üb ergehend aus ihrer Ruhe geris-
senen Bürger ist die Welt wieder
in Ordnung.
Ist sie das wirklich? Die Roh-
stoff-Konferenz der UNO in New
York lehrt das Gegenteil. Noch
Von Hans Henning Scharsach
nie war die Zukunft unserer wirt-
schaftlichen Entwicklung so un-
gewiß wie jetzt. Die spektaku-
läre Ölverknappung war nur die
sichtbare Spitze eines Eisberges.
Die eigentlichen Gefahren
aber
blieben der Öffentlichkeit bisher
weitgehend verborgen.
Die lange Jahre so problem-
lose Versorgung der Industrie-
staaten mit Rohstoffen scheint mit
einem Male in Frage gestellt. Hier
rächen sich die Fehler der' Ver-
gangenheit. Anstatt durch schritt-
weise Erhöhung der Rohstoff-
kontinuierlichen Umverteilungs-
pre ise einen langfristigen und
prozeß zugunsten der Rohstoff-
länder einzuleiten, setzten die In-
dustriestaaten ihre wirtschaftliche
Macht dafür ein, die Rohstoff-
preise niedrig zu halten. Anstatt
den Rohstoffländern die Entwick-
lung zu selbständigen Wirtschafts-
partnern zu erleichtern, sah man
sie lieber in der Rolle der Almo-
senempfänger und veröffentlichte
stolze Statistiken: „Seht her, was
wir alles für die Entwicklungshilfe
tun!"
Diese Politik ist ins Auge ge-
gangen. Vorerst führte sie zu
volkswirtschaftlichen Fehlentwick-
lungen: Die Rohstoffländer wur-
den durch die Preispolitik der
mächtigen Abnehmerländer ge-
radezu gezwungen, sich selbst an
die Verarbeitung ihrer Produkte
heranzuwagen. Die Industriestaa-
ten spielten auch hier die „groß-
zügigen Helfer". Anstatt den Roh-
stoffländern gerechte Preise für
ihre Produkte zu
zahlen,
lieferten
sie Industrieanlagen, die in Län-
kaum jemals Chancen hatten, die
dern ohne geschulte Arbeitskräfte
in sie gesetzten Erwartungen zu
erfüllen. Es kam wie
es
kommen
mußte.
Die meisten der ehr gei-
zigen Industrialisierungsprojekte
scheiterten und mit jedem Fehl-
schlag wurde das Feuer der Un-
zufriedenheit geschürt. Der Auf-
gegen
stand der Armen
die Über-
macht der Reichen war nur noch
eine Frage der
Zeit.
Er geschah
an v ielen Fronten gleichzeitig.
Metalle, Baumwolle, Wolle, Tro-
penhölzer, Nahrungsmittel, alles
wurde plötzlich teurer. Die Roh-
stoffländer hatten erkannt, daß
die Industrieländer freiwillig meist
nur jene Hilfe anboten, die
ihnen selbst half.
In den Industriestaaten aber
schien man noch nichts zu be-
merken. Da begann alles erst mit
der Ölkrise. Die anfängliche Un-
sicherheit der Ölscheichs, die be-
reits einmal vergeblich versucht
hatten, wirtschaftliche Macht als
politisches Druckmittel auszuspie-
len, wurde durch den Fanatismus
des Nahost-Krieges über lag ert.
Vielleicht ist es nur diesem Fana-
tismus zuzuschreiben, daß der Öl-
putsch so perfekt gelang.
Die Folgen der Ölkrise gingen
jedenfalls weit über die von den
Erzeugerländern angestrebten Zie-
le hinaus. Der wegen seiner wirt-
schaftlichen Übermacht lange Jah-
re so gefürchtete Gegn er erwies
sich als überraschend verwund-
bar. Die USA handel ten auf
eigene Faust, und die Wirt-
schaftsmacht Europa' zerfiel, be-
Frankreichs, in Einzelstaaten, die
sonders wegen des eigenwilligen
mit ihrer „Rette-sich-wer-kann-
Politik" ihre letzten Trümpfe aus
der Hand gaben.
Die Rohstoffländer setzten in
immer kür zer werdenden Abstän-
den ihre Preise hinauf, ha tten da-
mit aber noch nicht genu g.
Boumedienne sprach es als erster
aus: „Wir fordern die Nationali-
sierung sämtlicher Rohstoffvor- •
kommen."
Dieser Ruf nach Verstaatlichung
jedoch
' auch im Lager , der
Entwicklungsländer geteilte Auf-
nahme. Denn nicht alle von ihnen
verfügen über Rohstoffe. Für sie
bedeutet die Verstaatlichung. der
Rohstoffvorkommen
eine
er nste
Gefahr. Sie sind mit oder ohne
Rohstoff-Preissteigerungen
auf
Entwicklungshilfe angewiesen und
hier scheinen ihnen die Industrie-
länder doch die verläßlicheren
Partner und Zahler zu sein als
ihre Kollegen, mit denen sie
noch
vor kurzem gemeinsame Front
gegen die „b ösen Ausbeuter"' ge-
macht hatten.'
'
' '
Aber auch unter den Indu-
strieländern herrscht keine Einig-
keit mehr. Zu verschieden sind
die einzelnen Interessen. Die USA
beispielsweise sind nicht nur die
größte Industriemacht der Welt,
sie sind auch der größte Rohstoff-
erzeuger. Völli g a nders ist die
Situation dagegen in Japan, des-
sen' kometenhafter Aufschwung
zur Wirtschaftsweltmacht drei Ur-
sachen hatte: Den unterbewerte-
ten Yen, der japanische Produkte
ligte, ein niedriges Lohnniveau
am Weltmarkt künstlich verbil-
und billige Importrohstoffe. Japan
hat innerhalb kürzester Zeit alle
drei Vorteile eingebüßt und ist
damit in einer völlig anderen Si-
tuation, als beispielsweise die nur
wenig gefährdeten USA.
Ein geradezu jämmerliches Bild
aber bietet Europa in dieser Roh-
stoff-Auseinandersetzung. Da ist
nichts mehr von jener Einigkeit,.
die Europa nicht nur wirtschaft-
lich, sondern auch politisch zum
gleichberechtigten Partner • der
Großmächte machen sollte. Da
hocht längst jeder sein eigenes
Süppchen, da lud sich jedes Land
s einen „Lieblings-Ölscheich" auf
Besuch ein, da wurden auß en-
politische Erklärungen abgegeben,
die mit allen Traditionen brachen, •
da wur den neue Botschaften er-
richtet, weil man der plötzlich
ausgebrochenen Freundschaft de-
monstrativ Ausdruck verleihen
vie-
wollte und da geschah noch
les,
noch
das sich nur
mit dem
rechtfertigen
Zweck
‚läßt, der ja
bekanntlich die ittel heiligt.
Und jetzt tagt die Rohstoff-
Konferenz. Boumedienne redet
von Verstaatlichung und Verkaufs-'
kartellen, die Sprache der Indu-
striestaaten von „sinnvoller, lang-
fristigerZusammenarbeit" und die
echten Entwicklungsländer haben
Angst, bei dieser Auseinanderset-
zung als die echten
Verlierer auf
der Strecke zu bleiben.
Die akute Ölkrise ist vorbei.
Aber ob die Welt damit wirklich
wieder in Ordnung kommt,
scheint ungewisser denn
Nach der Ölkrise
je.
Ist Set t ie Welt
wie rin Ordnung? Ordnung?