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Full text: Vorarlberger Nachrichten 1974 Q2 (1974)

Fremdenverkehr kann Lücke nicht mehr füllen 
0 
hitt 1 
I S 
Trotz Ausweitung der 
Expor te in die Bundesre- 
publik Deutschland hat 
sich das Handelsbilanzde- 
fizit gege nüber dem wich- 
tigsten Wirtschaftspartner 
Österreichs in Anbetracht 
der wesentlich stärker ge- 
gangenen Jahr immer 
stiegenen Importe im ver- 
mehr vergrößert. Der Ein- 
fuhrüberschuß machte 5,5 
Milliarden DM aus und 
konnte durch den Dienst- 
leistungsverkehr nur mehr 
mit 3,5 Mrd. DM gedeckt 
werden. In der für Öster- 
bilanz (Dienstleistungen 
reich wichtigen Leistungs- 
und Warenverkehr) ergab 
sich im Vorjahr ein Pas- 
sivum von über 1 Mrd. 
DM. Auch die beiden er- 
sten Monate des heurigen 
Jahres brachten eine Fort- 
setzung dieses negativen 
Exporte nach Österreich 
Trends, da die deutschen 
um etwa 25 Prozent auf 
etwa 1,5 Mrd. DM und die 
österreichischen Lieferun- 
gen in die BRD nur um 7 
Prozent auf 490 Mill. DM 
angestiegen sind, somit 
eine Zunahme des Handels- 
defizits um mehr als 35 °/o. 
Union Rh einisch er Handelskammern tagte in Gaschurn 
z 
rs 
Einen Überblick über die Neuheiten auf dem medizinischen Sektor 
gab die Internationale Fachmesse für Arzt- und Spitalsbedarf, die 
in Zürich in den Hallen der Züspa stattfand. Die Aussteller zeigten 
sich mit dem guten Besuch und dem großen Interesse zufrieden. 
Neben den Xrzt en informierten sich auch Behörden, Bauämter, Spi- 
tal- und Heimverwalter über das umfangreiche Angebot. 
Industrie klagt:   
Arbeitskosten ex 
ieren 
Seite 12 
      
JältsCHA 
  
1 
Samstag, 27. April 1974 
      
    
Die Union Rheinischer Handels- 
kammern werde noch stärker als 
bisher Fragen der Infrastruktur-Po- 
litik sowie grenzüberschreitende 
Problemstellungen erörtern müs- 
sen. Das erklärte der Präsident der 
Union, Handelskammer-Vizepräsi- 
dent Komm.-Rat Walter Rhomberg, 
nach der Vorstandssitzung der 
Union in Gaschurn. Der Präsident 
AK — Die am 1. April in Kraft 
getretene Novelle zum Mutterschutz- 
gesetz sei erst Mitte dieses Monats 
im Bundesgesetzblatt kundgemacht 
wurden. Der zur Exekution dieses 
Gesetzes nötige Durchführungserlaß 
sei dagegen immer noch ausständig. 
Das erklärte der Vorsitzende des ,,Ar- 
beitskreises der Personalleiter in der 
Industriesektion der Vorarlberger 
Handelskammer", Erich Brüstle. 
Die Industrie-Personalleiter, so 
ste llte Br üstle nach einer Sitzung des 
Arbeitskreises fest, appellieren des- 
halb an den Gesetzgeber,. die ein- 
schlägigen Gesetze so zu beschlie- 
ßen, damit sie rechtzeitig kundge- 
macht werden können. „Dir von mir 
zitierte Novelle zum Mutterschutz- 
gesetz ist durchaus kein Einzelfall für 
eine viel zu spät kundgemachte ge- 
setzliche Neuregelung", stellte Brüst- 
le im Detail fest. Eine ähnliche Vor- 
gangsweise habe sich der Gesetzge- 
ber mit der 30. ASVG-Novelle zu- 
schulden kommen lassen, die am 1. 
 der 
Jänner 1974 in Kraft getreten, deren Produktionseinheit im Vergleich zum 
Vibg. Handelskammer, Komm.- 
Rat Richard Gassner, wies in seiner 
Begrüßungsansprache darauf hin, 
daß Vorarlberg bereits 1949 als 
Gründungsmitglied der Union bei- 
getreten ist. In alt diesen Jahren 
habe sich gezeigt, wie wichtig der 
Beitrag der Union zur Verbesserung 
der grenzüberschreitenden Zusam- 
menarbeit ist. 
Gesetzestext aber erst Ende Jänner 
den Personalleitern zugänglich ge- 
macht worden ist. Auch die Verord- 
nung über die Neufestsetzung des 
Kilometergel 
des sei viel zu spät im 
Bundesgesetzblatt veröffentlicht wor- 
den. 
Die Personalleiter befürchten nun, 
daß auch mit dem_ heißdiskutierten 
Lohnfortzahlungsgesetz für Arbeiter 
eine ähnlich überhastete Vorgangs- 
weise gewählt werden wird. Von Re- 
gierungsseite sei bereits mehrfach 
der Stichtag 1. Juli 1974 als Gel- 
tungsbeginn dieses neuen Gesetzes 
genannt worden. Da allerdings die 
diversen parlamentarischen Hürden 
noch lange nicht genommen sind, 
dürfte, wenn überhaupt, die Lohn- 
fortzahlung erst in allerletzter Se- 
kunde beschlossen werden. Die ord- 
nungsgemäße K undm achung im 
Bundesgesetzblatt werde dagegen 
viel zu spät erfolgen. Die im Ar- 
beitskreis zusammengefaßten 70 Per- 
sonalleiter der Industrie repräsen- 
Der Vorstand der Union, so 
tieren rund 30.000 Beschäftigte. 
Rhomberg im Detail, hatte aus An- 
laß des 25jährigen Bestandsjubi- 
läums der Rhein-Kammern-Vereini- 
gung die neuen Zielsetzungen der 
künfti gen Unionsarbeit abgestellt. 
Die Mitglieder seien sich darin einig, 
daß die Union als überregionale In- 
stitution der Wirtschaft die Aufgabe 
übernehmen sollte, die existentiellen 
Probleme der Unternehmer zu for- 
mulieren und entsprechende Lö- 
sungsvorschläge an die Regierungen 
heranzutragen. 
So wollte etwa die Union neben 
der nach wie vor wichtigen Schiff- 
fahrtspolitik Vorarbeiten für die Er- 
stellung einer großräumigen Ver- 
kehrsinfrastruktur leisten. Darüber 
hinaus will sie aber auch ihre guten 
Dienste für eine Verstärkung gr enz- 
überschreitender Aktivitäten anbie- 
ten, um auf diese Weise in kleinen 
Schritten beispielsweise eine Har- 
monisierung der Rechtsvorschriften 
herbeizuführen, die schließlich für 
die europäische Zusammenarbeit auf 
wirtschaftlichem Gebiet eine der 
grundlegenden Voraussetzungen ist. 
In diesem Sinne müßten auch die 
Kontakte mit den östlichen Anrainer- 
staaten der Donau gewertet wer- 
den, stellte Rhomberg fest. Die Re- 
präsentanten der Union wollen durch 
Direkt-Kontakte mit den Verkehrs- 
politikern in den Oststaaten erre i- 
chen, daß nach Fertigstellung des 
Rhein-Main-Donau-Kanals (1981/82) 
die Freiheit der Schiffahrtswege ga- 
rantiert ist. 
Der Union Rheinischer Handels- 
kammern gehören derzeit 82 Mitglie- 
der an. Als jüngstes Mitglied wurde 
vor einigen Monaten die K ammer 
Tirol aufgenommen. Der Zweck der 
Union besteht darin, die wirtschaft- 
liche Entwicklung der Gebiete, die 
im Einzugsgebiet des Rheins liegen, 
im 
Computerbriefe als neues 
weitesten Sinne zu fördern. 
Kammer-Service 
Wien 
(APA) Den Versand von 
„Computerbriefen" erprobt zur Zeit 
die Bundeswirtschaftskammer. Der 
Testbetrieb läuft im Rahmen des 
EDV-Informationssystems. Für jede 
Mitteilung selektiert der Computer 
automatisch die geeigneten Empfän- 
Wien (APA) 
Noch nie liefen die 
Personalkosten in der Industrie der 
Produktivität so sehr davon wie im 
vergangenenen Jahr. Die Erhöhung 
des Arbeitskostenindex 1973 gegen- 
über 1972 erreichte die Rekordmarke 
von 10,7 Prozent, während die ver- 
gleichsweise Steigerung ein Jahr 
vorher noch 5,1 Prozent betragen 
hatte. Besonderes ins Gewicht fallen 
muß aber in diesem Zusammenhang 
die Entwicklung des letzten Quartals 
1973, in dem die Arbeitskosten je 
 ger. 
Selektionskriterien sind die von 
4800 österreichischen Außenhandels- 
firmen selbst gemeldeten Date n. Die 
Firmen melden ihre Exportprodukte, 
bevorzugte Absatzmärkte, jährliche 
Auftragskapazität usw. Derzeit sind 
rund 23.000 Warenbezeichnungen ge- 
speichert. Seit Beginn 1974 ver- 
sandte die Bundeskammer bereite ., 
16 derartige Computerbriefe. 
Vorjahr den Rekordzuwachs von 20,4 
Prozent erfahren mußten. Damit lie- 
gen die Arbeitskosten weit über der 
Zunahme der Industrieproduktion 
im Jahre 1973, die rund 5 Prozent 
betrug. Auch die Inflationsrate des 
abgelaufenen Jahres wird von diesen 
Ergebnissen übertroffen. Besonders 
bedrohlich ist diese Erhöhung der 
Arbeitskosten auch deshalb, weil sie 
zeitlich mit der weltweiten Rohstoff- 
hausse zusammenfiel, deren Ende 
trotz leichten Ansatzweisen Beruhi- 
gungstendenzen noch nicht anzusehen 
Industrie-Personalleiter unzufrieden 
ist. 
Gesetze mit Verspätung 
Die Ölkrise gehört der Vergan- fand 
genheit an. Sel bst der Zorn über 
die ungerechtfertigt hohen Ben- 
zinpreise ist fast verraucht. Für die 
durch Krisen-Schlagzeilen vor- 
üb ergehend aus ihrer Ruhe geris- 
senen Bürger ist die Welt wieder 
in Ordnung. 
Ist sie das wirklich? Die Roh- 
stoff-Konferenz der UNO in New 
York lehrt das Gegenteil. Noch 
Von Hans Henning Scharsach 
nie war die Zukunft unserer wirt- 
schaftlichen Entwicklung so un- 
gewiß wie jetzt. Die spektaku- 
läre Ölverknappung war nur die 
sichtbare Spitze eines Eisberges. 
Die eigentlichen Gefahren 
aber 
blieben der Öffentlichkeit bisher 
weitgehend verborgen. 
Die lange Jahre so problem- 
lose Versorgung der Industrie- 
staaten mit Rohstoffen scheint mit 
einem Male in Frage gestellt. Hier 
rächen sich die Fehler der' Ver- 
gangenheit. Anstatt durch schritt- 
weise Erhöhung der Rohstoff- 
kontinuierlichen Umverteilungs- 
pre ise einen langfristigen und 
prozeß zugunsten der Rohstoff- 
länder einzuleiten, setzten die In- 
dustriestaaten ihre wirtschaftliche 
Macht dafür ein, die Rohstoff- 
preise niedrig zu halten. Anstatt 
den Rohstoffländern die Entwick- 
lung zu selbständigen Wirtschafts- 
partnern zu erleichtern, sah man 
sie lieber in der Rolle der Almo- 
senempfänger und veröffentlichte 
stolze Statistiken: „Seht her, was 
wir alles für die Entwicklungshilfe 
tun!" 
Diese Politik ist ins Auge ge- 
gangen. Vorerst führte sie zu 
volkswirtschaftlichen Fehlentwick- 
lungen: Die Rohstoffländer wur- 
den durch die Preispolitik der 
mächtigen Abnehmerländer ge- 
radezu gezwungen, sich selbst an 
die Verarbeitung ihrer Produkte 
heranzuwagen. Die Industriestaa- 
ten spielten auch hier die „groß- 
zügigen Helfer". Anstatt den Roh- 
stoffländern gerechte Preise für 
ihre Produkte zu 
zahlen, 
lieferten 
sie Industrieanlagen, die in Län- 
kaum jemals Chancen hatten, die 
dern ohne geschulte Arbeitskräfte 
in sie gesetzten Erwartungen zu 
erfüllen. Es kam wie 
es 
kommen 
mußte. 
Die meisten der ehr gei- 
zigen Industrialisierungsprojekte 
scheiterten und mit jedem Fehl- 
schlag wurde das Feuer der Un- 
zufriedenheit geschürt. Der Auf- 
gegen 
stand der Armen 
die Über- 
macht der Reichen war nur noch 
eine Frage der 
Zeit. 
Er geschah 
an v ielen Fronten gleichzeitig. 
Metalle, Baumwolle, Wolle, Tro- 
penhölzer, Nahrungsmittel, alles 
wurde plötzlich teurer. Die Roh- 
stoffländer hatten erkannt, daß 
die Industrieländer freiwillig meist 
nur jene Hilfe anboten, die 
ihnen selbst half. 
In den Industriestaaten aber 
schien man noch nichts zu be- 
merken. Da begann alles erst mit 
der Ölkrise. Die anfängliche Un- 
sicherheit der Ölscheichs, die be- 
reits einmal vergeblich versucht 
hatten, wirtschaftliche Macht als 
politisches Druckmittel auszuspie- 
len, wurde durch den Fanatismus 
des Nahost-Krieges über lag ert. 
Vielleicht ist es nur diesem Fana- 
tismus zuzuschreiben, daß der Öl- 
putsch so perfekt gelang. 
Die Folgen der Ölkrise gingen 
jedenfalls weit über die von den 
Erzeugerländern angestrebten Zie- 
le hinaus. Der wegen seiner wirt- 
schaftlichen Übermacht lange Jah- 
re so gefürchtete Gegn er erwies 
sich als überraschend verwund- 
bar. Die USA handel ten auf 
eigene Faust, und die Wirt- 
schaftsmacht Europa' zerfiel, be- 
Frankreichs, in Einzelstaaten, die 
sonders wegen des eigenwilligen 
mit ihrer „Rette-sich-wer-kann- 
Politik" ihre letzten Trümpfe aus 
der Hand gaben. 
Die Rohstoffländer setzten in 
immer kür zer werdenden Abstän- 
den ihre Preise hinauf, ha tten da- 
mit aber noch nicht genu g. 
Boumedienne sprach es als erster 
aus: „Wir fordern die Nationali- 
sierung sämtlicher Rohstoffvor- • 
kommen." 
Dieser Ruf nach Verstaatlichung 
	jedoch 
' auch im Lager , der 
Entwicklungsländer geteilte Auf- 
nahme. Denn nicht alle von ihnen 
verfügen über Rohstoffe. Für sie 
bedeutet die Verstaatlichung. der 
Rohstoffvorkommen 
eine 
er nste 
Gefahr. Sie sind mit oder ohne 
Rohstoff-Preissteigerungen 
	auf 
Entwicklungshilfe angewiesen und 
hier scheinen ihnen die Industrie- 
länder doch die verläßlicheren 
Partner und Zahler zu sein als 
ihre Kollegen, mit denen sie 
noch 
vor kurzem gemeinsame Front 
gegen die „b ösen Ausbeuter"' ge- 
macht hatten.' 
	' 
' ' 
Aber auch unter den Indu- 
strieländern herrscht keine Einig- 
keit mehr. Zu verschieden sind 
die einzelnen Interessen. Die USA 
beispielsweise sind nicht nur die 
größte Industriemacht der Welt, 
sie sind auch der größte Rohstoff- 
erzeuger. Völli g a nders ist die 
Situation dagegen in Japan, des- 
sen' kometenhafter Aufschwung 
zur Wirtschaftsweltmacht drei Ur- 
sachen hatte: Den unterbewerte- 
ten Yen, der japanische Produkte 
ligte, ein niedriges Lohnniveau 
am Weltmarkt künstlich verbil- 
und billige Importrohstoffe. Japan 
hat innerhalb kürzester Zeit alle 
drei Vorteile eingebüßt und ist 
damit in einer völlig anderen Si- 
tuation, als beispielsweise die nur 
wenig gefährdeten USA. 
Ein geradezu jämmerliches Bild 
aber bietet Europa in dieser Roh- 
stoff-Auseinandersetzung. Da ist 
nichts mehr von jener Einigkeit,. 
  
die Europa nicht nur wirtschaft- 
lich, sondern auch politisch zum 
gleichberechtigten Partner • der 
Großmächte machen sollte. Da 
hocht längst jeder sein eigenes 
Süppchen, da lud sich jedes Land 
s einen „Lieblings-Ölscheich" auf 
Besuch ein, da wurden auß en- 
politische Erklärungen abgegeben, 
die mit allen Traditionen brachen, • 
da wur den neue Botschaften er- 
richtet, weil man der plötzlich 
ausgebrochenen Freundschaft de- 
monstrativ Ausdruck verleihen 
vie- 
wollte und da geschah noch 
les, 
noch 
das sich nur 
mit dem 
rechtfertigen 
Zweck 
‚läßt, der ja 
bekanntlich die ittel heiligt. 
Und jetzt tagt die Rohstoff- 
Konferenz. Boumedienne redet 
von Verstaatlichung und Verkaufs-' 
kartellen, die Sprache der Indu- 
striestaaten von „sinnvoller, lang- 
fristigerZusammenarbeit" und die 
echten Entwicklungsländer haben 
Angst, bei dieser Auseinanderset- 
zung als die echten 
Verlierer auf 
der Strecke zu bleiben. 
Die akute Ölkrise ist vorbei. 
Aber ob die Welt damit wirklich 
wieder in Ordnung kommt, 
scheint ungewisser denn 
Nach der Ölkrise 
je. 
Ist Set t ie Welt 
wie rin Ordnung? Ordnung?
	        
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