haus
Jui
Graf
in eldkirch eröffnet
Feldkirch hat seit einigen Wochen ein Jugendhaus, eine Stätte
der Begegnung junger Menschen im Alter ab 15 Jahren. Träger-
verein ist die Katholische Jugend Vorarlbergs, verantwortlich für
die Arbeit im Jugendhaus ein Team junger Männer und Frauen,
in der Mehrzahl Studierende der Pädagogischen Akademie des
Bundes in Feldkirch. Das Jugendhaus befindet sich im ehemaligen
Gasthof „Zur Krone" im Kehr, einem malerischen Bau mit Giebel
und Fachwerk. Der Zugang zum Jugendhaus erfolgt vom Graf-
Hugo-Wuhrgang. Das Haus ist dreimal wöchentlich (Dienstag und
Freitag von 18-22 Uhr und sonntags ab 15 Uhr) geöffnet. Am
Dienstag und Sonntag ist „offener Treffpunkt", am Freitag wird ab
20 Uhr ein Programm (Lyrik, Musik, Film, Diskussion, Werkarbeit
etc.) angeboten. Die Stadt Feldkirch unterstützt das Vorhaben finan-
ziell, Firmen aus Feldk irch und Ran kweil haben durch namhafte
r.
Sachspenden die Ausstattung der Räume ermöglicht.
i.
Copyright: Rex Verlag.
8
NOndien, vertreten durch:
Montag, 29. April 1974
Herzog-Verleg, Tübingen
Seite 6
4
,1.1Afirif
FAMILIENCHRONIK
Zum Gedenken
Hittisau. Zweimal verkündete die
Totenglocke in der vergangenen Wo-
che das Ableben von Mitbürgern. Am
Sonntag verschied Frl. Frieda Nen-
ning (Küfers) nach langem, schwerem
Leiden im Altersheim. Geboren 1891
in Hittisau, verlor sie schon früh ihre
Eltern und wurde im Hause der
verwandten Familie des Küfers Josef
Bader, Rain, aufgenommen, wo sie
auch ihre Jugendjahre verbrachte.
Der Schule entwachsen, weilte sie
viele Jahrzehnte meist in der
Schweiz, wo sie in häuslichen Dien-
sten als tüchtige Kraft sehr geschätzt
und geachtet wurde. In späteren Jah-
ren ke hrte sie nach Hittisau zurück
und fand im Altersheim Aufnahme,
blieb aber immer mit der Familie
ihrer einstigen Pflegeeltern verbun-
den. Mit Frieda Nenning ist eine
fleißige, friedfertige Mitbürgerin ge-
storben. — Zwei Tage später starb
plötzlich Josef Bartenstein in Win-
dem, langjähriger Mesner von Lin-
genau. Der Verstorbene wurde 1898
in Lingenau geboren und wuchs dort
in bescheidenen Verhältnissen auf.
Herangewachsen, arbeitete er in ver-
schiedenen Bauernfamilien und ge-
noß bei allen Dienstgebern wegen
seines Fleißes und seiner Tüchtigkeit
besonderes Vertrauen. Infolge sei ner
allmählich angegriffenen Gesundheit
war er gezwungen, sich um eine
leichtere Tätigkeit umzusehen. So
übernahm er nach 1945 das Amt des
Mes ners in der Pfa rrkirch e Lingen-
au, das er fast zwei Jahrzehnte ge-
wissenhaft, pflichtgetreu und in tief-
religiöser Haltung zur Zufriedenheit
seiner Pfarrherrn und der ganzen
Pfarrgemeinde ausübte. Der Ver-
storbene lebte in glücklicher Ehe mit
Maria geb. Kohler aus Hittisau, die
ihm eine gute Gattin und Mutter
der drei Kinder war. Durch Fleiß
und Sparsamkeit konnte die Familie
in Hittisau-Windern ein Haus er-
werben, wo sie sich nach der Pen-
sionierung des Verstorbenen nieder-
ließ.
Den beiden Toten erwiesen zahl-
reiche Trauergäste die letzte Ehre.
Pfarrer Huber vollzog die kirchlichen
Handlungen und Pfarrer Österle von
Lingenau würdigte in seinem Nach-
ruf in der Kirche die Verdienste
des Josef Bartenstein als getreuen
Arbeiter und Mesner seiner Pfarrei.
Passionsspiel
vor 250 Jahren
Mittelberg. Vor 250 Jahren, am
27. März 1724, führten die Kleinwal-
sertaler in Mittelberg-Kirchplatz zu-
folge eines Gelübdes erstmals die
„Heilige Passi on" auf. Unter den 86
Mitwirkenden war ein Michael
Drexel der Christusdarsteller. Die
Darstellung des Lei dens Christi wur-
de am Mittwoch in der Karwoche
und der „Kreuzgang", die Passions-
prozession, am Gründonnerstag vor-
mittags durchgeführt. Die Auffüh-
rungen sollen sehr erbaulich gewe-
sen sein und viele Zuschauer aus
dem benachbarten Tannberg und
Bregenzerwald angelockt haben. Die
Chroniken bestätigen, daß dieses Pas-
sionsgeschehen dreiundsechzigmal bis
1806 gehalten wurde, dann aber be-
hördlich untersagt worden sei. Es ist
sionsspiel, wie uns Manuskript,
sehr bedauerlich, daß dieses Pas-
Kostümschilderung und Zugseintei-
lung verraten, sehr sinnvoll gestaltet,
dem damaligen bayerischen Regime
zum Opfer gefallen ist! Kö
Sehr agile Gruppe
Dornbirn. Die Trachtengruppe
„Alt-Dornbirn" traf sich im Gast-
haus „Gr üner Baum" zur Jahres-
hauptversammlung. Reichhaltig war
der Bericht des Obmannes Norbert
Winkler, der auf 21 Tanzproben, 5
Ausschußsitzungen, ferner auf die
Mitwirkung bei neun Gästeabenden,
einem Heimatabend im „Vorarlber-
ger Hof" und zwei Auftritte währe nd
der Dornbirner Messe hinwies. Der
Geselligkeit dienten zwei Abende
mit Kegeln und Jassen, sowie ein
Auflug nach Wurzach (Deutschland).
Die Neuwahlen erbrachten fol-
gendes Ergebnis: Obmann durch
Wiederwahl Norbert Winkler, Vor-
tänzer sind Karl und Karin Jochum,
Schriftführer Manfred Köb, Kassier
Willi Heiß und Chronist Ursula
Knothe. Die Trachtenmitglieder und
der Ausschuß dankten Norbert
Winkler, der seine Tätigkeit als Vor-
stand zum Wohle der Trachtengrup-
pe erneut übernommen hat. Die
Trachtengruppe „Alt-Dornbirn" hat
ihre Probentätigkeit wieder aufge-
nommen und lädt dazu tanzfreudige
Mädchen, Burschen und Ehepaare
recht herzlich ein.
Pensionisten-Treffen
Götzis. Es gibt doch viele Frauen
und Männer, die im Pensionisten-
alter keinen oder nur mangelhaften
Kontakt habe n. Von einer kleinen
Gruppe kam der Gedanke, durch
Veranstaltung von geselligen Nach-
mittagen etwas für die Pensionisten
zu tun. So wurden dann am Don-
nerstag, 18. April, alle Götzner Pen-
sionisten ins Gasthaus zum M ontfort
eingeladen. Zur Freude und Überra-
schung aller konnten die Initiatoren
44 Frauen und Männer begrüßen.
In einer kurzen Erklärung wurde
auf den Sinn und Zweck dies er ge-
planten Pensionisten-Nachmittage,
die weder vereinsmäßig, noch poli-
tisch, noch kirchlich, sondern auf
freier, loser Basis geführt werd en
sollen, hingewiesen. Eine durchge-
führte Abstimmung ergab die ein-
hellige Befürwortung solcher Nach-
mittage durch die Anwesenden. Im
weiteren Verlauf wurde beschlos-
sen, diese Pensionisten-Nachmittage
alle 14 Tage, und zwar jeweils am
1. und 3. Donnerstag jeden Monats,
erstmals am 2. Mai, vollkommen
zwanglos durchzuführen. Anregun-
gen und Wünsche für die weitere
Gestaltung der Nachmittage sollen
aus dem Pensionistenkreis selbst
komm en.
Tod eines Südtirolers
Rankweil. Vor kurzem verschied
der Säger Florian Tröbinger. Der
Verstorbene wurde in Kastelruth in
Südtirol geboren. Im Zuge der Süd-
tiroler-Umsiedlung kam er mit sei-
ner Fa milie nach Rankweil und seit
1942 war er hier ansäßig. Der Ver-
storbene war mit Maria geb. Wörnd-
le, ebenfalls aus der gleichen Ge-
meinde stammend, verheiratet. Einen
schweren Schicksalsschlag erfuhren
Jahre 1943, als eine Tochter bei
die Eheleute und Geschwister im
einem Bombenangriff auf Feldkirch
ums Leben kam. Der Verstorbene
war ein ruhiger, bescheidener
Mensch, der stets seine Berufs- und
Familienpflichten rechtschaffen
wahrgenommen hat.
Pläne der Gemeinde
Gisingen. In den vergangenen Ta-
gen hatte Ortsvorsteher Dir. Karl
Allgäuer die Bevölkerung zu einem
Sprechabend in den Büchelsaal ge-
laden. Rund 150 Besucher zeigten ihr
Interesse an der Allgemeinheit und
nützten diese Gelegenheit, um über
die verschiedenen Probleme infor-
miert zu werden.
Einleitend referierte Bürgermei-
ster Dr. Heinz Bilz über die einzel-
nen Bereiche, die die Bewohner der
Stadtgemeinde Feldk irch betreffen.
Die Besucher erhielten so aus beru-
fenem Munde Einblick in die teils
schon durchgeführten, teils noch zu
erledigenden Vorhaben der Gemein-
de. In der folgenden Diskussion wur-
den in sachlicher Form Anregungen
und Wünsche vorgebracht, die vor
allem den Raum Gisingen betrafen.
Hauptgesprächsstoff war einmal
mehr die Mülldeponie in den Rütte-
Straßenverbesserungen
nen sowie die künftige Abwässer-
regelung.
und die Beleuchtung waren weitere
Themen, die angeschnitten und vom
Bürgermeister beantwortet wurden.
!WIR GRATULIEREN
Hard. Das 70. Lebensjahr vollen-
det heute Fritz Laure, Südtiroler
Platz.
Höchst. Ferdinand Schneider,
Sonnengarten 133, vollendet heute
das 72. Lebensjahr.
Gaißau. Die älteste Einwohnerin
der Gemeinde, Frau Mina Hatz, voll-
endet heute das 91. Lebensjahr.
Lustenau. Frau Katharina Mar-
quart, Stiftergasse 12, vollendet heu-
te das 78. und Frau Maria Wunder-
lich, Roseggerstraße 4, das-75._Le-
bensj ahr.
Götzis. Das 70. Lebensjahr voll-
endet heute Frau Karolina Gisinger,
Hauptstraße.
Klaus. Heute wird Frau Hermina
Summer, HNr. 130, 74 Jahre alt.
Tosters. Die Vollendung des 70.
Lebensjahres feiert heute Franz
Muigg, Montikelweg 11.
Gisingen. Anton Bück, Runastra-
jahr, Eugen Sausgrub er, Kapfstraße,
ße, vollendet heute das 72. Lebens-
wird 71 Jahre alt.
Bludenz. Das 70. Lebensjahr voll-
enden heute Viktor Alber, Beim
Kreuz 4, und Joh ann Manah l, Su..
chardstraße 43.
Heute vermählen sich Helmut Pe-
ter, Unterer Illrain, und Margit See-
berger, Obdorfweg.
Veranstaltungen -Treffpunkte 1
Bregenz: ÖVP-Stadtgespräch am
Montag, 29. April, 20 Uhr, in der
Martinsstube, Oberstadt.
Dornbirn: Kath. Bildungswerk.
Montag, 29. April, 20 Uhr, Pfarrsaal,
Film von Prof. Benedikt Zillner,
Dornbirn: „Fernsehen: Hilfe oder
Heimsuchung".
Dornbirn: Foto-Club.. Dienstag,
30. April, 20 Uhr, Klubabend mit
Vorführung" der besten Dias der
österr. Staatsmeisterschaft 1974 in der
Tiroler Weinstube, Mozartstraße.
Thal: Kath. Bildungswerk. Mon-
tag, 29. Apri l, 20 Uhr, Film von Wer-
ner Sonderegger, Rankweil: „Mäd-
chenpflichten — Bubenvorrechte", in
der Volksschule.
Feldkirch: Kath. Bildungswerk.
Montag, 29. April, 20.15 Uhr, Farb-
lichtbildervortrag von Prof. Dr.
Erich Schneider, Bregenz: „Die Welt
des Islam", in der Handelskammer.
Neue Telefonnummern
in Koblach
Im Zuge des weiteren Ausbaues
des Fernsprechnetzes werden am
Dienstag, 30. April, die beiden Klein-
teilämter in Koblach aufgelassen und
deren Teilnehmersprechstellen di-
rekt an das Wählamt Göt zis ange-
schlossen.
Aus dies em Grunde müssen die
Rufnummern einer Anzahl von Fern-
sprechstellen in Koblach geändert
werden.
Die neuen Rufnummern, der von
der Umschaltung betroffenen Fern-
sprechanschlüsse von Koblach, sind
im Amtlichen Telefonbuch für Vor-
arlberg, Ausgabe 1974, in Klammern
angeführt und sind im Bedarfsfalle
7
auch bei der Fernamtsauskunft (Ruf-
Nr. 08) zu erfahren.
-
-z-Impressum
Eigentümer, Herausgeber, Ver-
leger und Druc k: Vorarlberger
Graphische Anstalt, Eugen Ruß
& Co., 6901 Bregenz, Kirch-
straße 35.
Chefredakteur und für den In-
halt verantwortlich: Pro!. Dr.
Franz Ortner.
Stellvertreter: Josef Mattner
Chef vom Dienst und Hei-
matteil: Doris Rinke — Fa-
milienchronik, Motor und Tech-
nik: Hans Lerchenmüller —
Innen- und Landespolitik:
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und Region: Siegfried Gabrielli
Wirtschaft und Ombuds-
mann: Hans Henning Sch ar-
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Sport: Josef Mattner, Peter
Strauß — Wiener Redaktion:
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1210 Wien, Tel. 02 22 / 38 47 222
— Bezirk Bludenz: Adolf Pic-
colruaz, Herm.-Sander-Str. 16,
6700 Bludenz, Tel. 0 55 52 / 24 71.
Diese Regale enthielten die vollständigen
Kampfmittel des Tierarztes gegen Krankheit,
und auf einer Bank unter dem Fenster sah ich
Meßgefäße verschiedener Größe, Mörser und
Stößer; und darunter in einer offenen Schub-
lade Arzneiflaschen, Haufen von Korken aller
Größen, Pillenschachteln, Pulvertüten.
Während wir weitergingen, wurde F arnons
Stimmung immer angeregter.
„Sehen Sie sich dies Zeug an, Herriot", rief
er plötzlich. „Adrevan! Ein unübertreffliches
Mittel für rote Ma denwü rmer bei Pferden .
Ein bißchen teuer, muß ich gestehen, zehn
Schilling ein Paket. Und diese gentina-violet-
ten Kapseln! Wenn sie bei üblen Nachgeburts-
störungen eine davon in die Gebärmutter der
Kuh schieben, so bekommt der Ausfluß sogar
eine ganz hübsche Farbe. Das sieht dann aus,
als hätte man wirklich was getan. Und haben
Sie dies en Trick hier gesehen?" Er ließ ein
Glasschüssel fallen und fügte einen Tropfen
paar Kristalle von resublimiertern Jod in eine
Terpentin hinzu. Einen Augenblick geschah
gar nichts, dann stieg eine dicke Wolke pur-
purnen Rauches zur Decke empor. über mein
verdutztes Gesicht brach er in schallendes
Lachen aus.
„Scheint wie Hexenzauber, nicht wahr? Ich
benutze es für Wunden In Pferdefüßen. Die
chemische Wirkung trei bt das Jod tief in das
Gewebe."
„Im Erns t?"
„Nun, ich weiß es selbst nicht genau, aber
die Theorie behauptet es, und Sie müssen zu-
geben, es sieht großartig aus. Beeindruckt den
kritischesten Kunden."
Zu den meis ten Arzneien hatte Farnon et-
was zu sagen. Jede hatte ihren Platz in seiner
fünfjährigen Praxis-Erfahrung. Viele der
Flaschen waren sehr schön geformt, mit
schweren Glasstöpseln und seitwärts einge-
prägten lateinischen Namen — Namen, die
den Ärzten seit Jahrhunderten vertraut sind
und um die sich im Laufe der Jahrhunderte
Legenden gebildet ha ben.
Da standen wir beide und betrachteten die
schimmernden Reihen, ohne zu ahnen, daß
dies alles schon fast nutzlos war, daß die Ta-
ge der alten Heilmittel schon fast gezählt wa-
ren. Bald würden sie in Vergessenheit gera-
ten, verdrängt durch die ungestüme Entwick-
lung der neuen Erfindungen.
„Und hier verwahren wir die Instrumente."
Farnon führte mich in einen kleinen Raum.
Die ärztliche Ausrüstung für Kleintiere lag
auf Regalen mit grünem Friesbezug, sauber
und ordentlich. Liebevoll nahm Farnon einen
Augenspiegel aus seiner schwarzen Schachtel.
„Meine jüngste Errungenschaft", sagte er.
mal
„Eine wundervolle Sache. Hier, werfen Sie
einen Blick auf meinen Augenhinter-
grund."
Ich schaltete die Lampe ein und beschaute
vo ller Interesse den farbig aufleuchtenden
Hintergrund seiner Augen. „Sehr hübsch. Ich
könnte Ihnen ein Gesundheitsattest ausstel-
len."
Dann begann er, mir die Instrumente für
Großtiere zu zeigen, die an Haken rings an
den Wänden hingen: Brandeisen, Kastrier-
zangen, Emaskulatoren, Wurf- und Spannsei-
le, Geburtsstricke und Geburtshaken. Ein
neues, silbriges Embryotom hing an einem
Ehrenplatz, aber viele Instrumente waren —
wie auch manche Medikamente — mittelalter-
liche Reliquien, so insbesondere die Aderlaß-
geräte. Doch waren sie immer noch im Ge-
brauch, wobei dann das herausspritzende Blut
in einen Eimer abgelassen wurde.
Wir beendeten unseren Rundgang im Ope-
rati ons raum mit seinen kahlen, weißen Wän-
den, den Sauerstoff- und Narkosegeräten und
einem kleinen Sterilisator.
„In dieser Gegend gibt's nicht viel Arbeit an
Kleintieren", sagte Farnon. „Aber ich bemühe
mich, sie zu fördern. Gegenüber der Arbeit
im Kuhstall, wo man oft platt auf dem eige-
nen Bauch liegt, ist's eine hübsche Abwechs-
lung. Es kommt nur darauf an, es richtig zu
machen. Mit Rizinusöl und Blausäure kommt
man nicht weiter. Sie wissen wahrscheinlich,
daß viele alte Kollegen einen Hund oder eine
Katze überhaupt nicht anschauen, aber unser
Beruf wird umdenken müssen."
Er ging zu einem Eckschrank und öffnete
die Tür. Ich sah Glasregale mit ein paar Skal-
pellen, Arterienklammern, Wundnadeln und
Flaschen von Katgut in Spiritus. Er zog ein
Taschentuch hervor und putzte einen Ohren-
schloß.
spiegel, bevor er die Tür sorgfältig wieder
„Nun, wie gefällt Ihnen das alles?"
fragte er, als wir wieder auf den Gang hinaus-
trate n.
„Großartig", erwiderte ich. „Sie haben so gut
wie alles beisammen, was Sie hier brauchen.
Ich bin wirklich beeindruckt."
Als wir wieder im Wohnzimmer saßen, be-
richtete ich ihm von Bert Sharpe. „Es han-
delte sich um das Ausbohren einer Kuh, die
auf drei Zylindern arbeitet. Er hat irgendwas
von ihrer Gießkanne geredet und von Umlauf.
Ich hab's einfach nicht kapiert."
Farnon lachte. „Ich glaube, ich kann's über-
setzen. Mit Gießkanne meint er das Euter, und
Umlauf ist der lokal e Ausdruck für Mastitis."
„Ach so, vielen Dank. Und dann erschien
noch ein tauber Ire. Ein Mr. Mulligan ..."
„Halt, Augenblick mal." Farnon hob die
Hand. „Lassen Sie mich mal raten. Hat er was
von Kotzen gesagt?"
„Genau. Von fürchterlichem Kotzen."
„Stimmt schon. Ich werde ihm wieder eine
Arznei zurechtmachen. Ich habe die Ehre einer
Dauerbehandlung für diesen Hund. Der sieht
aus wie ein Airedale, ist aber groß wie ein
Esel und von launischer Gemütsart. Er hat Joe
Mulligan schon ein paarmal glatt umgewor-
fen — er geht einfach auf ihn los und ärg ert
ihn, wenn er nichts Besseres zu tun hat. Aber
Joe liebt ihn."
„Und was ist mit der Kotzerei?"
„Hat überhaupt nichts zu bedeuten. Ist nur
die natürliche Reaktion darauf, daß er jeden
Dreck frißt, den er findet. Also gehen wir zu
Sharpe. Und ein paar andere Besuche sind
auch fällig. Wie wär's, wenn Sie mitkämen?"
(Fortsetzung folgt) folgt)