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Full text: Vorarlberger Nachrichten 1974 Q2 (1974)

	haus 
Jui 
Graf 
in eldkirch eröffnet 
Feldkirch hat seit einigen Wochen ein Jugendhaus, eine Stätte 
der Begegnung junger Menschen im Alter ab 15 Jahren. Träger- 
verein ist die Katholische Jugend Vorarlbergs, verantwortlich für 
die Arbeit im Jugendhaus ein Team junger Männer und Frauen, 
in der Mehrzahl Studierende der Pädagogischen Akademie des 
Bundes in Feldkirch. Das Jugendhaus befindet sich im ehemaligen 
Gasthof „Zur Krone" im Kehr, einem malerischen Bau mit Giebel 
und Fachwerk. Der Zugang zum Jugendhaus erfolgt vom Graf- 
Hugo-Wuhrgang. Das Haus ist dreimal wöchentlich (Dienstag und 
Freitag von 18-22 Uhr und sonntags ab 15 Uhr) geöffnet. Am 
Dienstag und Sonntag ist „offener Treffpunkt", am Freitag wird ab 
20 Uhr ein Programm (Lyrik, Musik, Film, Diskussion, Werkarbeit 
etc.) angeboten. Die Stadt Feldkirch unterstützt das Vorhaben finan- 
ziell, Firmen aus Feldk irch und Ran kweil haben durch namhafte 
	r. 
Sachspenden die Ausstattung der Räume ermöglicht. 
i. 
Copyright: Rex Verlag. 
8 
NOndien, vertreten durch: 
Montag, 29. April 1974 
Herzog-Verleg, Tübingen 
Seite 6 
4 
,1.1Afirif 
FAMILIENCHRONIK 
    
Zum Gedenken 
Hittisau. Zweimal verkündete die 
Totenglocke in der vergangenen Wo- 
che das Ableben von Mitbürgern. Am 
Sonntag verschied Frl. Frieda Nen- 
ning (Küfers) nach langem, schwerem 
Leiden im Altersheim. Geboren 1891 
in Hittisau, verlor sie schon früh ihre 
Eltern und wurde im Hause der 
verwandten Familie des Küfers Josef 
Bader, Rain, aufgenommen, wo sie 
auch ihre Jugendjahre verbrachte. 
Der Schule entwachsen, weilte sie 
viele Jahrzehnte meist in der 
Schweiz, wo sie in häuslichen Dien- 
sten als tüchtige Kraft sehr geschätzt 
und geachtet wurde. In späteren Jah- 
ren ke hrte sie nach Hittisau zurück 
und fand im Altersheim Aufnahme, 
blieb aber immer mit der Familie 
ihrer einstigen Pflegeeltern verbun- 
den. Mit Frieda Nenning ist eine 
fleißige, friedfertige Mitbürgerin ge- 
storben. — Zwei Tage später starb 
plötzlich Josef Bartenstein in Win- 
dem, langjähriger Mesner von Lin- 
genau. Der Verstorbene wurde 1898 
in Lingenau geboren und wuchs dort 
in bescheidenen Verhältnissen auf. 
Herangewachsen, arbeitete er in ver- 
schiedenen Bauernfamilien und ge- 
noß bei allen Dienstgebern wegen 
seines Fleißes und seiner Tüchtigkeit 
besonderes Vertrauen. Infolge sei ner 
allmählich angegriffenen Gesundheit 
war er gezwungen, sich um eine 
leichtere Tätigkeit umzusehen. So 
übernahm er nach 1945 das Amt des 
Mes ners in der Pfa rrkirch e Lingen- 
au, das er fast zwei Jahrzehnte ge- 
wissenhaft, pflichtgetreu und in tief- 
religiöser Haltung zur Zufriedenheit 
seiner Pfarrherrn und der ganzen 
Pfarrgemeinde ausübte. Der Ver- 
storbene lebte in glücklicher Ehe mit 
Maria geb. Kohler aus Hittisau, die 
ihm eine gute Gattin und Mutter 
der drei Kinder war. Durch Fleiß 
und Sparsamkeit konnte die Familie 
in Hittisau-Windern ein Haus er- 
werben, wo sie sich nach der Pen- 
sionierung des Verstorbenen nieder- 
ließ. 
Den beiden Toten erwiesen zahl- 
reiche Trauergäste die letzte Ehre. 
Pfarrer Huber vollzog die kirchlichen 
Handlungen und Pfarrer Österle von 
Lingenau würdigte in seinem Nach- 
ruf in der Kirche die Verdienste 
des Josef Bartenstein als getreuen 
Arbeiter und Mesner seiner Pfarrei. 
Passionsspiel 
vor 250 Jahren 
Mittelberg. Vor 250 Jahren, am 
27. März 1724, führten die Kleinwal- 
sertaler in Mittelberg-Kirchplatz zu- 
folge eines Gelübdes erstmals die 
„Heilige Passi on" auf. Unter den 86 
Mitwirkenden war ein Michael 
Drexel der Christusdarsteller. Die 
Darstellung des Lei dens Christi wur- 
de am Mittwoch in der Karwoche 
und der „Kreuzgang", die Passions- 
prozession, am Gründonnerstag vor- 
mittags durchgeführt. Die Auffüh- 
rungen sollen sehr erbaulich gewe- 
sen sein und viele Zuschauer aus 
dem benachbarten Tannberg und 
Bregenzerwald angelockt haben. Die 
Chroniken bestätigen, daß dieses Pas- 
sionsgeschehen dreiundsechzigmal bis 
1806 gehalten wurde, dann aber be- 
hördlich untersagt worden sei. Es ist 
sionsspiel, wie uns Manuskript, 
sehr bedauerlich, daß dieses Pas- 
Kostümschilderung und Zugseintei- 
lung verraten, sehr sinnvoll gestaltet, 
dem damaligen bayerischen Regime 
zum Opfer gefallen ist! 	Kö 
Sehr agile Gruppe 
Dornbirn. Die Trachtengruppe 
„Alt-Dornbirn" traf sich im Gast- 
haus „Gr üner Baum" zur Jahres- 
hauptversammlung. Reichhaltig war 
der Bericht des Obmannes Norbert 
Winkler, der auf 21 Tanzproben, 5 
Ausschußsitzungen, ferner auf die 
Mitwirkung bei neun Gästeabenden, 
einem Heimatabend im „Vorarlber- 
ger Hof" und zwei Auftritte währe nd 
der Dornbirner Messe hinwies. Der 
Geselligkeit dienten zwei Abende 
mit Kegeln und Jassen, sowie ein 
Auflug nach Wurzach (Deutschland). 
Die Neuwahlen erbrachten fol- 
gendes Ergebnis: Obmann durch 
Wiederwahl Norbert Winkler, Vor- 
tänzer sind Karl und Karin Jochum, 
Schriftführer Manfred Köb, Kassier 
Willi Heiß und Chronist Ursula 
Knothe. Die Trachtenmitglieder und 
der Ausschuß dankten Norbert 
Winkler, der seine Tätigkeit als Vor- 
stand zum Wohle der Trachtengrup- 
pe erneut übernommen hat. Die 
Trachtengruppe „Alt-Dornbirn" hat 
ihre Probentätigkeit wieder aufge- 
nommen und lädt dazu tanzfreudige 
Mädchen, Burschen und Ehepaare 
recht herzlich ein. 
Pensionisten-Treffen 
Götzis. Es gibt doch viele Frauen 
und Männer, die im Pensionisten- 
alter keinen oder nur mangelhaften 
Kontakt habe n. Von einer kleinen 
Gruppe kam der Gedanke, durch 
Veranstaltung von geselligen Nach- 
mittagen etwas für die Pensionisten 
zu tun. So wurden dann am Don- 
nerstag, 18. April, alle Götzner Pen- 
sionisten ins Gasthaus zum M ontfort 
eingeladen. Zur Freude und Überra- 
schung aller konnten die Initiatoren 
44 Frauen und Männer begrüßen. 
In einer kurzen Erklärung wurde 
auf den Sinn und Zweck dies er ge- 
planten Pensionisten-Nachmittage, 
die weder vereinsmäßig, noch poli- 
tisch, noch kirchlich, sondern auf 
freier, loser Basis geführt werd en 
sollen, hingewiesen. Eine durchge- 
führte Abstimmung ergab die ein- 
hellige Befürwortung solcher Nach- 
mittage durch die Anwesenden. Im 
weiteren Verlauf wurde beschlos- 
sen, diese Pensionisten-Nachmittage 
alle 14 Tage, und zwar jeweils am 
1. und 3. Donnerstag jeden Monats, 
erstmals am 2. Mai, vollkommen 
zwanglos durchzuführen. Anregun- 
gen und Wünsche für die weitere 
Gestaltung der Nachmittage sollen 
aus dem Pensionistenkreis selbst 
komm en. 
Tod eines Südtirolers 
Rankweil. Vor kurzem verschied 
der Säger Florian Tröbinger. Der 
Verstorbene wurde in Kastelruth in 
Südtirol geboren. Im Zuge der Süd- 
tiroler-Umsiedlung kam er mit sei- 
ner Fa milie nach Rankweil und seit 
1942 war er hier ansäßig. Der Ver- 
storbene war mit Maria geb. Wörnd- 
le, ebenfalls aus der gleichen Ge- 
meinde stammend, verheiratet. Einen 
schweren Schicksalsschlag erfuhren 
Jahre 1943, als eine Tochter bei 
die Eheleute und Geschwister im 
einem Bombenangriff auf Feldkirch 
ums Leben kam. Der Verstorbene 
war ein ruhiger, bescheidener 
Mensch, der stets seine Berufs- und 
Familienpflichten 	rechtschaffen 
wahrgenommen hat. 
Pläne der Gemeinde 
Gisingen. In den vergangenen Ta- 
gen hatte Ortsvorsteher Dir. Karl 
Allgäuer die Bevölkerung zu einem 
Sprechabend in den Büchelsaal ge- 
laden. Rund 150 Besucher zeigten ihr 
Interesse an der Allgemeinheit und 
nützten diese Gelegenheit, um über 
die verschiedenen Probleme infor- 
miert zu werden. 
Einleitend referierte Bürgermei- 
ster Dr. Heinz Bilz über die einzel- 
nen Bereiche, die die Bewohner der 
Stadtgemeinde Feldk irch betreffen. 
Die Besucher erhielten so aus beru- 
fenem Munde Einblick in die teils 
schon durchgeführten, teils noch zu 
erledigenden Vorhaben der Gemein- 
de. In der folgenden Diskussion wur- 
den in sachlicher Form Anregungen 
und Wünsche vorgebracht, die vor 
allem den Raum Gisingen betrafen. 
Hauptgesprächsstoff war einmal 
mehr die Mülldeponie in den Rütte- 
	Straßenverbesserungen 
nen sowie die künftige Abwässer- 
regelung. 
und die Beleuchtung waren weitere 
Themen, die angeschnitten und vom 
Bürgermeister beantwortet wurden. 
!WIR GRATULIEREN   
Hard. Das 70. Lebensjahr vollen- 
det heute Fritz Laure, Südtiroler 
Platz. 
Höchst. Ferdinand Schneider, 
Sonnengarten 133, vollendet heute 
das 72. Lebensjahr. 
Gaißau. Die älteste Einwohnerin 
der Gemeinde, Frau Mina Hatz, voll- 
endet heute das 91. Lebensjahr. 
Lustenau. Frau Katharina Mar- 
quart, Stiftergasse 12, vollendet heu- 
te das 78. und Frau Maria Wunder- 
lich, Roseggerstraße 4, das-75._Le- 
bensj ahr. 
Götzis. Das 70. Lebensjahr voll- 
endet heute Frau Karolina Gisinger, 
Hauptstraße. 
Klaus. Heute wird Frau Hermina 
Summer, HNr. 130, 74 Jahre alt. 
Tosters. Die Vollendung des 70. 
Lebensjahres feiert heute Franz 
Muigg, Montikelweg 11. 
Gisingen. Anton Bück, Runastra- 
jahr, Eugen Sausgrub er, Kapfstraße, 
ße, vollendet heute das 72. Lebens- 
wird 71 Jahre alt. 
Bludenz. Das 70. Lebensjahr voll- 
enden heute Viktor Alber, Beim 
Kreuz 4, und Joh ann Manah l, Su.. 
chardstraße 43. 
Heute vermählen sich Helmut Pe- 
ter, Unterer Illrain, und Margit See- 
berger, Obdorfweg. 
Veranstaltungen -Treffpunkte 1 
Bregenz: ÖVP-Stadtgespräch am 
Montag, 29. April, 20 Uhr, in der 
Martinsstube, Oberstadt. 
Dornbirn: Kath. Bildungswerk. 
Montag, 29. April, 20 Uhr, Pfarrsaal, 
Film von Prof. Benedikt Zillner, 
Dornbirn: „Fernsehen: Hilfe oder 
Heimsuchung". 
Dornbirn: Foto-Club.. Dienstag, 
30. April, 20 Uhr, Klubabend mit 
Vorführung" der besten Dias der 
österr. Staatsmeisterschaft 1974 in der 
Tiroler Weinstube, Mozartstraße. 
Thal: Kath. Bildungswerk. Mon- 
tag, 29. Apri l, 20 Uhr, Film von Wer- 
ner Sonderegger, Rankweil: „Mäd- 
chenpflichten — Bubenvorrechte", in 
der Volksschule. 
Feldkirch: Kath. Bildungswerk. 
Montag, 29. April, 20.15 Uhr, Farb- 
lichtbildervortrag von Prof. Dr. 
Erich Schneider, Bregenz: „Die Welt 
des Islam", in der Handelskammer. 
Neue Telefonnummern 
in Koblach 
Im Zuge des weiteren Ausbaues 
des Fernsprechnetzes werden am 
Dienstag, 30. April, die beiden Klein- 
teilämter in Koblach aufgelassen und 
deren Teilnehmersprechstellen di- 
rekt an das Wählamt Göt zis ange- 
schlossen. 
Aus dies em Grunde müssen die 
Rufnummern einer Anzahl von Fern- 
sprechstellen in Koblach geändert 
werden. 
Die neuen Rufnummern, der von 
der Umschaltung betroffenen Fern- 
sprechanschlüsse von Koblach, sind 
im Amtlichen Telefonbuch für Vor- 
arlberg, Ausgabe 1974, in Klammern 
angeführt und sind im Bedarfsfalle 
7 
auch bei der Fernamtsauskunft (Ruf- 
Nr. 08) zu erfahren. 
- 
-z-Impressum 
Eigentümer, Herausgeber, Ver- 
leger und Druc k: Vorarlberger 
Graphische Anstalt, Eugen Ruß 
& Co., 6901 Bregenz, Kirch- 
straße 35. 
Chefredakteur und für den In- 
halt verantwortlich: Pro!. Dr. 
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Strauß — Wiener Redaktion: 
Sepp Bacher, Danningerweg 9, 
1210 Wien, Tel. 02 22 / 38 47 222 
— Bezirk Bludenz: Adolf Pic- 
colruaz, Herm.-Sander-Str. 16, 
6700 Bludenz, Tel. 0 55 52 / 24 71. 
Diese Regale enthielten die vollständigen 
Kampfmittel des Tierarztes gegen Krankheit, 
und auf einer Bank unter dem Fenster sah ich 
Meßgefäße verschiedener Größe, Mörser und 
Stößer; und darunter in einer offenen Schub- 
lade Arzneiflaschen, Haufen von Korken aller 
Größen, Pillenschachteln, Pulvertüten. 
Während wir weitergingen, wurde F arnons 
Stimmung immer angeregter. 
„Sehen Sie sich dies Zeug an, Herriot", rief 
er plötzlich. „Adrevan! Ein unübertreffliches 
Mittel für rote Ma denwü rmer bei Pferden . 
Ein bißchen teuer, muß ich gestehen, zehn 
Schilling ein Paket. Und diese gentina-violet- 
ten Kapseln! Wenn sie bei üblen Nachgeburts- 
störungen eine davon in die Gebärmutter der 
Kuh schieben, so bekommt der Ausfluß sogar 
eine ganz hübsche Farbe. Das sieht dann aus, 
als hätte man wirklich was getan. Und haben 
Sie dies en Trick hier gesehen?" Er ließ ein 
Glasschüssel fallen und fügte einen Tropfen 
paar Kristalle von resublimiertern Jod in eine 
Terpentin hinzu. Einen Augenblick geschah 
gar nichts, dann stieg eine dicke Wolke pur- 
purnen Rauches zur Decke empor. über mein 
verdutztes Gesicht brach er in schallendes 
Lachen aus. 
„Scheint wie Hexenzauber, nicht wahr? Ich 
benutze es für Wunden In Pferdefüßen. Die 
chemische Wirkung trei bt das Jod tief in das 
Gewebe." 
„Im Erns t?" 
„Nun, ich weiß es selbst nicht genau, aber 
die Theorie behauptet es, und Sie müssen zu- 
geben, es sieht großartig aus. Beeindruckt den 
kritischesten Kunden." 
Zu den meis ten Arzneien hatte Farnon et- 
was zu sagen. Jede hatte ihren Platz in seiner 
fünfjährigen Praxis-Erfahrung. Viele der 
Flaschen waren sehr schön geformt, mit 
schweren Glasstöpseln und seitwärts einge- 
prägten lateinischen Namen — Namen, die 
den Ärzten seit Jahrhunderten vertraut sind 
und um die sich im Laufe der Jahrhunderte 
Legenden gebildet ha ben. 
Da standen wir beide und betrachteten die 
schimmernden Reihen, ohne zu ahnen, daß 
dies alles schon fast nutzlos war, daß die Ta- 
ge der alten Heilmittel schon fast gezählt wa- 
ren. Bald würden sie in Vergessenheit gera- 
ten, verdrängt durch die ungestüme Entwick- 
lung der neuen Erfindungen. 
„Und hier verwahren wir die Instrumente." 
Farnon führte mich in einen kleinen Raum. 
Die ärztliche Ausrüstung für Kleintiere lag 
auf Regalen mit grünem Friesbezug, sauber 
und ordentlich. Liebevoll nahm Farnon einen 
Augenspiegel aus seiner schwarzen Schachtel. 
„Meine jüngste Errungenschaft", sagte er. 
 mal 
„Eine wundervolle Sache. Hier, werfen Sie 
einen Blick auf meinen Augenhinter- 
grund." 
Ich schaltete die Lampe ein und beschaute 
vo ller Interesse den farbig aufleuchtenden 
Hintergrund seiner Augen. „Sehr hübsch. Ich 
könnte Ihnen ein Gesundheitsattest ausstel- 
len." 
Dann begann er, mir die Instrumente für 
Großtiere zu zeigen, die an Haken rings an 
den Wänden hingen: Brandeisen, Kastrier- 
zangen, Emaskulatoren, Wurf- und Spannsei- 
le, Geburtsstricke und Geburtshaken. Ein 
neues, silbriges Embryotom hing an einem 
Ehrenplatz, aber viele Instrumente waren — 
wie auch manche Medikamente — mittelalter- 
liche Reliquien, so insbesondere die Aderlaß- 
geräte. Doch waren sie immer noch im Ge- 
brauch, wobei dann das herausspritzende Blut 
in einen Eimer abgelassen wurde. 
Wir beendeten unseren Rundgang im Ope- 
rati ons raum mit seinen kahlen, weißen Wän- 
den, den Sauerstoff- und Narkosegeräten und 
einem kleinen Sterilisator. 
„In dieser Gegend gibt's nicht viel Arbeit an 
Kleintieren", sagte Farnon. „Aber ich bemühe 
mich, sie zu fördern. Gegenüber der Arbeit 
im Kuhstall, wo man oft platt auf dem eige- 
nen Bauch liegt, ist's eine hübsche Abwechs- 
lung. Es kommt nur darauf an, es richtig zu 
machen. Mit Rizinusöl und Blausäure kommt 
man nicht weiter. Sie wissen wahrscheinlich, 
daß viele alte Kollegen einen Hund oder eine 
Katze überhaupt nicht anschauen, aber unser 
Beruf wird umdenken müssen." 
Er ging zu einem Eckschrank und öffnete 
die Tür. Ich sah Glasregale mit ein paar Skal- 
pellen, Arterienklammern, Wundnadeln und 
Flaschen von Katgut in Spiritus. Er zog ein 
Taschentuch hervor und putzte einen Ohren- 
schloß. 
spiegel, bevor er die Tür sorgfältig wieder   
„Nun, wie gefällt Ihnen das alles?" 
fragte er, als wir wieder auf den Gang hinaus- 
trate n. 
„Großartig", erwiderte ich. „Sie haben so gut 
wie alles beisammen, was Sie hier brauchen. 
Ich bin wirklich beeindruckt." 
Als wir wieder im Wohnzimmer saßen, be- 
richtete ich ihm von Bert Sharpe. „Es han- 
delte sich um das Ausbohren einer Kuh, die 
auf drei Zylindern arbeitet. Er hat irgendwas 
von ihrer Gießkanne geredet und von Umlauf. 
Ich hab's einfach nicht kapiert." 
Farnon lachte. „Ich glaube, ich kann's über- 
setzen. Mit Gießkanne meint er das Euter, und 
Umlauf ist der lokal e Ausdruck für Mastitis." 
„Ach so, vielen Dank. Und dann erschien 
noch ein tauber Ire. Ein Mr. Mulligan ..." 
„Halt, Augenblick mal." Farnon hob die 
Hand. „Lassen Sie mich mal raten. Hat er was 
von Kotzen gesagt?" 
„Genau. Von fürchterlichem Kotzen." 
„Stimmt schon. Ich werde ihm wieder eine 
Arznei zurechtmachen. Ich habe die Ehre einer 
Dauerbehandlung für diesen Hund. Der sieht 
aus wie ein Airedale, ist aber groß wie ein 
Esel und von launischer Gemütsart. Er hat Joe 
Mulligan schon ein paarmal glatt umgewor- 
fen — er geht einfach auf ihn los und ärg ert 
ihn, wenn er nichts Besseres zu tun hat. Aber 
Joe liebt ihn." 
„Und was ist mit der Kotzerei?" 
„Hat überhaupt nichts zu bedeuten. Ist nur 
die natürliche Reaktion darauf, daß er jeden 
Dreck frißt, den er findet. Also gehen wir zu 
Sharpe. Und ein paar andere Besuche sind 
auch fällig. Wie wär's, wenn Sie mitkämen?" 
(Fortsetzung folgt) folgt)
	        
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