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Full text: Vorarlberger Nachrichten 1974 Q2 (1974)

Poraribegtr 
• 
Auflagenstärkste und 'parteiunabhängige Tageszeitung für' das Land Vorarlberg 
Eigentümer, Herausgeber u. Verleger: E. Ruß & Co., Bregenz, Tel. 242 56*, 223 54, Anzeigen 23315, 2 21 51, Telex: VGA 710 
7,Mal 
Erscheinungsort - Verlagspostamt 6900 Bregenz - Abonnement monatlich S 44,50, Einzelpreis S 2,—, Samstag S 3,— • P.b.b. 
Dienstag 
1974 
Nummer 106 - 30. Jahrgang 
(VN - Bac) Hinter den Verhandlungen der Regierung mit den 
Wien 
Ländern und Interessensvertretungen über ein neues Preisregelungs- 
gesetz Ist Jetzt die Furcht der ÖVP aufgetaucht, wenn keine einver- 
nehmliche Lösung in dieser Frage zustandekommt, der Regierungs- 
par tei einen Wahlschlager für die nächsten Nationalratswahlen zu lie- 
fern. Die SPÖ benötigt zur Einführung einer zeitlichen Preisregelung 
durch Handelsminister oder Landeshauptleute die Zustimmung der ÖVP 
Im Parlament. 
Verweigert die Volkspartei diese des volkswirtschaftlich gerechtfer- 
Zustimmung, könnte, so fürchtet tigten Preises „mal neun" heraus, 
man in der Kärntner Straße, die SPÖ da in jedem Bundesland die Preis- 
Nationalratswahlen* 
in die nächsten 
bestimmung vornehmlich von der 
Standortfrage des Produktionsunter- 
nehmens bzw. des Standortes der 
Dienstleistung abhängig sei. 
ÖVP- 
Nach der demonstrativen 
Front im Preisgipfelgespräch mit 
Staribacher war man auf das heute 
sta ttf indende Gespräch des Handels- 
ministers mit den vier gesetzlichen 
Interessensvertretungen gespannt. 
(WP 
Kammerfunktionäre der äu- 
ßerten sich nach Gesprächen• mit der 
Industriellenvereinigung dahinge- 
hend, mit der SPÖ doch eine Kom- 
promißlösung zum vorgeschlagenen 
I'reisregelungsgesetz zu suchen, be- 
vor die Regierungspartei mit dem 
Versprechen des totalen Preisstopps 
für den Fall des Sie ges bei den 
nächsten Parlamentswahlen- in - den 
Nationalratswahlkampf zieht. 
Der Kompromiß, den die Wirt- 
schaftspartner der Volkspartei mit- 
bringen, sieht so aus, daß entspre- 
ÖVP- 
Konsumentenberaters Drenning an- 
ste lle des Staribacher-Preisbeirats, 
Preis-, 
der vom Handelsminister bei 
  
stopp-Verfügungen nur zu „hören" 
wäre, bei fehlender Zustimmung 
aller vier Kammervertreter in die- 
sem Preisbeirat ein kartellgerichts- 
ähnlicher Senat herangezogen wer- 
den soll. 
Gespannt ist man auch auf das 
heutige Verhalten der Agrar-Ver- 
treter. Sie hätten die Delegierung 
von Preisregelungskompetenzen bei 
gleichzeitigem Verzicht auf die amt- 
lich geregelten Nahrungmittelpreise 
recht gerne. Könnten dann die 
Bauernbündler eines Bundeslandes 
doch zu ihrem Landeshauptmann 
oder. Landesrat gehen und ange- 
sichts präsentierter Kalkulations- 
unterlagen und Kostenberechnungen 
volkswirtschaftlich gerechtfertigte 
Preise fordern. 
mit dem Kampfmotto ziehen „Für 
Bonn: Personalboom bleibt 
Preisstopp in ganz Österreich". Da- glaubwürdiger Inspirator 
her suchen vor allem die in den In-. 
teressensvertretungen (Bundeskam- 
mer, Landwirtschaftskammer) ver- 
tretenen ÖVP-Funktionäre, doch 
noch eine Einigung mit der Regie- 
zu finden. 
rung 
In der 
gestrigen Aussprache der 
Landesvertreter, zu der lediglich 
drei Landeshauptleute (Salzburgs 
Lechner, Burgenlands Kery und 
Oberösterreichs Wenzl) • erschienen 
waren -- die restlichen sechs ließen 
sich durch ihre Stellvertreter, Lan- 
desräte oder Beamte vertreten, kam 
es jedenfalls zu keiner Einigung. 
Die - ÖVP-Vertreter, vor allem Dr. 
Lechner und Tirols Landesrat Bas- 
sett i, zogen 
vehement gegen die Vor- 
zu 
Felde. 	• 
Ihre Argumente waren die bis- 
herige Form der Preisregelung in 
der Art des noch geltenden Para- 
graphen 3a des Preisregelungsgeset- 
zes hätte ohnehin' funktioniert, nur 
in drei gravierenden Fällen (zu de- 
nen die Friseure und Installateure 
gehören) hätten sich Wirtschafts- 
gruppen konträr zu Vereinbarungen 
der Paritätischen Kommission ver- 
halten. Um die, den Landeshaupt- 
leuten zugedachten Regelungsauf- 
gaben (Preisstopp auf sechs M onate 
für Waren nicht marktbeherrschen- 
der Unternehmungen bzw. Nicht- 
Markenartikel, soferne der volks- 
wirtschaftlich gerechtfertigte Preis Kräfte, sondern auch das 
überschritten wurde) durchführen 
zu können, benötigen sie einen un- 
geheuren Verwaltungsapparat. 
Landesstatthalter Martin Müller, 
Vorarlberg, beto nte erneut, bei Ver- 
wirklichung dieser Vorlage käme 
Gew erkschaftst ag der Meta ll- und Ber garbeiter 
für Österreich die Multiplizierung 
Kreisky: undespräsident 
soll zus tehende politische 
Schmelzhütterbrücke 
echte maximal ausüben 
Dornbirn 
soll 
erhalten bleiben 
die 
Offensichtlich scheint für 
Dorn-. 
letzte gedeckte Holzbrücke 
„Schmelzhütterbrücke", 
birns, die 
doch nicht das letz te Stündlein 
haben. 1500 Bür- 
geschlagen zu 
ger unterschrieben für die Erhal- 
tung, und nunmehr hat sich auch 
das Bun desde nkm alamt einge - 
(Seite 
schaltet. 
	 
5) 
isc n Stari ac r 
er rtret r gesc eiter 
Wenn Staatsmänner Politik machen, müssen deshalb die Frauen 
nur über Mode und Haushaltsfragen reden? Im Falle der Franvon 
-(links), 
Kissinger, Naney 
und der ebenfalls attraktiven, Frau des 
jordanischen Premiers, leid Rifai, ist es durchaus möglich; daß 
auch Frauen „große Politik" besprachen. 
lage des Preisregelungsgesetzes 	(Funkbild: VN/UPI) 
	, 
, 	• 
der großen Bedeutung des höchsten. 
Amtes im Staate müsse der Bundes- 
präsident direkt vom Volk gewählt 
werden, denn er brauche für= die Er- 
füllung seiner Pflichten die Autori- 
tät, die in. der Mehrheitsentscheidung 
begründet ist.. 	' 
ÖGB-Präsident Benya gab be- 
kannt, daß in den vergangenen drei 
Jahren 10.000 neue Mitglieder ge- 
worben werden konnten.- 
Sozialminister Häuser, kündigte 
als weitere, Teilkodifikation des Ar- 
beitsrechtes in den nächsten Wochen 
die Lohnfortzahlung für Arbeiter im 
Krankheitsfalle an. Häuser erinnerte 
weiters an das Arbeitsverfassungs- 
gesetz, das im Juli in Kraft trit t. 
Mit diesem. Gesetz, so' stellte er fest, 
sei eine stärkere Mitbe stim mung der 
Bonn (VN - 
Arbeitnehmer geschaffen worden.. 
BDF) Für Bundesfi- 
nanzminister Helmut Schmidt wer- 
den Personaleinsparungen in den 
Bonner Ministerien auch künftig nur 
Träume bleiben, so wünschenswert 
dies auch angesichts der angespann- 
ten Haushaltslage des Bundes wäre, 
der allein schon wegen der Tarif- 
abschlüsse im öffentlichen Dienst An- 
fang des Jahres heuer 1,2 Milliarden 
DM mehr auf den Tisch legen muß. 
Nicht ganz ungeschickt haben es 
die Personalchefs der einzelnen Res- 
sorts angestellt: für jede nach dem 
Wunsch Schmidts gestrichene bishe- 
rige Planstelle wurde gleich eine, 
  
neue angemeldet, deren „Notwendig- 
keit" •man auch, mit massiven Argu- 
menten zu stützen wußte. Wenn es 
um die Aufblähung des eigenen Ap- 
Parates geht, ist man nie verlegen..   
So wurden 1973 sozusagen im 
Austausch 2000 alte Planstellen, die 
nicht mehr besetzt wurden, kurzer- 
hand durch 2041 neue ersetzt, weil 
',neue Aufgaben" dies erforderten. In' 
diesem Jahr geht man noch etwas 
forscher an die „neuen Aufgaben" 
heran: 1400 bisherige Planstellen ent- 
fallen zwar, aber 1489 neue müssen 
	• 
her. 
	• 
Eine. 
 Ämterverschiebung -unt er loren, Die CDU 
gleichzeitiger Personalvermehrung — 
Die Opposition im Bundestag wird 
genau das, was Schmidt nic,ht•wollte. 
diese Woche während der Haushalts- 
beratungen nicht nur bei der Vorlage 
des Kanzleretats Horst Ehm kes Sün- 
den im Fall Guillaume auftischen, 
sonder n auch die Personalpolitik der 
Regierung. 
Bonn '(dpa, UPI) Sowohl die 
SPD als auch die 'CDU nahmen am 
Montag die Ergebnisse der Lok al- 
wahlen im Saarland als Erfolge für 
sich in Anspruch. Während der 
Spre- 
cher 
der Christdemokraten, Willi 
Weiskirch, erklärte, die Wahlen hät- 
ten gezeigt, daß seine Partei zur Re- 
gierung berufen sei, sprach der SPD- Christdemokraten 
Sprecher vorn festen Standpunkt der 
Wähler gegenüber der emotionell 
demagogischen Kampagne der OP- 
positionsparteien. 
Die CDU hatte im Durchschnitt 
Wien 
zehn, Nach-Verteilung der Sitze ergab extremen NPD- erhalten zu' 
(APA) In seiner Begrüßungs- 
ansprache erklärte Bundeskanzler Dr. 
Kreisky gestern auf dem 10.. Ge- 
werkschaftstag der Metall- und 
Bergarbeiter, die ständige Sorge der 
Regierung sei es, eine Wirtschafts- 
politik zu machen, die allen Arbeit- 
nehmern ein MaXimum an Sicher- 
heit der Arbeitsplätze gewährleiste. 
Kreisky nahm den Anlaß wahr, 
um auch zur kommenden Wahl des 
neuen Bundespräsidenten ' Stellung 
zu nehmen: Der Bundeskanzler 
sprach, 
sich ,in' diesem Zusammen.: 
hang für eine maximale Ausnützung 
der 
politischen Rechte des Bundes- 
präsidenten aus. Kreisky erinnerte 
an die Ereignisse vor 40 Jahren, als 
sich nach seiner Ansicht ein Bundes- 
präsident nicht in der Lage fühlte, ' 
seine Aufgaben zu erfüllen. 
Wegen 
ruc 
nen, größtenteils auf Kosten der 
Namensgruppen. Die erstmals kan- der 50 neuen saarländischen' Ein- 
didierende DKP hatte 1,7 Prozent,, 
die NPD 0,4 Prozent der Wähler- 
stimmen auf sich vereinigen können. 
Bisher hatten Kommunal- und • 
Landeswahlen :in' der Bundesrepu- 
blik starke prozentuelle. Verluste der' 
Sozialdemokraten gebracht- Auch für. 
diese Wähl hatten politische Beob- 
achter aufgrund der Guillaume.: 
Affäre politiSche Erschütterungen. 
der Position der Regierungsparteien • 
erwartet. von ehemaligen Wählern der rechts- 
Verändertes Frankreich? 
Der erste Wahlgang für die Er- 
nennung eines neuen französischen 
Präsidenten brachte k einen Sieger, 
aber die klare Niederlage des ehe- 
maligen gaullistischen Premiermini- 
sters Chaban-Delmas. Vielleicht et- 
was allzu kateg ori sch schließen dar- 
aus viele französische und interna- 
des 
tionale Beobachter auf das Ende 
man in Chaban- 
Gaullismus. 
Soweit 
Delmas ein Symbol der gaullisti- 
schen Bewegung sehen darf, ist diese 
Vorbe- 
Vermutung richtig. Gewisse 
zwingen sich aber auf, weil 
halte 
dieser Kandidat stets auf das Miß- 
stieß und 
trauen General de Gaulles 
in des sen politischer Familie eher 
ein Außenseiter als ein Mittelpunkt 
ein Mann 
war. Er galt zudem als 
der Öffnung und stellte sich seinen 
Wählern nicht als Erbverwalter vor, 
sondern als mehr oder weniger 
Von Alfred Frisch 
einer neuen 
Gesellschaft. Der erfolgreichere 
Giscard d'Estaing berief sich dagegen 
in seinem Wahlkampf immer wieder 
a_uf de Gaulle und Pompidou. 
Taktik und Über zeugun g sind in 
Frankreichs Politik verwirrend mit- 
einander verflochten. Die gaullisti- 
war 
sche Bewegung 
nie eine struk- 
turierte . Partei, sondern vor allem 
eine politische Interes s engem ein- 
schaft. Schon deswegen dürfte der 
Präsidentenwechsel zu einer Um- 
gruppierung der Parteien führen . 
Weit wichtiger ist allerdings die Fra- 
ob 
, ge, 
die Welt mit einem anderen 
Frankreich zu rechnen hat. Giscard 
versprioht einen Wan del ohne Risi- 
ko, Mitterrand geht immer diskreter 
über das mit den Kommunisten ver- 
chend einem Vorschlag des einbarte gemeinsame Programm hin- 
weg, spricht kaum noch vom So- 
zialismus und legt das Schwerge- 
wicht wie sein Gegner auf den not- 
wendigen Wandel, um alle Unent- 
sChlossenen davon zu überzeugen, 
daß er keineswegs die Gesellschafts- 
ordnung grundlegend umgestalten 
will. Beide Kandidaten tragen dem- 
nach in gleic her Form dem konser- 
vativen Charakter der französischen 
Bevölkerung Rechnung. 
Das Wahlergebnis bestätigt nicht 
nur die Stabilität der politischen 
Schwerge- 
der traditionellen Strukturen. 
wicht 
Der Gaullismus war eine Ausnahme- 
erscheinung, da er seine W ähler in 
verschiedenen politischen Lagern re- 
krutierte. 
Gestützt auf seine unabhängigen 
Republikaner will nunmehr Giscard 
ein neues Sammelbecken entstehen 
lassen, das sich ebenso wie die gaul- 
listische Bewegung sowohl auf die 
Mitte wie auf die Rechte stützt. 
orien- 
Chabans Versuch, einer sozial 
tierten, 
aufgeschlossenen Mitte zum 
Erfolg zu verhelfen, ist an der ihm 
aufer le gten gaullistischen Hypothek 
gescheitert und auch an der in den 
letzten 20 Jahren offensichtlich ge- 
wordenen Weigerung der Franzosen, 
der Mitte eine echte Chance zu ge- 
ben. 
Eine weitere Konstante der franzö- 
sischen Polit ik ist es, daß weder die 
Linke noch die Rechte ohne Unter- 
stützung der Mitte zu regieren ver- 
mag, weil sie all ein nicht in der La- 
ge sind, sich die absolute Mehrheit 
'zu 
 sichern. Sämtliche Linksregierun- 
gen der Dritten Republik bis zum 
Zweit en Weltkrieg mußten sich auf 
zum äußersten Rande der rechten 
Giscard will seine 
Mitte erstreckte. 
Regierungskoalition allen denjenigen 
öffnen, die das Volksfrontprogramm 
abl ehnen, das heißt, auch den ref or- 
mistischen Sozialdemokraten. 
Dieses Beharrungsvermögen der 
französischen Bevölkerung ist nicht 
notwendigerweise ein 
Beweis poli- 
tischer Reife. Gewiß, 
Nur noch drei Landeshauptleute kamen in die Bundeshauptstadt   
die hohe Wahl- 
ie zweite 
und den Län 
Zwei Sieger nach der Wahl im Saarland 
lerungsans 
Sich am' Montag, daß• 
zen, deren politischer Fächer sich bis 
ati 
 die• CDU in 36 
e a a so s s 
	zi 
di R dik 
	che Partei stüt- 
heitsgemeinden über absolute Mehr- 
heiten verfügt. Fünf Kommunal- 
parlamente werden.von der. SPD be- 
herrscht, in den übrigen geben 
Koalitionsbildungen den ;.Ausschlag. 
Die hohen • Stimmengewinne der 
gehen,-, 
wie , erste 
Berechnungen' zeigen, nicht nur auf 
Kosten der freien Wählergemein- 
an' 
schaften; die überall  Boden ver- 
scheint 
	auch 
Zuzug 
beteiligung am Sonntag läßt 
großes 
die SPD zwei Prozent gewon. haben. 
'Verständnis erkennen für die Trag- Trag-
	        
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