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Full text: Vorarlberger Nachrichten 1974 Q2 (1974)

Seite 14 Donnerstag, ,4. April 1974 
relativ kühle Klima 
der zweiten Hälfte des 
18. Jahrhunderts erin­ 
nern. 
Die japanischen 
Wissenschafter, die zu­ 
dem noch anhaltende 
Dürren in mehreren 
Gebieten der Welt Vor­ 
aussagen, begründen 
die von ihnen ange­ 
kündigten langfristi­ 
gen Wetterverände­ 
rungen mit einer Ab­ 
Schichten 
kühlung der oberen 
der Atmo­ 
sphäre über . dem 
Nordpol, die seit den 
vierziger Jahren zu 
beobachten sei. 
Die großen Tempe­ 
raturunterschiede zwi­ 
schen den polaren Ge­ 
bieten und den Tropen 
rufen nach ihren Fest­ 
stellungen starke Luft­ 
strömungen hervor, 
die von Norden nach 
Süden gerichtet seien. 
Sorgen mit Export der Mafia 
Seit Jahren fördert die italieni­ 
sche Justiz, wenn auch ungewollt, die 
Ausbreitung der Aktivitäten der Ma­ 
fia über das ganze Staatsgebiet. Mit 
Hilfe eines Sondergesetzes werden 
notorische 
Späte Entschädigung 
Mafi osi von ihrer ur­ 
sprünglichen Aktionsbasis Sizilien 
auf das Festland verbannt. Die Hoff­ 
nung, sie damit von ihren kriminel­ 
len Verbindungen abzuschneiden, er­ 
füllte sich allerdings nicht, im Ge­ 
genteil, es wurde damit das Ver­ 
sind, 
brechen exportiert. 
hat im Norden des Landes zu 
Protesten und zu einer neuen Welle 
|des Hasses auf die Süditäliener ge­ 
führt. . In ' jedem, der sizilianisch, 
klein und dunkel äüssieht, vermutet 
man einen der 422 nach Norditalien 
„Mein 
verbannten Mafiosi. 
Ruf nach Dir“ singt Piera Marteil beim traditionellen Euro­ 
visions-Schlagerfestival in Brighton. Der vielversprechende Titel 
gilt jedoch'nicht ihrem Begleiter ... er stammt von ihm. Pepe Eden, 
\ 
Liederkomponist und Liedtexter, hat es sich nicht nehmen lassen, 
Piera an jenen Ort zu begleiten, der ihm den großen Ruhm bringen : 
soll. 
Unbeeinflußt von seinem berühmten Namensvetter beschäftigt sich 
der junge Amerikaner Michael Shakespeare mit recht prosaischen 
— dafür jedoch praktischen — Dingen. Die jüngste Erdölkrise hat 
dem Erfinder aus Leidenschaft zu denken gegeben. Seine. Antwort: 
• Ein Rasenmäher,, der mit Pedalen betrieben wird- „Das ist nicht 
nur" umweltfreundlich,-das hält auch fit“, preist der junge Mann * 
seine Errungenschaft an. Recht hat er! ■ ' 
20 Jahre nachdem die ersten töd­ 
lichen Quecksilbervergiftungen durch 
Abfälle einer chemischen Firma in 
der japanischen Küstenstadt Mina- 
mata stattgefunden hatten, verur­ 
teilte ein Gericht die Gesellschaft 
zur Zahlung einer Entschädigungs­ 
summe in Höhe von 3,6 Mill. US- 
Dollar an die Familien der Opfer. 
Seit Ende der vierziger Jahre hatte 
die Firma organische Quecksilber- 
Verbindungen in die Fischereigebie­ 
te der Gemeinde geleitet. Insgesamt 
wurden dadurch seinerzeit 397 Men­ 
schen vergiftet. 68 von ihnen muß­ 
Mafiosi 
ten sterben.' 
waren die Entführer des 
Wermutgrafen Luigi Rossi di Mon- 
terlera aus Turin, der Ende März 
von der Polizei befreit werden konn­ 
te. Auch die Kidnapper des Enkels 
des Ölmilliardärs Paul Getty stamm­ 
ten aus Kreisen der Mafia. Die Poli­ 
zei vermutet hinter der nicht ab­ 
reißenden Kette von Entführungen 
zwischen Alpen und Ätna eine von 
der Mafia kontrollierte Kidnapping- 
Gesellschaft. 
Die Verbannung von Gangstern, 
die man nicht des Verbrechens über­ 
führen kann, die aber oft mit vielen 
■ 
Morden belastete Mafia-Mitglieder 
Ein Sanierungsprogramm für den 
sterbenden Rhein hat das For­ 
schungsinstitut Senckenberg in 
Frankfurt für die nächsten zehn Jah­ 
re erarbeitet. Der erste Modellver­ 
such wird im Naturschutzgebiet 
„Welsches Loch“ auf der hessischen 
Seite bei Lampertheim bereits durch- 
geführt. 
“Der Mensch lebt nicht vom Auto allein... nicht einmal am Autosalon in Genf. Und weil ein wenig Sex 
bei einer Schau solcher Dimensionen nun einmal dazu gehört, dürfen die dunkelhäutigen Schönheiten mit 
Industrie- 
ihren Reizen den PS-Kutschen ein wenig Konkurrenz machen. 
und Haushaltsabwäs­ 
ser, Flußbegradigungen sowie- _die 
Abgabe von Wärme aus Kraftwer­ 
ken haben dazu geführt, daß der 
324 km lange Oberrhein zwischen 
Basel und Mainz sein Selbstreini­ 
gungsvermögen verloren hat. Auch 
der mit einem Milliardenaufwand 
begonnene Bau von Kläranlagen 
reicht nicht aus, um den kranken 
Fluß mit' Seinen sterbenden Lebe­ 
wesen, Auen und Altrheinarmen zu 
retten, schreibt der Direktor des 
Senckenberger Forschungsinstitutes. 
Das neue Sanierungsprogramm 
sieht nun vor, daß der Hauptrhein 
weiterhin zur Entwässerung des 
Oberrheingebietes dient, die Neben­ 
arme aber zu Trägern „gesunden 
Wassers“' ausgebaut werden sollen. 
Jeder Altrheinarm soll vom Haupt­ 
strom abgetrennt werden und die 
einzelnen Altrheinschlingen durch 
künstliche Verbindungen zu einem 
„Altrhein-Verbund“ zusammenge­ 
schlossen werden. 
Alle abwasserführenden Bach- 
und Kanalläufe sind aus den Auen 
herauszunehmen und direkt in den 
Hauptstrom zu leiten. Führt der 
Hauptstrom hohes Wasser, würden 
die Nebenarme von dort her aufge­ 
staut und auch bei nachfolgendem 
Niedrigwasser in dem Altrhein ver­ 
bleiben. Trotz hoher biologischer Be­ 
lastungen hätte der Fluß nun „Zeit“ 
genug, sich selbst wieder zu regene­ 
rieren. 
Auch die von den Gebirgen kom­ 
menden Grundwasserströme hätte 
der „Altrhein“ aufzunehmen, was 
verhindert, daß dieses biologisch ge­ 
sunde Wasser sofort wieder abfließt. 
Rechts und links des Hauptstromes 
zögen also von Abwässern unge­ 
trübte, ' gesunde Ströme, die biolo­ 
gisch unverseuchtes Grundwasser zu­ 
rückhalten und diese Grundwasser­ 
hebung ■ — so die Studie ■— „belebt 
von neuem die Vegetation der Auen 
und kommt vor allem den heute ver­ 
durstenden Holzbeständen zugute“. 
Der . Rheinstrom selbst, der die 
Schiffe und Abwässer zu befördern 
neben 
hat, verlangt zu seiner R egerierat ion 
dem Bau von neuen Kläran­ 
lagen ein eigenes ökotechnisches Sy­ 
stem, das die Aufgabe der Abküh­ 
lung des durch Kraftwerke aufge­ 
heizten Flusses und der Sauerstoff­ 
anreicherung des Wassers hat. Dazu 
werden „Kühlpolder“ eingesetzt: 
flache . Wasserbecken , in den-' Auen 
oder hinter den Deichen, in welchen 
Wasser aus dem Hauptstrom zur 
Restkühlung und Sauerstoffanreiche­ 
rung zirkuliert. 
1000. Brücke 
Die 1000. Brücke in Amsterdam, 
dem „Venedig des Nordens“, wurde 
am Dienstag fertiggestellt. Die neue 
Brücke im Westen der Hauptstadt 
darf nur von Fußgängern, und Rad­ 
fahrern ' benutzt werden, die im 
„Rembrandt-Park“ promenieren 
wollen. ^ 
Diamanten sind futsch! 
Zwei Sendungen geschliffener 
Diamanten im Wert von 2,5 Millio­ 
nen israelischer Pfund (umgerechnet 
mehr als zehn Millionen Schilling) 
sind auf einem Flug von Israel nach 
New York verschwunden. Wie aus 
Polizeikreisen in Tel Aviv verlau­ 
tete, ist eine Sendung mit S teinen 
im Wert von rund einer M illion 
Pfund seit einem Monat abgängig- 
Zwei Wochen später verschwanden 
Diamanten im Wert von etwa 1,5 
Millionen Pfund. 
Europafahne für zwei 
österreichische Orte 
Der Europapreis 1974, eine Aus­ 
zeichnung für besondere Verdienste 
um die europäische Einheit,1 ist vom 
Europarat an Cesenatico (Italien) 
und Macon (Frankreich) vergeben 
worden. Ebenfalls ausgezeichnet 
wurden 25 andere Ortschaften, dar­ 
unter Villach u. Alberndorf (Öster­ 
reich) und die schweizerische Ort­ 
schaft Vouvry, - welche die Europa- 
MAGAZIN 
fahne erhielten. • ■ . 
Das Steuern der Gene, der Träger der Erbanlagen, und damit die 
Fähigkeit, die Eigenschaften des Mensc hen' willkürlich zu verändern, 
wird nach den-Worten des führenden Erbgutforschers der Sowjetunion, 
Nikolai Dubinin,. in etwa 30 Jahren Wirklichkeit werden. Dubinin, der 
das sowjetische Institut für allgemeine Genetik leitet, erklärte in einem 
Interview in Moskau, diese Möglichkeit werde eine revolutionierende Aus­ 
wirkung auf die Menschheit haben-Der Verantwortung, die damit ver­ 
Zelle 
bunden sei, müßten sich die Wissenschafter bewußt werden. 
zu bringen, sei die Grenze über­ 
schritten und die Steuerung möglich. 
Die Geneveränderung könne zwei­ 
fellos viele gute Auswirkungen ha­ 
ben, sagte Dubinin. Erbkrankheiten 
könnten geheilt werden, indem ge­ 
schädigte Gene durch gesunde ersetzt 
würden. Das einfachste Beispiel für 
die Steuerung sei die Vorherbestim­ 
mung des Geschlechtes eines Kindes. 
Aber schon hier könne es auch zu 
Fehlverhalten kommen, wenn etwa 
die Mehrzahl der Eltern Söhne wün­ 
sche. Eine Menschheit, in der nach 
einigen Generationen 90 Prozent 
Männer und nur 10 Prozent Frauen 
seien, würde alle ihre bisherigen 
Werte, und letztlich sich selber zer­ 
Wissenschafter in den Vereinigten 
stören. 
Staaten und in der Sowjetunion in 
den letzten Jahren entdeckt hätten, 
wie Gene synthetisch hergestellt und 
in Zellen transplantiert werden könn­ 
ten. Es fehle aber noch der Baustein, 
der die Gene zum Arbeiten bringe. 
Wenn es gelinge, sie zur Beein­ 
Die Genetiker in aller Welt, sag­ 
flussung des Regelmechanismus der 
te der 67jährige Dubinin, verstanden 
seiner Ansicht nach noch nicht die 
riesigen,, ..vielleicht katastrophalen 
Auswirkungen dieser Entwicklung. 
Eile sei daher geboten, das ganze 
Problem zu erfassen, ehe sich der 
Durchbruch zur „synthetischen Gene­ 
tik“ vollziehe. 
Daß der Durchbruch kommt, be­ 
zweifelt Dubinin nicht. „In naher Zu­ 
kunft werden wir in der Lage sein, 
mit dem Menschen alles zu machen“, 
erklärte er. „Es - ist unmöglich, den 
Fortschritt der Wissenschaft zu stop­ 
pen.'Das ist der Grund,, der uns ver­ 
pflichtet, über die sozialen, ethischen 
und moralischen Auswirkungen 
nachzudenken und darüber, ob wir 
einen Menschen biologisch verändern 
sollten oder nicht.“ 
Die wechselseitige Beziehung von 
Mensch und Natur habe bereits ge­ 
zeigt, sagte Dubinin, daß der Mensch 
die Natur mit Leichtigkeit zerstören 
könne, daß es aber schwierig sei, sie 
wiederherzustellen. Wenn aber mit 
dem Menschen etwas falsch gemacht 
werde, sei es nicht wieder gutzuma­ 
chen. 
daßKlima 
Der heutige Stand sei der, 
wird 
kälter! 
Für die nächsten 
zehn Jahre erwarten 
japanische Wetter-' 
kundler auf der gan­ 
zen Erde unbeständi­ 
ges Wetter mit sinken­ 
den Temperaturen. Die 
Voraussage stützt sich 
auf eine-Untersuchung 
der Wettertendenzen 
in SO Ländern in ver­ 
schiedenen Klimazo­ 
nen. Sollte sie zutref­ 
fen, dürften die näch­ 
sten zehn Jahre an das
	        
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