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Full text: Vorarlberger Nachrichten 1974 Q2 (1974)

Das Spitzentrio der Kommunistischen Partei Chinas auf dem X. Parteitag 1973: v. 1. n. r.: der junge Schanghaier 
Wang Bung-wen, in dem manche den künftigen Führer seh en, Mao Tse-tung, der angeblich nur stumm lächelnd 
dem Parteitag folgte und Tschu-En-lai, den man für den gegenwärtigen „Steuermann" hält. 
mstag, 11: Mal 1971 
(China-Photo-Service) 
(Schluß) • 
Aus der Versenkung kam jüngst 
plötzlich wieder der von den heute 
zerstreuten Roten Garden entmach- 
tete Generalsekretär der KPCH, 
Teng Hsiao-ping. Man hat ihn als 
höchsten je ins Ausland reisenden 
Funktionär mit „großem Flughafen", 
gerade als wir in Pek ing waren, nach 
den USA verabschiedet und er trat 
bei der UNO-Sondersitzung sofort 
 daß 
mit Donner auf. Seit dem letzten 
die Konzentration'auf Wirtschaft 
und Verteidigung • heute kein en 
selbstgemachten ideologischen Auf- 
ruhr mehr zulasse? Der Widerspruch 
bleibt offen: weiter in « China revo- 
lutionieren oder Konzentration auf 
den aggressiven Kreml? 
Wie wir nach 10 Tagen die chine- 
sische Volksrepublik verließen, zeig- 
te sie uns auf der Bahnfahrt von 
Kanton nach Hongkong, in einer 
Zugsgarnitur, die die ÖBB vor Neid 
volution und füllt sie daher unent- 
erblassen lassen müßten, beim un- 
wegt mit neuer Munition. Ob der 
Feind von links oder rechts, von un- 
ten oder oben kommt, ist nicht so 
wichtig, oft gar nicht erkennbar. 
Aber er muß gegenwärtig noch kom- 
men, ob er will oder nicht. Das hält 
die Ideologie gelenkig und wach. Der 
Widerspruch wird sogar auf Glanz 
gehalten, damit er kräftig spiegelt. 
Marx und Engels hatten große 
Bärte. Lenin einen .Spitzbart und 
Stalin nur noch einen Schnurrbart. 
So zeigen es unzählige Bilder 
in Chin a. Mao jedoch ist glattrasiert. 
Sein Gesicht glänzt schattenlos und 
fast zeitlos. Er selbst grei ft auch das 
Zeitlose an und stellt es in den 
Schatten seiner Zeit: Etwa Konfuzius 
neben Lin Piao. Oder morgen, selbst 
persönlich nicht mehr ansprechbar, 
Buddha neben Tschu En-lai? Alles 
ist auswechselbar, damit die „Mas- 
Seite 62 
sen" in Balance bleiben. 
Am Ende auch das gewaltig an- 
gestimmte: „Der Osten ist rot... 
Das liegt nicht nur dara n, daß nach 
der Farbenlehre keine Farbe für sich 
allein sein kann, sondern auch an 
der menschlichen Natur, die sich nur 
für eine relativ kurze revolutionäre 
Epoche „vereinheitlichen" und klas- 
sifizieren läßt. Auch ein nicht ge- 
knechtetes, nur geknetetes Volk 
brin gt la ufend Individuen herv or. 
Heute oberflächlich nur erkennbar. 
dar an, daß es in China Fußgänger, 
Karrenfahrer und Radfahrer gibt, 
daß man eine Armbanduhr hat oder 
nicht, daß man graue, blaue oder 
Jugend im Aufbruch. Einübung des. Geistes von Mao in einer Volks- 
grüne MAO-Anzüge von recht un- kommune Chinas. 
Die erste Tuchfühlung mit der Volksrepublik China erlebte ich in der 
„VN"-Redaktion in Bregenz im Herbst 1972. Damals kamen aus Wien die, 
rotchinesischen -Diplomaten-(v. 1. n. r.) Sung En-fan, Wang Ching-yu und 
von der Nachrichtenagentur Ilsin hua Chen Wen-kui, als die chinesische 
'Auswahl in Feldkirch gegen VEU ein Eishockeyspiel austrug. 
Parteitag im August 1973 ist der jun- • 
ge Schanhaier Wang Hung-wen mit 
großer Rückendeckung aus dieser 
Parteigeschäftsfüh-- 
Revolutionsstadt 
rer und dritter Mann hinter Mao 
und Tschu in Peking. 
Was nach Mao kommt (oder schon 
da ist), wer könnte es sagen mitten 
	AMI». 
-Ale; 
Chlang Ching, die Gattin Maos, in 
jungen Ja hren Schauspielerin, geh ört 
zur zweiten Führungsschicht, wird 
aber immer wieder als Oppositionelle 
genannt, die gro ßen Einfluß hat. 
in einer 
kritisch-gefährlichen Diskus- 
sion mit Besinnung auf Massen und 
eine breite Kader-Politik, in der "auf 
anonyme Führung durch die Partei, 
Politbüro 
und ZK plädiert wird und 
die Rotation der Funk tio näre zwi- 
schen Land und Stadt, Büros und 
Fabriken neue Grundlehre wurde. 
Manchen, auch oben, mag es dabei 
eher recht sein, wenn in der 
Maoistischen Technik, alle Fehler 
und „Abweichungen" so lange zu um- 
schreiben, bis man leicht den Namen 
der in Ungnade Gefallenen erkennen 
kann, eine Pause eingelegt wird. 
Die Schübe der (bewußt inszenier- 
ten) Stürme werden indessen offi- 
ziell in Acht-Jahre-Wellen eingeteilt. 
Nach der großen Kulturrevolution 
1966 würde es jetzt w ieder einmal 
soweit sein. Damit, laut Mao, die 
fließenden Wasser nicht faulen oder 
die Türangeln nicht wurmstichig 
werden. 
Wartet Moskau bereits auf ein sol- 
ches Zei chen i nnerer Kampagnen 
zwischen den verschiedenen Linien 
vermeidlichen 
oder glaubt • die Pekif flr Führung   
Jasmin-Tee, nochmals 
friedlichstes •Landleben, geschäftige 
und meisterhafte Bauernarbeit, über 
deni alle Hoffnung des sprießenden 
Frühlings lag, während hinter der 
Brücke in die Freiheit uns die ge- 
waltigen Gegensätze von unendlich 
arm und reich empfingen. 
Der Blick zurück aus den Gegen- 
sätzen in der Freiheit, das war der 
andere Kampf und das andere Di- 
lemma in di eser überdimensionierten 
Volksrepublik, die unter dem Vor- 
sitzenden Mao sich unvorstellbar 
verwandelt hat: gelöst aus Zerri s- 
senheit, gelöst von Hunger und Re- 
signation. Und das Dilemma: Man 
kann nicht unentwegt von Revolu- 
tion oder Revolutionärsein sprechen. 
Man muß entweder wirklich unent- 
wegt Revolution machen und als Re- 
volutionär auftreten, oder beides 
heißt mit der Zeit eben etwas ganz 
anderes, etwa Denkmal und Denk- 
malpfleger. Die Sowjetunion ist, mit 
dem Vorrang für die Weltmacht, eher 
diesen zweiten Weg gegangen. Rot-. 
-sich 
china fürchtet 
vor der Begriffs- 
terschiedlichem Tuch trägt,• daß bei 
den zur Geschlechtslosigkeit erzoge- 
nen Frauen und Mädchen unter dem 
Kulianzug ein weißes oder buntes 
Seidenblüschen hervorblickt, dort 
oder da die plumpe' Sackhose etwas • 
fi gu rgerechter umgeschneidert ist 
-der vor- 
oder dem Häferihaarschnitt 
paar, 
sichtige _Pfiff -von ein 
Stirn- 
Lok•T, 
fransen-oder einer,vorsichtigen 
ke gegeben werden. . . 	. • . 
Morgen wird's ein bißchen mehr 
sein. Auch bei den Schuhen, sin, der 
Masse aus Stoff, bei Arrivierten aus 
Leder, zum nicht leicht erschwing- 
lichen Preis von 170 Schilling. Auch 
der neue Mensch, an dem nach Aus- 
kunft an der Pekinger Universität 
gearbeitet wird, der fleißig kom- 
munistische . Literatur studiert, die 
alleinige Wahrheit, und von da • aus 
seine Intelligenz mit Bauern und Ar- 
beitern in Vermassung setzt, natür- 
lich manuell stets tätig,. • hat'. seine 
Grenzen. _Mao selbst betont, :'daß es 
keine abstrakte menschliche Natur 
gibt, meint aber in seinen sonst oft 
lebensbezogenen Worten etwas kühn 
konstruierend, es gäbe nur „eine 
menschliche : Natur mit • Klassen- ' 
charakter". Menschliche 'Natur. ist, 
unserer- 
nach 
Meinung, iöttlichen 
Ursprungs, -Klassencharakter ble ibt 
Vergänglich.' 
China sollte für ,uns keine „gelbe 
Gefahr" -sein,. denn aus"" seiner. eiße- 
nen Erkenntnis,, wie • Sehr es.mit sich 
selbst ‚auf -lange beschäftigt • -ist, ;ist 
entleerung und der Worthülse Re- es heute noch" nicht einmal . gegen 
Besser ist, China studieren, damit 
• 
uns möglichst viele Auswüchse unse- 
rer eigenen demokratischen Indu- 
striegesellschaft bewußt werden, die 
seit Jahren immer mehr ihr erster 
Feind selbst wird, weil sie einerseits 
neues Leben mißachtet und anderer- 
-Umwelt, 
seits gewissenlos die 
zer- 
stört. 
Statut des X. Partei- 
Aig den.) 
tages am 28. August 1973: 
Maßgeschneidert 
auf. die Lage 
	K 
Die .Große. eipieta: " 
ul- 
turrevolution.'in. Unsereitlande 
— proletari- 
ist gerade :eine: große 
eche Revöluticin,...lerc..hieführt 
'vom PrOletariat 'unter-den•Itedin- 
g ungeri de s'So zialiSiin dgeäen die 
BourgeOisie'.. und- ;;alle. f* anderen 
Ausbeuterklasken,:Zu'r • Kö nsolidie- 
Diktatur.' 
,rüng der. 
des PrOletariats 
und_zur.Verhütung ,einer. Restau- 
.Revolu- 
ration. des ..Kapitilisniu 
tionen dieser Art werden in: Zu- 
kunft noch mehrmals duichgeführt 
. werden.... 
Das Mitglied der Kommuni- 
stischen Partei -Chinas muß u. a.: 
sich mit der großen Mehrheit der 
Menschen zusammenschließert• 
Karrieristen, 
Man muß. jedoch 
Verschwörern und Doppelzüng- 
lern;ig . 
besonders wach- 
edenüber 
' sain' sein . und verhindern, daß 
Halunken dieser Art die Führung 
:Partei' und, Staat auf irgend- 
:einer Ebene an sich' reißen, und 
somit gewäh rleisten , daß die Füll- 
-hing der Partei und des: Staates 
für immer in den Händen marxi- 
stischer Revolutionäre liegt; 
Anlieget7 
sich bei auftauchenden 
  
mit den Massen beraten, den Müt 
haben, Kritik und .Selbstkritik 
Geheimagenten, 
üben. Renegaten, 
  
absolut Besserungsunwillige, den 
kapitalistischen' Weg gehende 
entartete Eiernente, 
Machthaber, 
die beweiskräftig überführt sind, 
hinausge- 
müssen aus der Partei 
säubert- und dürfen nicht wieder 
in die Partei aufgenbmmen wer- 
Derzeit in DiskussiOn steht der poli- 
den. 
tische Kommissar der Volksarmee, 
Li Teh-scheng,. einer, der Vize des 
Vorsitzenden Mao, der in der Kam. 
pagne gegen Lin Piao unter Beschuß 
kam, als wichtiger militärischer 
Kommandant an der „Front" gegen 
die UdSSR scheinbar aber , wieder 
einen sowjetischen Angriff gerüstet 
voll im Spitz enf eld der Gnnst -liegt. 
und betont daher auch unablässig 
vor seinen Massen eine rein defen- 
sive Politik. Es wäre auch sinn- 
los, seine ideologische Herrschaft von 
der Ferne her zu verteufeln, denn 
Mao hat 750 Millionen Menschen die 
Not abgenommen und seine besten 
‚Helfer, sich ‚durchzusetzen, waren 
der .Kapitalismus im-Lande und der 
weiße und gelbe• (japanische) •Kol o- 
nialismus. nialismus.
	        
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