Das Spitzentrio der Kommunistischen Partei Chinas auf dem X. Parteitag 1973: v. 1. n. r.: der junge Schanghaier
Wang Bung-wen, in dem manche den künftigen Führer seh en, Mao Tse-tung, der angeblich nur stumm lächelnd
dem Parteitag folgte und Tschu-En-lai, den man für den gegenwärtigen „Steuermann" hält.
mstag, 11: Mal 1971
(China-Photo-Service)
(Schluß) •
Aus der Versenkung kam jüngst
plötzlich wieder der von den heute
zerstreuten Roten Garden entmach-
tete Generalsekretär der KPCH,
Teng Hsiao-ping. Man hat ihn als
höchsten je ins Ausland reisenden
Funktionär mit „großem Flughafen",
gerade als wir in Pek ing waren, nach
den USA verabschiedet und er trat
bei der UNO-Sondersitzung sofort
daß
mit Donner auf. Seit dem letzten
die Konzentration'auf Wirtschaft
und Verteidigung • heute kein en
selbstgemachten ideologischen Auf-
ruhr mehr zulasse? Der Widerspruch
bleibt offen: weiter in « China revo-
lutionieren oder Konzentration auf
den aggressiven Kreml?
Wie wir nach 10 Tagen die chine-
sische Volksrepublik verließen, zeig-
te sie uns auf der Bahnfahrt von
Kanton nach Hongkong, in einer
Zugsgarnitur, die die ÖBB vor Neid
volution und füllt sie daher unent-
erblassen lassen müßten, beim un-
wegt mit neuer Munition. Ob der
Feind von links oder rechts, von un-
ten oder oben kommt, ist nicht so
wichtig, oft gar nicht erkennbar.
Aber er muß gegenwärtig noch kom-
men, ob er will oder nicht. Das hält
die Ideologie gelenkig und wach. Der
Widerspruch wird sogar auf Glanz
gehalten, damit er kräftig spiegelt.
Marx und Engels hatten große
Bärte. Lenin einen .Spitzbart und
Stalin nur noch einen Schnurrbart.
So zeigen es unzählige Bilder
in Chin a. Mao jedoch ist glattrasiert.
Sein Gesicht glänzt schattenlos und
fast zeitlos. Er selbst grei ft auch das
Zeitlose an und stellt es in den
Schatten seiner Zeit: Etwa Konfuzius
neben Lin Piao. Oder morgen, selbst
persönlich nicht mehr ansprechbar,
Buddha neben Tschu En-lai? Alles
ist auswechselbar, damit die „Mas-
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sen" in Balance bleiben.
Am Ende auch das gewaltig an-
gestimmte: „Der Osten ist rot...
Das liegt nicht nur dara n, daß nach
der Farbenlehre keine Farbe für sich
allein sein kann, sondern auch an
der menschlichen Natur, die sich nur
für eine relativ kurze revolutionäre
Epoche „vereinheitlichen" und klas-
sifizieren läßt. Auch ein nicht ge-
knechtetes, nur geknetetes Volk
brin gt la ufend Individuen herv or.
Heute oberflächlich nur erkennbar.
dar an, daß es in China Fußgänger,
Karrenfahrer und Radfahrer gibt,
daß man eine Armbanduhr hat oder
nicht, daß man graue, blaue oder
Jugend im Aufbruch. Einübung des. Geistes von Mao in einer Volks-
grüne MAO-Anzüge von recht un- kommune Chinas.
Die erste Tuchfühlung mit der Volksrepublik China erlebte ich in der
„VN"-Redaktion in Bregenz im Herbst 1972. Damals kamen aus Wien die,
rotchinesischen -Diplomaten-(v. 1. n. r.) Sung En-fan, Wang Ching-yu und
von der Nachrichtenagentur Ilsin hua Chen Wen-kui, als die chinesische
'Auswahl in Feldkirch gegen VEU ein Eishockeyspiel austrug.
Parteitag im August 1973 ist der jun- •
ge Schanhaier Wang Hung-wen mit
großer Rückendeckung aus dieser
Parteigeschäftsfüh--
Revolutionsstadt
rer und dritter Mann hinter Mao
und Tschu in Peking.
Was nach Mao kommt (oder schon
da ist), wer könnte es sagen mitten
AMI».
-Ale;
Chlang Ching, die Gattin Maos, in
jungen Ja hren Schauspielerin, geh ört
zur zweiten Führungsschicht, wird
aber immer wieder als Oppositionelle
genannt, die gro ßen Einfluß hat.
in einer
kritisch-gefährlichen Diskus-
sion mit Besinnung auf Massen und
eine breite Kader-Politik, in der "auf
anonyme Führung durch die Partei,
Politbüro
und ZK plädiert wird und
die Rotation der Funk tio näre zwi-
schen Land und Stadt, Büros und
Fabriken neue Grundlehre wurde.
Manchen, auch oben, mag es dabei
eher recht sein, wenn in der
Maoistischen Technik, alle Fehler
und „Abweichungen" so lange zu um-
schreiben, bis man leicht den Namen
der in Ungnade Gefallenen erkennen
kann, eine Pause eingelegt wird.
Die Schübe der (bewußt inszenier-
ten) Stürme werden indessen offi-
ziell in Acht-Jahre-Wellen eingeteilt.
Nach der großen Kulturrevolution
1966 würde es jetzt w ieder einmal
soweit sein. Damit, laut Mao, die
fließenden Wasser nicht faulen oder
die Türangeln nicht wurmstichig
werden.
Wartet Moskau bereits auf ein sol-
ches Zei chen i nnerer Kampagnen
zwischen den verschiedenen Linien
vermeidlichen
oder glaubt • die Pekif flr Führung
Jasmin-Tee, nochmals
friedlichstes •Landleben, geschäftige
und meisterhafte Bauernarbeit, über
deni alle Hoffnung des sprießenden
Frühlings lag, während hinter der
Brücke in die Freiheit uns die ge-
waltigen Gegensätze von unendlich
arm und reich empfingen.
Der Blick zurück aus den Gegen-
sätzen in der Freiheit, das war der
andere Kampf und das andere Di-
lemma in di eser überdimensionierten
Volksrepublik, die unter dem Vor-
sitzenden Mao sich unvorstellbar
verwandelt hat: gelöst aus Zerri s-
senheit, gelöst von Hunger und Re-
signation. Und das Dilemma: Man
kann nicht unentwegt von Revolu-
tion oder Revolutionärsein sprechen.
Man muß entweder wirklich unent-
wegt Revolution machen und als Re-
volutionär auftreten, oder beides
heißt mit der Zeit eben etwas ganz
anderes, etwa Denkmal und Denk-
malpfleger. Die Sowjetunion ist, mit
dem Vorrang für die Weltmacht, eher
diesen zweiten Weg gegangen. Rot-.
-sich
china fürchtet
vor der Begriffs-
terschiedlichem Tuch trägt,• daß bei
den zur Geschlechtslosigkeit erzoge-
nen Frauen und Mädchen unter dem
Kulianzug ein weißes oder buntes
Seidenblüschen hervorblickt, dort
oder da die plumpe' Sackhose etwas •
fi gu rgerechter umgeschneidert ist
-der vor-
oder dem Häferihaarschnitt
paar,
sichtige _Pfiff -von ein
Stirn-
Lok•T,
fransen-oder einer,vorsichtigen
ke gegeben werden. . . . • .
Morgen wird's ein bißchen mehr
sein. Auch bei den Schuhen, sin, der
Masse aus Stoff, bei Arrivierten aus
Leder, zum nicht leicht erschwing-
lichen Preis von 170 Schilling. Auch
der neue Mensch, an dem nach Aus-
kunft an der Pekinger Universität
gearbeitet wird, der fleißig kom-
munistische . Literatur studiert, die
alleinige Wahrheit, und von da • aus
seine Intelligenz mit Bauern und Ar-
beitern in Vermassung setzt, natür-
lich manuell stets tätig,. • hat'. seine
Grenzen. _Mao selbst betont, :'daß es
keine abstrakte menschliche Natur
gibt, meint aber in seinen sonst oft
lebensbezogenen Worten etwas kühn
konstruierend, es gäbe nur „eine
menschliche : Natur mit • Klassen- '
charakter". Menschliche 'Natur. ist,
unserer-
nach
Meinung, iöttlichen
Ursprungs, -Klassencharakter ble ibt
Vergänglich.'
China sollte für ,uns keine „gelbe
Gefahr" -sein,. denn aus"" seiner. eiße-
nen Erkenntnis,, wie • Sehr es.mit sich
selbst ‚auf -lange beschäftigt • -ist, ;ist
entleerung und der Worthülse Re- es heute noch" nicht einmal . gegen
Besser ist, China studieren, damit
•
uns möglichst viele Auswüchse unse-
rer eigenen demokratischen Indu-
striegesellschaft bewußt werden, die
seit Jahren immer mehr ihr erster
Feind selbst wird, weil sie einerseits
neues Leben mißachtet und anderer-
-Umwelt,
seits gewissenlos die
zer-
stört.
Statut des X. Partei-
Aig den.)
tages am 28. August 1973:
Maßgeschneidert
auf. die Lage
K
Die .Große. eipieta: "
ul-
turrevolution.'in. Unsereitlande
— proletari-
ist gerade :eine: große
eche Revöluticin,...lerc..hieführt
'vom PrOletariat 'unter-den•Itedin-
g ungeri de s'So zialiSiin dgeäen die
BourgeOisie'.. und- ;;alle. f* anderen
Ausbeuterklasken,:Zu'r • Kö nsolidie-
Diktatur.'
,rüng der.
des PrOletariats
und_zur.Verhütung ,einer. Restau-
.Revolu-
ration. des ..Kapitilisniu
tionen dieser Art werden in: Zu-
kunft noch mehrmals duichgeführt
. werden....
Das Mitglied der Kommuni-
stischen Partei -Chinas muß u. a.:
sich mit der großen Mehrheit der
Menschen zusammenschließert•
Karrieristen,
Man muß. jedoch
Verschwörern und Doppelzüng-
lern;ig .
besonders wach-
edenüber
' sain' sein . und verhindern, daß
Halunken dieser Art die Führung
:Partei' und, Staat auf irgend-
:einer Ebene an sich' reißen, und
somit gewäh rleisten , daß die Füll-
-hing der Partei und des: Staates
für immer in den Händen marxi-
stischer Revolutionäre liegt;
Anlieget7
sich bei auftauchenden
mit den Massen beraten, den Müt
haben, Kritik und .Selbstkritik
Geheimagenten,
üben. Renegaten,
absolut Besserungsunwillige, den
kapitalistischen' Weg gehende
entartete Eiernente,
Machthaber,
die beweiskräftig überführt sind,
hinausge-
müssen aus der Partei
säubert- und dürfen nicht wieder
in die Partei aufgenbmmen wer-
Derzeit in DiskussiOn steht der poli-
den.
tische Kommissar der Volksarmee,
Li Teh-scheng,. einer, der Vize des
Vorsitzenden Mao, der in der Kam.
pagne gegen Lin Piao unter Beschuß
kam, als wichtiger militärischer
Kommandant an der „Front" gegen
die UdSSR scheinbar aber , wieder
einen sowjetischen Angriff gerüstet
voll im Spitz enf eld der Gnnst -liegt.
und betont daher auch unablässig
vor seinen Massen eine rein defen-
sive Politik. Es wäre auch sinn-
los, seine ideologische Herrschaft von
der Ferne her zu verteufeln, denn
Mao hat 750 Millionen Menschen die
Not abgenommen und seine besten
‚Helfer, sich ‚durchzusetzen, waren
der .Kapitalismus im-Lande und der
weiße und gelbe• (japanische) •Kol o-
nialismus. nialismus.