Psychologen erforschen Auswirkungen der Geschwindigkeitsbeschränkung
Motorsplitter
Fleißig waren die rund 9000
Straßenpolizisten und Carabi-
nieri, die an den vier Osterfeier-
tagen in Italien zur Verkehrsüber-
wachung eingesetzt waren: Sie
stellten 71.556 Strafmandate we-
gen Verstoßes gegen die StVO aus.
Während der vier Osterfeiertage
(Freita g bis einschließlich Mon-
tag) kamen auf den italienischen
Straßen und Autobahnen 106 Per-
sonen ums Leben .
In der Ortschaft Wilden zwi-
schen Graz und der jugoslawi-
schen Grenze protestierten die
Bewohner mit einem Sitzstreik
gegen den Durchzugsverkehr. Er
nimmt besonders dann ein unvor-
stellbares Ausm aß an Lärmbelä-
stigung und Stauungen an, wenn
Gastarbeiter aus Österreich und
Deutschland in ihre Heimatländer
zurückfahren. Der Pkw-Verkehr
mußte umgeleitet werden, weil
die St raße blockiert war. Da
Nutzfahrzeuge die Umleitung
nicht benutzen konnten, mußten
sie bis in die späten Abendstun-
den auf die Freigabe der Orts-
durchfahrt warten.
gab es schon vor
In Europa
dem Ersten Weltkrieg große
Windtunnels, nur in den USA hat
die Autoindustrie keinen Wind-
kanal. Jetzt erst baut General
Motors einen Windkanal, in dem
auch Lkw und Motor Homes ge-
testet werden können. Dieser
im Ver-
GM-Windkanal entsteht
suchszentrum Warren und wird
Anfang 1976 betriebsbereit sein.
Bisher wurden die US-Automo-
delle in gemieteten Windkanalan-
lagen getestet. Mit den Lkw-
Prototypen zog man zu den Lock-
heed-Flugzeugwerken.
Die europäischen Autoherstel-
ler
halten nicht viel davon, ihre
großen Automodelle mit kleine-
ren Motoren auszurüsten. Aus-
nahmen bestätigen die Regel.
Jetzt nach dem (vorläufigen) Ende
der Benzinkrise wird der Export
angekurbelt: BMW möchte seine
Verkaufszahlen in den USA 1974
verdoppeln. Die längsten Liefer-
fris ten hatte in Frankreich wäh-.
rend der tristen Monate das wohl
langsamste europäische Auto: das
häßliche Entlein von Citroen.
Ford-Präsident Lee A. Iacocca
hat alle Konstruktionsabteilun-
gen der Ford-Werke in den ver-
schiedenen Ländern der Welt ver-
pflichtet, bei der Arbeit immer
wieder an die neue Ford-Pa ro le
zu denken, die da lautet: „Think
Small Car!") (Denk' an den Klei n-
wagen). „Jahrzehntelang haben
wir immer nur an größere Auto-
modelle gedacht, und nun erle-
ben wir, wie schwer uns das Um-
denken auf kleinere Automodelle
fällt. Das hat zur Folge, daß im-
mer noch keine guten Kleinwa-
gen-Entwürfe aus den Konstruk-
tionsbüros kommen, die wir so
dringend für den amerikanischen
Automarkt benötigen. Darum ru-
fe ich allen unseren Mitarbeitern
zu, ihr ganzes Sinnen und Trach-
ten auf Kleinwagen umzustellen."
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Samstag, 11. Mai 1974
.VOIIAILBERGElt NACERICITTErei•
Seite 67
Einen ersten Zwischenbericht
über die Untersuchung „Psychologi-
sche Aus wirkung en der Tempo-100-
Verordnung" hat das Verkehrspsy-
chologische Institut des Kuratoriums
für Verkehrssicherheit (KfV) seinen
Auftraggebern, dem Bundesmini-
sterium für Verkehr und dem Bun-
desministerium für Wissenschaft und
Forschung, vorgelegt.
Etwa 100 Personen wurden vor-
erst von den Psychologen jeweils fast
zwei Stunden lang intensiv zum The-
menkreis „Geschwindigkeitsbegren-
zung" befragt. Das bildete die Grund-
lage zur Ausarbeitung eines Frage-
bogens, mit dessen Hilfe schließlich
rund 1000 österreichische Kraftfah-
rer, die gewissermaßen „aus dem
Verkehr gezogen" wurden, interviewt
wurden. Außerdem führte man auf
Österreichs Autobahnen eine soge-
nannte „fahrerbegleitende Beobach-
tung" durch. Und schließlich unter-
zogen die Wissenschafter gemeinsam
mit dem Statistischen Zentralamt die
einschlägigen Unfallzahlen einer
gründlichen Analyse.
Das sind die Ergebnisse:
O Die Mehrheit der Befragten — et-
100 auf Bundesstraßen; auf Autobah-
wa 60 Pr ozent — befürwortet Tempo tende Beobachtung", mit deren Hilfe
nen sind etwa ebensoviel Prozent ge-
gen jedes Lim it.
Der österreichische Autofahrer
gibt sich recht diszipliniert: Obwohl
nur 60 Prozent Tempo 100 befürwor-
ten, behaupten 91 Prozent der Be-
fragten, diese Verordnung einzuhal-
ten.
Als Begründung dafür wird in
etwa der Hälfte der Fälle die He-
bung der Verkehrssicherheit ange-
geben. Nur fünf bis sieben Prozent
der Kraftfahrer pochen auf die offi-
zielle Begründung der Verordnung:
Energiekrise und Treibstofferspar-
nis.
Daß Tempo 100 tatsächlich eine
Hebu ng der Verkehrssicherheit
bringt, zeigt die Statistik: Im De-
zember, Jänner und Februar sind
Zahl und Schwere der Verkehrsun-
fälle gegenüber dem Vergleichszeit-
raum des Vorjahres um 26 bis 43
Prozent auf Freilandstraßen, auf
Autobahnen sogar um 48 bis 83 Pro-
zent zurückgegangen. (Demgegen-
über glaubt aber ein Drittel, daß ein
Tempolimit auf Autobahnen kein
Gewinn an Verkehrssicherheit sei.)
überraschende Erkenntnisse
brachte schließlich die „fahrerbeglei-
die
unterschiedlichen Auswirkungen
von Tempo 100 und 120 auf Auto-
bahnen untersucht wurden:
Q Wer sich bemüht, Tempo 100
exakt einzuhalten, kommt auf eine
Durchschnittsgeschwindigkeit von
99 km/h, während beim Versuch,
„echte 120" zu fahren, lediglich 116
km/h erreicht werden. Tempo 100
läßt sich also relativ besser ausnüt-
zen. Das gilt auch für die Reisezeiten.
Beim Versuch, Tempo 120 mög-
lichst immer zu fahren, ist die Zahl
der überholmanöver um 32 Prozent
gegenüber dem 100-km/h-Limit an-
gestiegen. Das heißt, daß die mei-
sten Autofahrer die erlaubte Ge-
schwindigkeit gar nicht voll ausnüt -
zen.
Weitere Erkenntnisse wird der
zweite Zwischenbericht zum Jahres-
ende bringen; mit dem Abschluß die-
ser Mammut-Untersuchung ist im
Frühjahr nächsten Jahr es zu rech-
nen.
Die hier erarbeiteten Ergebnisse
bilden aber nur einen von vielen
Faktoren, die zur Beantwortung der
Gretchenfrage „Generelle Geschwin-
digkeitsbeschränkung — Ja oder
Nein?" notwendig sind. Die endgül-
tige Entscheidung wird im Verkehrs-
Der erste Warnposten-Roboter winkt auf der Brenner-Autobahn für die
ministerium fallen.
Verkehrssicherheit. Der Wachlsepp (auch Winkemann genannt), hat
Gardemaß, ist aus Kunststoff und mit einer roten, rückstrahlenden Mon-
tur bekleidet. Er wird mit einer Batterie betrieben und kann 40 Stunden
lang ununterbrochen winken — sowohl mit der rechten als auch mit der
linken Hand. Der Wachlsepp soll das Risiko für den menschlichen Warn-
posten ausschalten. In den letzten Jahren sind nämlich zahlreiche Warn-
posten schwer verletzt oder gar getötet worden. worden.